Ann. d. Hydr. ete., XXV. Jahrg. (1897), Heft X.
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Hydrographische Beobachtungen auf den Reisen von Matupi nach
der Icore - Mündung, Stephansort, dem Vermessungsgebiet und
“zurück nach Stephansort.
Bericht S, M. S. „Möwe“, Kommandant Korv.-Kapt. MERTEN. Februar—März 1897.
Il. Reise von Matupi nach der Icore-Mündung und von dort nach Stephansort.
Mioko. Die Einfahrt durch die Levinson-Passage bietet keine Schwie-
rigkeiten, da die Strandriffe von Muarlin und Mioko gut auszumachen sind. Die
von S. M. S. „Falke“ gegebenen Anweisungen für die Einsteuerung wurden zu-
treffend gefunden. Innerhalb der Inseln ist vollkommen freies Fahrwasser, wenn
man den Einfahrtskurs NWzW so lange weitersteuert, bis man die Häuser der
Station frei von der Nordwestecke von Mioko sieht, und dann Kurs auf dieselben
nimmt.
Der Ankerplatz lag in folgenden Peilungen: Flaggenstock der Faktorei
in S!/zW, Nordwestecke von. Mioko in NNO0%40. Der Grund war Korallensand
mit 12 m Wassertiefe. Der Ankerplatz ist als sehr günstig zu bezeichnen, da er.
vollkommen Schutz gegen die See bietet und gleichzeitig den erfrischenden Süd-
ost- bezw. Nordwestwinden freien Zutritt läfst. Schiffe mit einem Tiefgang bis
zu 5m können zum Löschen an die Ladebrücke holen.
Reise von Mioko nach der Icore-Mündung. Am 20. Februar nach-
mittags lief S, M. S. „Möwe“ aus und dampfte während der Nacht durch den
St. Georgs-Kanal. Am nächsten Morgen wurde bei ziemlich unsichtigem Wetter
die Südküste von Neu-Pommern angesteuert. In einem etwas klareren Augen-
blick konnte der durch starken Südsüdoststrom nicht genau bekannte Schiffsort
durch Peilungen nach dem Quoy Pik und dem Kap Orford bestimmt werden,
und hiernach wurde der Kurs in die Jacquinot- Bucht abgesetzt. Wegen der
Mangelhaftigkeit der Karte Tit. XII, No. 119a (D. A.) und zur Kontrole wurde
nach der im vorigen Jahre von S. M. S. „Möwe“ gemachten flüchtigen Aufnahme
gesteuert. Dieselbe giebt den Verlauf der Küste im Allgemeinen richtig wieder,
wenn auch viele Einzelheiten nicht genau mit der Wirklichkeit übereinstimmen.
Jacquinot-Bucht. In der Jacquinot-Bucht sollte der im vorigen Jahre
erbaute Observationspfeiler revidirt werden, der Pfeiler war aber nicht mehr
aufzufinden. Augenscheinlich war derselbe beim Uebertreten eines kleinen, neben
ihm mündenden Flusses weggespült worden. Die Lage dieses Observations-
punktes ist indessen durch Peilungen festgelegt: Kap Jacquinot N 69° O0 mvw.,
Kap Cunningham N. 110,7° O0 mw.‘
Vor Dunkelwerden wurde die Bucht wieder verlassen und während der
Nacht etwas weiter von der Küste ab, mit T’agesanbruch wieder dicht unter
derselben gesteuert. Etwas östlich des Südkaps passirte S. M. S. „Möwe“ ein
in der flüchtigen Aufnahme noch nicht verzeichnetes Riff in folgender Peilung:
Südkap WNW!2W, 5 Sm. Die Länge desselben war etwa 1,2 Sm. Auf dem
Riff stand auf etwa zwei Drittel der Länge Brandung bei ziemlich ‚ruhiger See.
Möwe-Hafen. Nachmittags lief S. M. S. „Möwe“ durch die westliche
Einfahrt in den Möwe-Hafen ein. Da der Observationspfeiler noch gut erhalten
war, wurde gleich wieder ausgelaufen und der Kurs auf die Icore - Mündung ge-
nommen.
Am 23. war bis gegen 10"a gänzlich unsichtiges Wetter mit heftigen
Regenböen. Als es aufklarte, kam das Kap Ward Hunt und später die Traitors-
Bai in Sicht.
Icore-Mündung. Die Ansteuerung!) der Icore - Mündung wird durch
den ganz gleichförmigen Charakter der Küste erschwert, die sich als niedriges
1) Vgl. Annalen 1897. Heft I. S 1
Ann d. Hvär. ate.. 1897. Heft X.