Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1897,
Beispiel: * Man beobachtet einen Kimmabstand des Mondoberrandes von
56° 10,5‘; Indexberichtigung -} 1,0‘, Augeshöhe 9m, Halbmesser des Mondes
15‘ 36“. Was ist die wahre Mittelpunktshöhe?
Beobachteter Kimmabstand , .
Indexberichtigung . . . +
Kimmabstand. . . + . +.
Gesammtbeschickung der Tafel . . + 42,6
Ber, für Augeshölle . . 2... — LO
Durchmesser... 0.0.0.0. + + -—= 312
Gesammtbeschickung ERTTTU 10,4
Wahre Mittelpunktshöhe , . . = 56° 21,9
Bringt man bei diesem Beispiel Kimmtiefe, Strahlenbrechung, Verschub und
Halbmesser einzeln an, so erhält man eine wahre Mittelpunktshöhe von 56° 21,8‘.
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Monthly current charts for the Indian ocean.”
Unter diesem Titel ist von dem hydrographischen Amt der englischen
Admiralität im April v. J. ein Atlas herausgegeben worden, welcher einem
Zusammenwirken des meteorologischen und hydrographischen Amtes in London
seine Entstehung verdankt. Das meteorologische Institut besitzt die an Bord
der englischen Fahrzeuge geführten meteorologischen Journale, in denen auch
die Besteckdifferenzen verzeichnet sind; es sammelte diese Angaben, während im
hydrographischen Bureau die kartographisehe Bearbeitung stattfand.
Man wird sagen dürfen, dafs diese 12 Karten der Strömungen des Indischen
Oceans das Beste darstellen, was nunmehr über diesen Gegenstand vorliegt; gerade
für den Indischen Ocean ist eine nach einzelnen Monaten getrennte Behandlung
angezeigt, da hier, hauptsächlich infolge der Monsune auf nördlicher Breite, die
Verhältnisse außerordentlich stark und schnell sich zu verändern pflegen.
Auch ist das Material augenscheinlich für die meisten von der großen
Schiffahrt besuchten Gegenden ausreichend gewesen; jedenfalls liegt eine
ungemein grofse Zahl einzelner Beobachtungssätze zu Grunde, wie man aus der
vom Admiral Wharton verfafsten kurzen Einleitung schliefsen darf, wo es u. A,
heifßst: „Es stehen für alle drei Oceane?) zur Verfügung rund 5500 meteorologische
Journale von freiwilligen Beobachtern zur See, ferner 13000 Bände „Abstract
logs“ von englischen Kriegsschiffen und eine beträchtliche Zahl Logbücher sowohl
von den grofsen Schiffahrtsgesellschaften als auch von Privatrhedern. Die Log-
bücher konnten vom Jahre 1830 an benuzt werden; denn von da an datirt die
allgemeine Einführung der Chronometer zu Zwecken der Längenbestimmung.
Aufserdem hat die Deutsche Seewarte 15500 Beobachtungssätze nach London
gegeben, 9000 die französische Regierung, kleinere Beiträge sind von Holland,
Oesterreich und Russland geliefert; dazu kommen einzelne, aber um so genauere
Bestimmungen an Bord von Vermessungsfahrzeugen und Kabeldampfern.“
Man sieht, es ist ein Originalmaterial zur Entwerfung dieser Karten
zusammengetragen worden, wie es kaum je vorher für solche Zwecke möglich
war. Ungefähr 8 Jahre hat die Arbeit beansprucht. an welcher vier Beamte
thätig waren.
Die Eintragungen auf den zwölf Karten des Indischen Oceans reichen im
Westen bis 10° O-Lg, im Osten bis Tasmanien, schliefsen die Gewässer der
malaiischen Inselwelt ein, desgleichen die China-See und Formosa-Strafe.
Die Karten sind nicht so schematisch wie die zwei Stromkarten im
„Atlas des Indischen Oceans“, welchen die Deutsche Seewarte im Jahre 1891
herausgegeben hat, andererseits ist die Darstellung auch nicht eine kartographische
Reproduktion aller in den einzelnen Eingradfeldern beobachteten und sachgemäfs
1) Preis des 12 grofse Kartenblätter umfassenden Werkes nur 7 sh. Diese aufserordentliche
Wohlfeilheit wird der Verbreitung des Atlas sehr förderlich sein.
2) Die Stromkarten vom Atlantischen und Stillen Ocean sind noch in Arbeit, werden aber
auch bald erscheinen.