136 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1897,
ihren besonderen leuchtenden Punkt; diese durch die Reflexion des Lichtes an
der Oberfläche hervorgerufene Beleuchtung gesellt sich zu dem aus dem Innern
des Wassers ausstrahlenden Lichte. Je nachdem die erstere die andere übertrifft
oder geringer ist als sie, wird das Blau mehr oder weniger mit Weifs gemischt
erscheinen. KErhält das beobachtende Auge endlich auch noch Licht, das die
durchscheinenden Kämme der Wellen durchsetzt hat, so ‚treten zur blauen Grund-
farbe des Wassers auch noch grünliche Töne hinzu. Es erklären sich so in ein-
facher Weise die verschiedenen Färbungserscheinungen der blauen Gewässer, und
es fragt sich nur noch, wie die grünen Färbungen zu Stande kommen. Man hat
die Lösung dieser Frage vielfach in der Gegenwart fremder Substanzen finden
wollen, die die blaue Farbe des reinen Wassers in ein mehr oder weniger mit
Gelb gemischtes Grün verwandeln. So beobachtete 1848 Ste. Claire-Deville,*)
dafs das blaue Wasser der Seen der Schweiz und des Jura unmerklich gefärbte
Verdampfungsrückstände giebt, während das grüne Wasser des Doubs und des
Rheins eine ziemlich starke Menge organischer Substanz aufwies, die die löslichen
Salze bei dem Abdampfen gelb färbte. Nach seiner Ansicht verdanken die grünen
und in noch höherem Grade die gelblichen und braunen Gewässer ihre Farbe
der Gegenwart einer kleinen Menge gelben Schlammes. Dieselbe Ansicht ist
später wieder von Wittstein®) ausgesprochen worden, der das Wasser mehrerer
Flüsse, Bäche und Seen Bayerns analysirt hatte, und der in der That glaubte
nachweisen zu können, dafs die braunen oder gelben Gewässer mehr organische
Substanzen enthielten als die grünen, die auch härter waren als die ersteren,
Er erklärt die Farbenverschiedenheit der natürlichen Gewässer, indem er mit
Bunsen annimmt, dafs das reine Wasser eine blaue Farbe habe, und da[ls die
gelösten Mineralsubstanzen olıne Einflufs seien, der vielmehr ausschliefslich den
gelösten organischen Substanzen zukomme, die, zur Gruppe der Huminsäuren
gehörig, durch eine hinreichende Menge Alkali in Lösung gehalten werden.
Hiernach würde ein Wasser, das wenig organische Substanz enthält, eine nahezu
blaue Farbe zeigen; ist mehr davon vorhanden, so geht die Farbe nach und nach
in Grün, Gelb, Braun und endlich in Schwarz über.
Diese Erklärung trifft zweifellos in vielen Fällen zu, aber sie hat, wie
Spring nachweist, keineswegs den Charakter der Allgemeingültigkeit und ergiebt
sich durchaus nicht mit Nothwendigkeit aus den Resultaten der Analysen, die
vielmehr deutlich zeigen, dafs die Farbe der Gewässer in keiner direkten Be-
ziehung zur Menge der organischen Substanzen und zur Menge des Alkali steht.
Vebrigens hat Wittstein kein wirklich blaues Wasser untersucht, so dafs eine
vollkommene Vergleichung unmöglich ist.
Schleinitz®) schreibt die Farbenveränderung des Meerwassers dem
gröfseren oder geringeren Salzgehalt zu; auf der Fahrt der „Gazelle“ von
Ascension nach der Mündung des Kongo und weiter nach Kapstadt glaubte er
eine Zunahme der blauen Farbe mit zunehmendem Salzgehalt konstatiren zu
können. Vergleicht man aber die Beziehungen zwischen Durchsichtigkeit, Farbe
und Salzgehalt bei den Beobachtungen der „Gazelle“ *) so wird man die Ansicht von
Schleinitz kaum bestätigt finden. Aufserdem hat Spring in einer neueren
Arbeit über die Durchsichtigkeit der Lösungen farbloser Salze°) nachgewiesen,
dafs die Lösungen der von ihm untersuchten Salze, unter denen sich die meisten
der im Meerwasser enthaltenen befanden, nicht die geringste Spur einer Färbung
zeigen, selbst in einer Schicht von 26m Dicke und bei beliebiger Koncentration.
Spring selbst hat schon in den erwähnten älteren Arbeiten eine andere
Erklärung der grünen Farbe gegeben. Er weist durch verschiedene mit grofser
Umsicht und grofser Sorgfalt angestellte Versuche nach, dals Wasser, das eine
genügende Menge farbloser Theilchen von solcher Feinheit enthält, dafs sie sich
auch in der Ruhe kaum absetzen, ein trübes Medium von besonderer Art bildet,
4) Annales de chimie et de physique (3), t. XXIII, S. 32. +
2) Sitzangsberichte d. Kgl. Bayr, Acad. 1860, S. 603. Vierteljahrsschrift für prakt,
Pharmacie, X, S. 342.
3) Die Forschungsreise S, M. S. „Gazelle“, Herausgegeben vom Hydrographischen Amt,
Bd. 2, Berlin 1890. Naturforscher, Bd. VII, S. 59.
2) O0. Krümmel, Geophysikalische Beobachtungen. Ergebnisse der Plankton - Expedition
der Humboldt-Stiftung. Kiel und Leipzig 1898. Bd. I, C, S. 102.
5) Bulletin de l’Acadtmie royale de Belgique (3), t., XXXI, No. 6, S. 640-654, 1896.