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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

von Hasenkamp: Die Farbe der natürlichen Gewässer. 
noch herrscht keine vollkommene Uebereinstimmung unter den Forschern auf 
diesem interessanten Gebiete. . 
Die älteren Beobachter waren ohne Ausnahme der Ansicht, dafs das 
Wasser die Strahlen von gröfserer Brechbarkeit reflektire, dagegen die von 
geringerer hindurchgehen lasse, eine Ansicht, die, wie es scheint, zuerst von 
Newton!) aus einem Versuche Halleys abgeleitet worden ist. Dieser sah an einem 
sonnigen Tage in einer Taucherglocke seine von der Sonne theilweise beleuchtete 
Hand rosenroth gefärbt, während ihr unterer, im Schatten befindlicher Theil grün er- 
schien. Doch folgt aus dieser Beobachtung nicht nothwendig die von Newton auf- 
gestellte Ansicht. Beetz?) hat eine andere Erklärung gegeben, indem er bemerkt, 
dafs das direkte Sonnenlicht eine weit weniger mächtige Wasserschicht durchlaufen 
hatte als das aus der Tiefe reflektirte und sich daher bedeutend mehr der weifsen 
Farbe näherte als dieses. Durch Kontrastwirkung mußte dann der von der Sonne 
bestrahlte Theil in der Komplementärfarbe von grün, also roth, erscheinen. 
Aehnlicher Ansicht wie Newton war Graf Xavier de Maistre,°) während 
Arago*) glaubte, nicht die gelben, sondern die grünen Strahlen würden hindurch- 
gelassen, eine Meinung, die auch noch von Melloni®) vertreten worden ist, 
während die späteren Forscher nicht mehr der Ansicht sind, dafs das reflektirte 
und das durchgelassene Licht verschiedene Farbe haben; sie suchen die ver- 
schiedenen Färbungen des Wassers auf andere Ursachen zurückzuführen. 
A. Davy®) scheint der Erste gewesen zu sein, der dem reinen. Wasser 
eine blaue Farbe zuschrieb und der die grünen und gelblichen Färbungen auf 
die Gegenwart organischer, und zwar pflanzlicher Zersetzungsstoffe zurückführte ; 
aber Bunsen”‘) hat zuerst in experimenteller Weise nachgewiesen, dafs die Farbe 
des reinen Wassers blau ist. Er füllte eine 2 m lange, innen geschwärzte Glas- 
röhre, deren Boden einige weile Porzellanstücke trug, mit destillirtem Wasser; 
sie erschienen, durch die 2 m dicke Schicht gesehen, schwach blau, bei noch 
zeringerer Dicke verlor die blaue Farbe bedeutend an Intensität. Er betont 
ferner den Einflufs gelöster oder aufgeschwemmter Körper: „Die kleinsten Mengen 
farbiger Bestandtheile, die das Wasser als Schlamm oder Sand mit sich führt, 
Huminstoffe, die es auch in den geringsten Mengen gelöst enthält, Reflexe eines 
dunkeln oder stark gefärbten Untergrundes reichen hin, die natürliche Farbe zu 
verdecken oder zu verändern.“ 
Etwa 20 Jahre später wurde die Frage von Tyndall,°) Soret”) und 
Hagenbach!*) wieder aufgenommen. Tyndall hatte nachgewiesen, dafs das 
Blau des Himmels nicht nothwendig auf einer Absorptionserscheinung beruht, 
sondern daß es das Ergebniß einer Reflexion des Sonnenlichtes an vollkommen 
farblosen Partikeln sein kann. Die einzig nothwendige Bedingung. für das Ent- 
stehen der blauen Farbe ist die aufserordentliche Kleinheit der reflektirenden 
Theilchen. Tyndall zeigte durch den Versuch, dafs die kürzesten Lichtwellen 
am leichtesten durch die kleinsten Theilchen zurückgeworfen werden können, 
Eine Bestätigung seiner Deutung fand er in der Polarisation der Atmosphäre, 
da ja jeder unter einem bestimmten Einfallswinkel von einem durchsichtigen 
Körper reflektirte Lichtstrahl polarisirt ist. Das Maximum der Polarisation 
findet in einer zur Sonne senkrechten Richtung statt. Was die Natur der 
reflektirenden Theilchen anlangt, so glaubt Tyndall, dafs sie durch Wasser- 
Jämpfe im Zustande äufserst feiner Vertheilung gebildet werden. Sind die Dampf- 
partikel gröfser, so werden die Strahlen von größerer Wellenlänge gleichzeitig 
mit denen von kleinerer reflektirt, und der Himmel erhält dann ein mehr und 
mehr weißes Ansehen. 
433 
Newton, Optice, Lib I, pars II, prop. X, exp. XVII, 
Pogg. Ann. 115, S. 137—147, 
3ibliotheque universelle, T, 51, S. 259. 
Jomptes rendus VII, S. 219. Pogg. Aun. 45, S. 468. 
Arch, sc. phys. et nat. V, S. 321. 
Edinburgh Journ. 43, S. 88, 
Ann. Chem. Pharm, 62, S, 44, 
£, Proe. Roy, Soc. XYIL 5. 223—234, Phil, Mag. (4) XXXIV, S, 384-—395, Nature IV, 
S. 203—204. 
% Comptes rendus LXVIII, S. 911—913, LXIX, S, 1192—1194. Arch, se. phys. (2) 
XXXVII, S. 129—175. Phil. Mag. (4) XXXVII, S. 345. 
2%) Arch. sc. phys. (2) XXXVII, S. 176—180. 
Anz. d. Hydr. ete.. 1897. Heft X.
	        
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