Von Tshifu über die Kyau-tshau-Bucht nach Kobe,
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von 10 bis 12 Uhr nachts auf 4 bis 7 auf, ohne aber Staub mitzuführen und
flaute bis zum Morgen des 21. April wieder auf 1 bis 2 ab.
Als ein Anzeichen des nahenden Staubsturmes kann vielleicht der Umstand
bezeichnet werden, dafs am vorhergehenden Abend die Sonne so fahl und blafs
wie die Mondscheibe unterging, ohne das geringste Abendroth. Als ein
Charakteristikum des fraglichen Sandsturmes kann ferner die Thatsache erwähnt
werden, dafs der Sturm in seiner Stärke häufig wechselte, in der Richtung aber
konstant blieb.
Die Störung begann am 20. April nachts 10 Uhr aus NW und WNW mit
Stärke 4 bis 7, dann folgte von 12 bis 6* a leichter nordwestlicher Wind, 1 bis 2;
von 6*a bis 4" p Sandsturm aus NW und NWzW, Stärke 6 bis 8, darauf stetige
Briese aus WzN, Stärke 6, bis 7"p, dann wieder Auffrischen des Windes aus
NNW bis Stärke 8. .
b) Stromverhältnisse. Während des Aufenthaltes in Tshifu wurde an
mehreren Tagen im Laufe der Uebungen aufßserhalb der nördlichen Einfahrt ge-
ankert, und sind bei dieser Gelegenheit Strombeobachtungen gemacht. Es hat
sich hierbei herausgestellt, dafs der Strom daselbst nicht — wie auf der Karte
angegeben — etwa Nord—Süd setzt, sondern SO—NW, also mehr dem Verlauf
der Küste entsprechend, wie auch nach der Notiz im „China Sea Directory“ III,
S. 542, nicht anders zu erwarten war. Die Stärke des Stromes betrug daselbst
kurz vor Neumond etwa 0,6 bis 0,9 Sm, die Fluthhöhe 3m. Im Ionenhafen
von Tshifu setzte dagegen der Strom etwa Nord — Süd in größter Stärke von
0,5 Sm bei 1,7 m Fluthhöhe bei Neumond.
Während der Reise von Tshifu nach Kyau-tshau entsprach der Strom an
der Nord- und Ostküste von Shantung den Segelanweisungen. An der Südküste
setzte der Strom bei einem Alter des Mondes von sieben Tagen genau West
bezw. Ost 1,2 Sm, also etwas anders als in der Karte angegeben. Vor der
Einfahrt nach Kyau-tshau wurde statt der zu erwartenden 2 bis 3 Sm nur etwa
1 Sm konstatirt.
In der Kyau-tshau-Bucht selbst ergaben Strombeobachtungen, dafs südlich
der vorspringenden Landzunge der Fluthstrom südlich, der Ebbstrom zwischen
Nord und West setzt in Stärke von 0,4 bis 0,7 Sm bei einem Mondsalter von
8 bis 11 Tagen. Es ergiebt sich hieraus, dafs die Stärke des Stromes in der
Kyau-tshau-Bucht sehr wechselnd ist, denn bei dem letzten Aufenthalt S. M. S.
„Kaiser“ daselbst im August 1896 wurde bei Neumond ein Strom von 2 bis 3 Sm
festgestellt.
NH. Reise von der Kyau-tshau-Bucht nach Kobe.
‚8. M. 8. „Kaiser“ verließ am 12. Mai 5* 6” p die Kyau-tshau-Bucht und
ankerte in Kobe am 16. Mai 8" 25" a,
a) Wind und Wetter. Am 12. Mai 5" 15”p fiel plötzlich bei voll-
kommen klarem Himmel, von Süden kommend, starker Nebel in der Kyau-tshau-
Bucht, der innerhalb weniger Minuten die Südseite der Bucht und die Einfahrt
vollkommen bedeckte. Nach und nach lagerte sich der Nebel auch der ganzen
Südküste von Shantung auf mehrere Meilen Entfernung vor, so dafs erst im
freien Wasser aufserhalb Tsha-kung-tau klares Wetter angetroffen wurde. Von
hier ab blieb das Weiter klar, wenn auch nicht besonders sichtig bis zum Ein-
treffen vor Rokuren am 15. Mai morgens.
Der Wind war während der Tage vom 12. bis 15. Mai durchschnittlich
östlich, schwankend zwischen ENE und SE in Stärke 1 bis 3,
Beim Kinlaufen in die Binnenlandsee verschlechterte sich das Wetter
erheblich.
Das Barometer, welches bis dahin auf normaler Höhe zwischen 763 und
765 mm gestanden hatte, fiel innerhalb zehn Stunden auf 753,7 mm; gleichzeitig
wurde das Wetter trübe, regnerisch und sehr unsichtig.
Der Wind frischte aus südöstlicher Richtung schnell auf Stärke 4 bis 5
auf. Während des Passirens der Suwo - nada gegen 12 Uhr begann er schnell
nach links zu drehen, wurde bölg aus südlicher Richtung bis Stärke 8 in der
stärksten Böe, flaute sodann bis zu völliger Windstille ab und setzte, über SE
links auf NNE drehend, mit Stärke 1 bis 2 wieder ein. '