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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

von Hasenkamp: Die Farbe der natürlichen Gewässer, 
stattfindet, setzen sie: rasch ihren Schlamm ab und tragen so zur Bildung der 
Deltas bei. 
In dem Augenblicke nun, wo der Thon abgesetzt ist, erhält die blaue 
Farbe wieder die Oberhand. Spring erklärt die oben erwähnten Beobachtungen 
der „Gazelle“, nach denen die Wiederkehr der blauen Farbe von einer Ver- 
mehrung des specifischen Gewichtes begleitet war, dadurch, dafs der größere 
Salzgehalt den Niederschlag des Thones bewirkt, der durch seine Emulsion im 
Wasser die Ursache der grünen Färbung abgiebt. 
Aus den gegebenen Darlegungen folgt, dafs die natürlichen Wasserarten 
das einfallende Licht nach allen Richtungen zerstreuen, und weiter, dafs unter 
sonst gleichen Umständen ‚ein grünes Wasser diese Erscheinung in höherem 
Grade als ein blaues zeigen und darum heller erscheinen muß.. Spring hat 
diese Folgerung im Jahre 1886 durch direkte Messungen des von verschiedenen 
Seen der Schweiz ausgesandten Lichtes bestätigt, indem er sich des Bunsen- 
schen. Photometers bediente, dem er für den vorliegenden Zweck die folgende 
Einrichtung gab. Ein innen geschwärztes Metallrohr von 25mm Durchmesser 
und 70cm Länge war an einem Ende mit einer Glasplatte verschlossen, um es 
in das Wasser tauchen und so das von der Oberfläche des Wassers ausgestrahlte 
Licht ausschliefsen zu können; das andere Ende hatte als Verschluls eine mit 
einem kleinen Loche, das als Okular diente, versehene Metallkapsel. Zwölf 
Centimeter. unter diesem Okular war der mit einem Paraffinfleck versehene 
Papierschirm angebracht. Tauchte man das Rohr in das Wasser eines Sees, so 
erschien der Fleck hell auf dunklem Grunde, woraus folgt, dafs sich das Wasser 
wie ‚ein leuchtender Körper verhält, dessen Lichtintensität nun mit der des 
Tageslichtes verglichen werden konnte. Die so für verschiedene Gewässer er- 
haltenen Werthe sind offenbar unter einander vergleichbar und liefern die ge- 
wünschten Aufschlüsse. 
Zu diesem Zweck befand sich über dem Papierschirm eine Oeffnung, die 
durch einen vor einer Theilung beweglichen Schieber mehr oder weniger ver- 
schlossen werden konnte. Bei vollständiger Oeffnung erschien der Fleck dunkel 
auf hellem Grunde; verkleinerte man dann vorsichtig das Fenster, so konnte der 
Fleck zum Verschwinden gebracht werden, und man erhielt das gesuchte Ver- 
bältnifs der beiden Lichtintensitäten durch Vergleichung der beiden Flächen, 
durch die das Licht auf den Schirm fiel. 
Als Typus eines blanen Gewässers wurde der kleine Blauensee im Kander- 
Thal gewählt, als der eines grünen der Vierwaldstätter- und als gelber der 
Brienzer See. 
Es ergab sich das erwartete Resultat: das gelbe Wasser zeigte sich am 
hellsten, das, blaue gab die geringste Erleuchtung; setzt man die Letztere gleich 
der Einheit, so gaben die drei Gewässer folgendes Verhältnifs der Lichtintensitäten: 
1:1.094 : 1,272. 
Aus diesen Versuchen folgt mit Nothwendigkeit, dafs selbst die anschei- 
nend vollkommen klaren Gewässer nicht „optisch leer“ im Sinne Tyndalls sein 
können; hierüber herrscht auch allseitige Uebereinstimmung, keineswegs aber 
über die Frage nach der Natur der auch in dem klarsten Wasser nothwendig 
vorhandenen Trübung. Tyndall und namentlich Soret nehmen, wie wir ge- 
sehen haben, die Gegenwart unsichtbarer materieller Theilchen an, die das 
Wasser immer suspendirt enthalten sollte und‘ die seine innere Krhellung be- 
wirken sollten. Demgegenüber weist Spring darauf hin, dafs die Existenz einer 
solchen materiellen Trübung in den blauen Gewässern durch keine sonstige 
Thatsache erwiesen ist, ja dafs sie schon im Jahre 1869 durch Lallemand 
sehr unwahrscheinlich gemacht worden ist,!) der zeigte, dafs Flüssigkeiten, durch 
die polarisirtes Licht geleitet wird, fast ausschliefslich in der Polarisationsebene 
erhellt werden, eine Thatsache, die schwer mit der obigen Annahme vereinbar 
scheint. Lallemand hat sogar eine diffuse Reflexion des Lichtes im Innern 
vollkommen homogener fester Körper, wie Flint- und Crownglas, beobachtet, 
Weiter ist zu beachten, dafß blaues Wasser, das eine genügende Menge 
von Theilchen suspendirt enthält, um ebenso hell zu erscheinen wie grünes, ein 
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X Commptes rendus LXIX, S. 189, 282, 917, 1294,
	        
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