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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

vön Hasenkamp: Die Farbe der natürlichen Gewässer. 
In der That müßte der Lichtkegel, wenn es &ich um eine Diffusion des 
Lichtes handelte, nicht nur sichtbar sein, sondern auch eine deutlich blaue Färbung 
zeigen, wenn man ihn von der Seite beobachtet; beides war nicht der Fall. 
Ferner hätte das in der Richtung der Axe hindurchgelassene Licht von röthlich- 
gelber Farbe sein müssen, wenn die Reflexionserscheinung, .die das Blau des 
Himmels hervorbringt, sich hier in merklicher Stärke gezeigt hätte, da ja in 
diesem Falle das Blau in einer zur Axe senkrechten Richtung zurückgeworfen 
wäre. Man mulfs also schliefsen, daß das reine Wasser an sich: blau ist, und dafs 
die Diffasionserscheinung, ‚wenn sie überhaupt stattfindet, keine merkliche Wirkung 
hat. .Um sich keiner Täuschung über die Wichtigkeit der Rolle hinzugeben, die 
die Diffusion bei der Färbung der natürlichen Wasserarten spielt, wurde folgender 
Gegenversuch angestellt. Ist die blaue Farbe des Wassers durch fremde, aus 
der Luft stammende Substanzen bedingt, so mulfs eine jede Flüssigkeit, die in 
derselben Weise wie das Wasser behandelt worden ist, eine blaue.Farbe zeigen. 
In einem Glasapparat wurden nun 51 Amylalkohol mehrere Wochen destillirt 
und geschüttelt, um ‚sie soviel als möglich mikroskopische Staubtheilchen auf- 
nehmen zu lassen. Nach der Tyndallschen Methode geprüft, zeigte sich die 
Flüssigkeit erhellt, ein sicherer Beweis, dafs sie trotz ihrer anscheinend voll- 
kommenen Klarheit heterogene Theilchen suspendirt enthielt; aber in dem Glas- 
rohr von 5m Länge zeigte sie keine Spur von Färbung. Man mufs daraus 
schließen, . daß. die durch die Diffusion bedingten Färbungserscheinungen keine 
grofe Intensität .haben. Die Farbe des Wassers ist also nicht durch die Diffusion 
des Lichtes an heterogenen Theilchen hervorgerufen, sondern sie beruht auf der 
Absorption der weniger brechbaren Strahlen des Spektrums, 
Von dem gewonnenen Standpunkte aus erklären sich nun leicht alle 
Färbungserscheinungen der blauen Gewässer, nämlich die blaue Farbe der tiefen 
Stellen, die grünliche: der weniger tiefen, die verschiedenen Nuancen des Blau 
verschiedener Gewässer, die Veränderung des Blau mit der Stärke der Beleuchtung 
und der Bewegung des Wassers. © en 
Wäre nämlich das Wasser optisch leer, so mülfsten uns die tiefen Regionen 
vollkommen schwarz erscheinen. Nun haben aber Tyndall und namentlich Soret 
nachgewiesen, dafs keines der von ihnen untersuchten Gewässer als optisch leer 
angesehen werden kann. Das einfallende weiße Licht wird von Partikeln 
reflektirt, die das Wasser immer suspendirt enthält, wobei die weniger brechbaren 
Strahlen absorbirt werden und das heraustretende Licht blau wird. Ferner 
können die suspendirten Theilchen mehr oder weniger zahlreich sein in ver- 
schiedenen Meeren, verschiedenen Seen, ja sogar an verschiedenen Stellen des- 
selben Gewässers. Sind die Theilchen verhältnilmäfßsig zahlreich, so wird ein 
einfallender Strahl ‚nur einen kurzen Weg zurücklegen, bis er reflektirt wird, 
and das Blau wird wenig gesättigt erscheinen. Im anderen Falle wird der Weg 
des Strahles länger sein, das Blau erscheint gesättigter, selbst dunkler. 
An gewissen Stellen des Ufers eines Gewässers wird die Erscheinung 
komplicirter. Das ausstrahlende Licht wird ein weniger gesättigtes Blau zeigen, 
selbst wenn. der Boden weils ist; in der dünneren Wasserschicht werden die 
weniger brechbaren Strahlen nicht vollkommen ausgelöscht erscheinen, und das 
zurückgeworfene Licht erhält eine grünliche Färbung. Es giebt übrigens noch 
andere Umstände, die die blaue Farbe des Wassers in Grün umwandeln; es wird 
davon später die Rede sein, 
Spring weist ferner darauf hin, daß die Erklärung der Färbungs- 
erscheinungen des Wassers nicht ausschließlich eine physikalische sein kann, 
sondern . dafs sie auch ein psychologisches Moment enthält, insofern nach dem 
bekannten Weberschen psychophysischen Gesetz die Empfindung einer Farbe 
schwächer. wird. oder ganz verschwindet, wenn das Auge durch andere Farben 
oder auch durch das weiße Licht stark gereizt wird. An einem heiteren sonnigen 
Tage wird daher die Empfindung des. Blau weniger lebhaft sein, das Wasser 
wird mehr weifslich erscheinen. Die zu den verschiedenen Tagesstunden oder 
bei mehr oder weniger bedecktem Himmel beobachteten Erscheinungen sind also 
das Ergebnifs gleichzeitiger psychischer und physischer Vorgänge. 
. Auch der Zustand der Ruhe oder der Bewegung der Oberfläche modificirt, 
namentlich bei heiterem Wetter, die Wahrnehmung der blauen Farbe. Für einen 
yegebenen Standpunkt des Beobachters haben die Wellen der Oberfläche jede 
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m
	        
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