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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1897,
und mehr dem reinen Grün näherte. In ganz ähnlicher Weise verhielten sich
gesättigte Lösungen von Chlormagnesium, Chlornatrium und Bromnatrium. Aus
diesen Versuchen geht hervor, dafs die durch eine Lösung hervorgebrachte gelbe
Farbe weniger von der Menge des gelösten Salzes als von der unmittelbaren
Nähe des Sättigungspunktes abhängt. Kleine Mengen eines wenig löslichen
Salzes bringen dieselbe Wirkung hervor wie große eines löslicheren. Um diese
Folgerung direkt zu prüfen, wurde reines, blaues, destillirtes Wasser einige Tage
in einem Glasgefäfßs gekocht. Bekanntlich ist Glas etwas löslich in Wasser,
weshalb die erkaltete Flüssigkeit in dem Beobachtungsrohr vollkommen undurch-
sichtig erschien. Nach einigen Stunden liefs sie ein dunkelgelbes Licht hindurch,
nach zwei Tagen wurde sie grün und blieb es. Sie war vollkommen klar ge-
worden, aber die geringe Menge an sich durchsichtiger Substanz, die sie dem
Glase entzogen hatte, genügte, sie grün zu färben. Diese experimentellen Re-
sultate verwendet nun Spring in folgender Weise zur Erklärung der verschie-
denen Färbungen der natürlichen Gewässer. Er geht davon aus, dafs das reine
Wasser bei genügender Dicke der Schicht blau erscheint; diese blaue Farbe
bleibt ungeändert, wenn das Wasser farblose Salze in geringer Menge in voll-
kommener Lösung enthält; dagegen wird das hindurchgegangene Licht mehr
oder weniger dunkelgelb erscheinen, wenn ein „nascenter“ Niederschlag im Wasser
enthalten ist. In Verbindung mit der blauen Farbe des Wassers werden sich
die verschiedenen Nuancen des Grün bilden je nach der Menge des Gelb.
Ueberwiegt dieses sehr stark, so kann das Wasser gelbbraun oder noch dunkler
erscheinen.
Im Allgemeinen sind es nun das Calcium- und Magnesiumkarbonat, die
Kieselerde und der 'T’hon, die als wenig lösliche Substanzen in der Form eines
nascenten Niederschlages in den natürlichen Gewässern auftreten können, während
die löslicheren Salze, wie die Chloride des Natriums und Magnesiums, die Sul-
fate etc., in zu geringer Menge auftreten, um die betrachteten Erscheinungen
hervorbringen zu können,
Ein blaues Gewässer, wie z. B. der Genfer See oder der Achensee, wird
seinen Kalkgehalt um so vollständiger gelöst enthalten, je blauer es ist; das
Wasser enthält dann eine genügende Menge Kohlensäure, um doppeltkohlensauren
Kalk zu bilden. Ein grünes Wasser dagegen, wie der Bodensee, enthält den
Kalk weniger vollständig gelöst infolge eines geringeren Kohlensäuregehaltes.
Eine Bestätigung dieser Ansicht findet Spring in den von Ste. Claire-Deville
ausgeführten Analysen des grünen Rhein- und des Rhonewassers, aus denen sich
ergiebt, dafs auf dieselbe Menge von kohlensaurem Kalk die Rhone die doppelte
Menge Kohlensäure enthält wie der Rhein, Der Kalk mul also im ersteren
Flusse besser gelöst sein als in dem anderen. Das Rhonewasser ist in der
That blau.
Wenn wirklich unter sonst gleichen Umständen ein kalkhaltiges Wasser
um so stärker blau erscheint, je besser der Kalk gelöst ist, so mufs ein blaues
Wasser, das Kalk aufnimmt, grün werden, da die freie Kohlensäure dann als
doppeltkohlensaurer Kalk gebunden wird. So zeigt der an den tiefen Stellen
dunkelblaue Achensee an seinem nördlichen Ufer ein schönes Chromgrün. Das
Wasser ist dort wenig tief und entzieht dort in seiner beständigen Bewegung
den kalkhaltigen Kieseln des Grundes unsichtbare Kalktheilchen, die die Farben-
änderung bewirken. Die grünlichen Färbungen aller Untiefen der Meere und der
Ufer der Seen haben einen ähnlichen Ursprung. Der Sand des Meeres schliefst
die Trümmer zerriebener Muscheln ein, und die Uferpartien der Seen haben
immer einen genügenden Kalkgehalt, um die Kohlensäure des Wassers zum Theil
zu binden.
Am Schlusse seiner ersten Abhandlung weist Spring noch darauf hin,
daß die Kieselerde und der Thon dieselben Wirkungen hervorbringen können
wie der Kalk, und dafs ein thonhaltiges Gewässer ebenfalls verschiedene Fär-
bungen hervorbringen kann. Der Thon bildet, ohne im eigentlichen Sinne des
Wortes im Wasser löslich zu sein, mit ihm eine Pseudo-Lösung, eine Art von
Emulsion. Wird aber eine Salzlösung hinzugesetzt, so schlägt sich der Thon
rasch nieder. Man beobachtet diesen Vorgang im gröfsten Mafsstab an den
Mündungen der grofsen Flüsse, deren Gewässer trübe bleiben, so lange sie sich
noch nicht mit dem Meerwasser vermischt haben; sowie aber die Mischung