von Hasenkamp: Die Farbe der natürlichen Gewässer,
stattfindet, setzen sie: rasch ihren Schlamm ab und tragen so zur Bildung der
Deltas bei.
In dem Augenblicke nun, wo der Thon abgesetzt ist, erhält die blaue
Farbe wieder die Oberhand. Spring erklärt die oben erwähnten Beobachtungen
der „Gazelle“, nach denen die Wiederkehr der blauen Farbe von einer Ver-
mehrung des specifischen Gewichtes begleitet war, dadurch, dafs der größere
Salzgehalt den Niederschlag des Thones bewirkt, der durch seine Emulsion im
Wasser die Ursache der grünen Färbung abgiebt.
Aus den gegebenen Darlegungen folgt, dafs die natürlichen Wasserarten
das einfallende Licht nach allen Richtungen zerstreuen, und weiter, dafs unter
sonst gleichen Umständen ‚ein grünes Wasser diese Erscheinung in höherem
Grade als ein blaues zeigen und darum heller erscheinen muß.. Spring hat
diese Folgerung im Jahre 1886 durch direkte Messungen des von verschiedenen
Seen der Schweiz ausgesandten Lichtes bestätigt, indem er sich des Bunsen-
schen. Photometers bediente, dem er für den vorliegenden Zweck die folgende
Einrichtung gab. Ein innen geschwärztes Metallrohr von 25mm Durchmesser
und 70cm Länge war an einem Ende mit einer Glasplatte verschlossen, um es
in das Wasser tauchen und so das von der Oberfläche des Wassers ausgestrahlte
Licht ausschliefsen zu können; das andere Ende hatte als Verschluls eine mit
einem kleinen Loche, das als Okular diente, versehene Metallkapsel. Zwölf
Centimeter. unter diesem Okular war der mit einem Paraffinfleck versehene
Papierschirm angebracht. Tauchte man das Rohr in das Wasser eines Sees, so
erschien der Fleck hell auf dunklem Grunde, woraus folgt, dafs sich das Wasser
wie ‚ein leuchtender Körper verhält, dessen Lichtintensität nun mit der des
Tageslichtes verglichen werden konnte. Die so für verschiedene Gewässer er-
haltenen Werthe sind offenbar unter einander vergleichbar und liefern die ge-
wünschten Aufschlüsse.
Zu diesem Zweck befand sich über dem Papierschirm eine Oeffnung, die
durch einen vor einer Theilung beweglichen Schieber mehr oder weniger ver-
schlossen werden konnte. Bei vollständiger Oeffnung erschien der Fleck dunkel
auf hellem Grunde; verkleinerte man dann vorsichtig das Fenster, so konnte der
Fleck zum Verschwinden gebracht werden, und man erhielt das gesuchte Ver-
bältnifs der beiden Lichtintensitäten durch Vergleichung der beiden Flächen,
durch die das Licht auf den Schirm fiel.
Als Typus eines blanen Gewässers wurde der kleine Blauensee im Kander-
Thal gewählt, als der eines grünen der Vierwaldstätter- und als gelber der
Brienzer See.
Es ergab sich das erwartete Resultat: das gelbe Wasser zeigte sich am
hellsten, das, blaue gab die geringste Erleuchtung; setzt man die Letztere gleich
der Einheit, so gaben die drei Gewässer folgendes Verhältnifs der Lichtintensitäten:
1:1.094 : 1,272.
Aus diesen Versuchen folgt mit Nothwendigkeit, dafs selbst die anschei-
nend vollkommen klaren Gewässer nicht „optisch leer“ im Sinne Tyndalls sein
können; hierüber herrscht auch allseitige Uebereinstimmung, keineswegs aber
über die Frage nach der Natur der auch in dem klarsten Wasser nothwendig
vorhandenen Trübung. Tyndall und namentlich Soret nehmen, wie wir ge-
sehen haben, die Gegenwart unsichtbarer materieller Theilchen an, die das
Wasser immer suspendirt enthalten sollte und‘ die seine innere Krhellung be-
wirken sollten. Demgegenüber weist Spring darauf hin, dafs die Existenz einer
solchen materiellen Trübung in den blauen Gewässern durch keine sonstige
Thatsache erwiesen ist, ja dafs sie schon im Jahre 1869 durch Lallemand
sehr unwahrscheinlich gemacht worden ist,!) der zeigte, dafs Flüssigkeiten, durch
die polarisirtes Licht geleitet wird, fast ausschliefslich in der Polarisationsebene
erhellt werden, eine Thatsache, die schwer mit der obigen Annahme vereinbar
scheint. Lallemand hat sogar eine diffuse Reflexion des Lichtes im Innern
vollkommen homogener fester Körper, wie Flint- und Crownglas, beobachtet,
Weiter ist zu beachten, dafß blaues Wasser, das eine genügende Menge
von Theilchen suspendirt enthält, um ebenso hell zu erscheinen wie grünes, ein
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X Commptes rendus LXIX, S. 189, 282, 917, 1294,