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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

34 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1897. 
Zeit nur um etwas mehr als .1 Bogenminute oder 4 Zeitsekunden fehlerhaft 
erhalten werden. Selbstredend ist ein derartiger Fehler in der Praxis für die 
Längenbestimmung ganz ohne Bedeutung. 
Will man aber die mittlere Ortszeit (bestimmt an einem Orte mit bekannter 
Länge) zur Chronometerkontrole verwenden, so hat man es in der Hand, die 
Fehler in’der geraden Aufsteigung und Abweichung ganz herauszubringen. Man 
braucht zu dem Zwecke nur mit dem bei der ersten Berechnung gefundenen 
Stande des Chronometers die ganze Rechnung zu wiederholen, was mit leichter 
Mühe ausgeführt werden kann. 
Zur Berechnung der Breite aus zwei Höhen und der Zwischenzeit 
(Aufsenmittagsbreite) ist der Mond, wenigstens nach den gewöhnlichen 
Methoden, welche eine konstante oder doch sich nur wenig ändernde Abweichung 
voraussetzen, nicht geeignet. 
Nachdem so die Verwendbarkeit der Mondhöhen zur astronomischen Orts- 
vestimmung und zur Chronometer-Kontrole dargethan ist, soll noch mit wenigen 
Worten des Nutzens gedacht werden, den Mondbeobachtungen gewähren. 
Bei Nacht sind Mondhöhen bequemer und genauer zu beobachten als 
Sternhöhen und geben infolgedessen in den meisten Fällen, vorausgesetzt, dafs 
der Moudort für die Ortsbestimmung günstig ist, bessere Resultate als diese. 
Am Tage ist zwar der Mond im Allgemeinen von geringerer Bedeutung für die 
Ortsbestimmung als die Sonne, doch giebt es Fälle genug, wo er mit grofsem 
Nutzen verwandt werden kann. Hierher gehört in erster Linie der schon oben 
angedeutete Fall, dafs die Sonne zur Längenbestimmung wenig geeignet ist, weil 
man sie nur in kleinem Azimuth beobachten kann, so dafs die unvermeidlichen 
Fehler in der Höhe grobe Fehler in der Länge verursachen. Wie oft wird man 
sich dann des Mondes mit gutem Erfolge zur Längenbestinmung bedienen können! 
Besonders gute Dienste wird aber in diesem Falle der Mond leisten, wenn man 
den Stand des Chronometers bestimmen will. Hierzu ist jm Winter auf hohen 
Breiten die Sonne fast ganz unbrauchbar, während der Mond, wenn sein Ort nur 
günstig ist, vorzügliche Resultate, jedenfalls noch bessere als die Fixsterne oder 
Planeten ergiebt. Bei dieser Aufgabe sollte sich der Schiffsführer in erster Linie 
lie Frage vorlegen, ob der Mond eine geeignete Beobachtung zuläfst, und erst 
wenn dies nicht der Fall ist, Sternhöhen zur Zeitbestimmung benutzen. Die 
geringe Erschwerung der Berechnung kann gerade bei dieser wichtigen Aufgabe 
nicht ins Gewicht fallen. 
In Verbindung mit Sonnenbeobachtungen sind Mondbeobachtungen zur 
Bestimmung des Schiffsortes von hervorragender Wichtigkeit, Beide Höhen, 
gleichzeitig beobachtet, ergeben, wenn nur der Azimuthalunterschied einigermafsen 
von 0 oder 180° verschieden ist, nach der Sumnerschen Methode die Breite 
und Länge des Schiffsortes gleichzeitig und zwar genauer und vor allen 
Dingen schneller als aus zwei mehr oder weniger lange Zeit .nach einander 
beobachteten Sonnenhöhen. Ueberhaupt ist die Thatsache, dafs man, wenn man 
Mondbeobachtungen nicht verschmäht, während einer langen Zeit des Tages, in 
jedem Augenblicke Breite und Länge unabhängig von den Fehlern der Logge- 
rechnung und den durch unbekannte Strömungen hervorgerufenen Fehlern bestimmen 
kann, von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Diese gleichzeitige Beobachtung 
zweier Gestirne (auch zwei Sterne eignen sich dazu), auf deren Nutzen schon so 
oft und von so berufener Seite in der nautischen Litteratur aufmerksam gemacht 
ist, hat in der Praxis leider noch immer nicht die Beachtung gefunden, die 
sie verdient. 
Ein Hauptgrund für die geringe Beliebtheit von Mondbeobachtungen in 
der Praxis ist gewifs auch der Umstand, dafs die Berechnung der Breite und 
Länge aus Mondhöhen etwas umständlicher und unbequemer ist, als die aus den 
Höhen anderer Gestirne. 
Bei der Besprechung der Breitenbestimmung aus Meridianhöhen des Mondes 
ist auf diesen Punkt, im Besonderen auf die umständlichere Bestimmung der 
Kulminationszeit, schon hingewiesen worden. 
Eine weitere allerdings nicht sehr ins Gewicht fallende Unhequemlichkeit 
ist mit der Bestimmung der geraden Aufsteigung und Abweichung verbunden, 
Zwar muß man auch bei den Ephemeriden der Sonne und der Planeten ein- 
schalten. doch da sich diese nur langsam ändern, und man in der Praxis die
	        
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