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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

von Hasenkamp: Die Farbe der natürlichen Gewässer. 
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das dem‘ Durchgang der weniger brechbaren Strahlen nur geringen Widerstand 
bietet, während es die brechbareren Strahlen reflektirt und theilweise auslöscht. 
Betrachtet man eine weifse Lichtquelle durch ein solches Medium, so erhält man 
den Eindruck eines mehr oder weniger orange gefärbten Gelb, während das 
reflektirte Licht bläulich erscheint. Diese optischen Erscheinungen hängen durch- 
aus nicht von der chemischen Natur der Färbung ab; kohlensaurer Kalk, Thon, 
Kieselerde ergaben dasselbe Resultat. . 
Enthält nun ein Gewässer solche Theile suspendirt, so wird es um so 
mehr grün, ja selbst gelblich erscheinen, je größer die Menge der Trübung ist; 
das durchgelassene Licht wird aus dem dem Wasser eigenthümlichen Blau und 
dem Orangegelb der Trübung zusammengesetzt sein. Kine Menge‘ der ver- 
schiedensten Nuancen sind so möglich vom Blau bis zum mehr oder. minder 
dunkeln Braun durch alle Schattirungen des Grün hindurch. Das durch die 
Reflexion an den Theilchen entstandene Blau wird sich zu dem Blau des Wassers 
gesellen, aber da seine Intensität bei Weitem nicht hinreicht, das Orangegelb 
des durchgelassenen Lichtes zu kompensiren, so wird sein Einflufs nur unbedeutend 
sein können. . 
Spring stützt diese Ansicht durch folgende Versuche: Fünf Liter reines 
blaues Wasser wurden mit einigen Grammen., eisenfreien Kalks behandelt. Das 
so erhaltene, nach fünf Tagen völlig klare Kalkwasser wurde mit einer wässerigen 
Kohlensäurelösung bis zur Bildung eines kaum sichtbaren Niederschlages versetzt. 
In das 5 m lange Beobachtungsrohr gegossen, zeigte sich die Flüssigkeit voll- 
kommen undurchsichtig. MLiels man einen Kohlensäurestrom wiederholt ein- 
wirken, so verschwand die anfängliche Undurchsichtigkeit, um zuerst ein braunes, 
dann ein hellbraunes, gelbes, grünes und endlich nach einer 18stündigen Kin- 
wirkung ein blaues Licht mit einem Stich in Grün hindurchgehen zu lassen, 
Zur Anstellung eines Gegenversuches wurde eine gesättigte Lösung von 
doppeltkohlensaurem Kalk und Kohlensäure in reinem Wasser benutzt, die in 
einer Schicht von 5m Dicke eine grüne Farbe zeigte. Sie wurde unter die 
Glocke der Luftpumpe gebracht, um eine gewisse Menge Kohlensäure auszu- 
treiben und dann wieder im Rohr untersucht; dies Verfahren ergab bei mehr- 
maliger Wiederholung eine Zunahme der Gelbfärbung; das Grün verschwand bald, 
und schliefslich wurde die Lösung undurchsichtig. Genau in derselben Weise 
verhielt sich Barytwasser, dem eine oder zwei Blasen Kohlensäure zugefügt 
waren und das ebenso behandelt wurde. Ein dritter Versuch wurde mit einer 
Lösung von Natriumsilikat angestellt, das etwas freie Kieselerde enthielt; sie 
war undurchsichtig bei einer Dicke von 5m; bei 1m war sie bräunlich-gelb, 
Bei Zusatz von Aetznatron löste sich die Kieselerde, und in demselben Mafse 
verschwand die gelbe Farbe. 
Endlich zeigte sich reines Wasser, das einen leichten Schleier von noch 
nicht krystallisirtem Chlorsilber suspendirt enthielt, undurchsichtig oder gelb, je 
nach der Dicke der Schicht; ein Zusatz von Ammoniak, das bekanntlich das 
Silberchlorid löst, beseitigte die Undurchsichtigkeit oder die gelbe Färbung. Um 
dem naheliegenden Einwand zu begegnen, dafs die grünliche Färbung des trüben 
Mediums mit dem Absetzen der suspendirten 'l’heilchen verschwinden müsse, 
stellte Spring folgende Versuche an: Trübes Kalkwasser wurde 17 Tage in 
dem Beobachtungsrohr sich selbst überlassen; nach kurzer Zeit konnte man das 
Absetzen der Trübung in der anfangs undurchsichtigen Flüssigkeit verfolgen; sie 
wurde mehr und mehr grün und blieb es auch dann, als sie nach zwölf Tagen schon 
so klar geworden war, dafs man einen leichten Bleistiftstrich auf einem Blatt 
Papier durch sie hindurch erkennen konnte. Man hatte also eine Lösung von 
Kalk ohne eigentliche Suspension fester Theilchen, und doch blieb hinreichend 
Gelb übrig, um mit dem Blau des Wassers Grün zu geben. Ganz ebenso verhielt 
sich Wasser, das durch Calcium- oder Baryumbicarbonat getrübt war. 
Es folgt daraus der wichtige Schlufs, dafs auch gesättigte Lösungen, in 
denen sich ein Niederschlag erst zu bilden beginnt, dem Durchgange der brech- 
bareren Strahlen Widerstand entgegensetzen. Man könnte also nach Analogie von 
Tyndalls „nascenten“ Wolken hier von einem nascenten Niederschlag sprechen. 
Zur Prüfung dieser Ansicht wurde eine gesättigte Lösung von eisenfreiem 
Chlorcaleium in das Rohr gebracht, wo sie eine schöne grünlich-gelbe Färbung 
zeigte, die sich bei Verdünnung oder Verringerung der Dicke der Schicht mehr
	        
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