4120 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1897.
Krater war noch in Thätigkeit, und die an demselben herabflielsende glühende
Lava machte ihn während der Nacht noch lange zum guten Mark. Am Morgen
des 21. befand sich S. M. S. „Möwe“, durch den starken Nordweststrom zurück-
gedrängt, noch in der Strafßse zwischen Dampier und dem Festlande. Mit dem
Verlassen der Strafse wurde auch der Strom schwächer, und um 12 Uhr ankerte
S. M. S. „Möwe“ vor Stephansort.
Wind, Wetter und Strömungen. Der Wind war während des Auf-
enthaltes in Berlin-Hafen frischer Nordwestmonsun, der, gegen 11" a einsetzend,
bis zum Abend wehte. Während der Nacht herrschten schwache Landwinde.
Auf der Reise nach Stephansort wehten bis zu den Schouten-Inseln nordwestliche
Winde, dann trat Windstille ein,
Das Wetter war durchgängig trübe bei fast stets bedecktem Himmel.
Während es über dem Festlande fast jeden Tag regnete, fiel in Berlin - Hafen
kein Regen.
Stromversetzungen wurden erst von der d’Urville-Insel an beobachtet.
Von hier bis zur Vulcan - Insel lief Westsirom etwa 1 Sm in der Stunde, dann
nahm der Strom immer mehr an Stärke zu und erreichte sein Maximum von etwa
25 Sm in der Siraße Zwischen Dawmpier und dem Festlande, In der Astrolabe-
Bai war kein Strom zu bemerken.
Von Tshifu über die Kyau-tshau-Bucht nach Kobe.
Notizen nautischen und hydrographischen Inhalts.
Bericht S. M. S. „Kaiser“, Kommandant Kapt. z. S. ZEYE. Mai 1897,
I. Reise von Tshifu nach der Kyau-tshau-Bucht.
S. M. S. „Kaiser“ verlielfs den Hafen von Tshifu am 7. Mai 8 14” a und
ankerte in der Kyau-tshau-Bucht am 8. Mai 9* 15” 3.
a) Wind und Wetter. Das Wetter war während der ganzen Reise gut,
die Luft sichtig, die See beinahe glatt.
An der Nordküste von Shantung wehte der Wind aus NW in Stärke 1,
an der Ostküste drehte er auf ESE, dann SSW in Stärke 1 bis 2 und wehte an
der Südküste aus südwestlicher Richtung in Stärke 2.
Der Himmel war anfangs bedeckt, klarte nachts auf und blieb auch am
8, klar. Der Barometerstand war normal.
Ueber den Aufenthalt in Tshifu möge hier nachgetragen werden, dafs
S. M. S. „Kaiser“ am 21. April daselbst einen Staubsturm vor Anker durchzu-
machen hatte. Derselbe setzte ohne Warnung durch das Barometer am Morgen
des 21. April aus WNW mit etwa Windstärke 4 ein. Das Barometer hatte am
20. April durchschnittlich um 5 mm niedriger gestanden als während des Staub-
sturmes am 21., an welchem Tage es seinen höchsten Stand mit 760,0 mm um
8" p erreichte. Der Wind frischte in kurzer Zeit bis auf Stärke 7 aus NW auf,
wurde böig bis Stärke 8 bis 9 und warf, trotzdem er nicht aus See hereinstand,
sondern über Land wehte, doch eine solche See auf, dafs der Bootsverkehr fast
anmöglich war. Gegen 8" p drehte der Wind auf NNW in einer Böe von
Stärke 8 und nahm dann schnell an Stärke ab.
Während der Dauer des Sturmes war das etwa 1,4 Sm entfernte Land
vollkommen unsichtbar; man konnte nur etwa 600 bis 800 m weit sehen; der
feine Staub und Sand drang durch alle Thüren und Fenster hindurch und machte
oft das Oeffnen der Augen direkt schmerzhaft. Die Temperatur stand während
des Staubsturmes nur auf etwa 14° C; die Luft war trotzdem schwül und
drückend. Am Tage vorher, den 20. April, hatte bei klarem Himmel eine
Briese aus SSE, Stärke 5 bis 7, geweht bei normalem Barometerstande. Dieselbe
fAaute gegen Abend plötzlich ganz ab, und ging sodann der Wind plötzlich auf
NW, Stärke 3, über. Demnächst frischte derselbe aus der gleichen Richtung