Berghaus: Chart of the. world on Mercators Projection.
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fahren ‘werden, ') bedingen in der neuen Ausgabe eine sehr grofse Fülle des
Stoffes, die manchmal fast verwirrend wirkt, der gegenüber die ruhige schlichte
Darstellung der Festländer jedenfalls wohlthuend ist.
Die Art der Darstellung: der Strömungen westlich der Azoren zwischen
40° bis 50° W-Lg und 30° bis 40° N-Br ist kaum zu rechtfertigen, obgleich der
Fürst von Monaco die Idee eines Nordoststromes daselbst aufgebracht hat. Die
Erscheinung des „cold water rising“ an der Westküste Südamerikas ist nicht bis
nach Chiloe hin vorhanden, sondern erstreckt sich nur etwa bis zum Wende-
kreis, höchstens bis 30° S-Br, was schon aus den Windverhältnissen a priori ab-
yeleitet werden kann. Die äußerste Treibeisgrenze bei der Chatham - Insel im
Südlichen Stillen Ozean reicht im Nordosten (nicht. im Nordwesten) der Insel bis nach
40° S-Br. In einem Nebenkärtchen, in der linken unteren Ecke sind die „cotidal
lines“ eingetragen, was für die meisten Flächen der Ozeane doch noch eine
bedenkliche Sache ist; die Gebiete der starken Gezeitenströme sind ebendaselbst
angegeben; nehmen ‚aber theilweise viel ausgedehntere Flächen auf.der Zeichnung
ein, als ihnen in. Wirklichkeit. zukommt.
Die. bedeutendsten Schiffahrtslinien sind vollständig vertreten, es ist
zwischen: Ausreisen und Heimreisen unterschieden, auch sind da, wo es noth-
wendig ist, die saisonweise sich ändernden Dampferkurse eingetragen, so z.-B;
die interessanten Dampferwege in der Nähe der Neufundland-Bänke, dann die
so gefährlichen Wege in der Nähe von Socotra zur Zeit des Südwest- und Nord:
ostmonsuns. Den Fortschritt des Verkehrs gegen früher markirt ganz im Norden
die im Sommer „regelmäfsige“ Dampferlinie Hammerfest — Spitzbergen. Kurzum,
es ist bei dieser Neuausgabe’ eines alten Meisterwerkes Alles geschehen, um dem
Fortschreiten der. Meeresforschung sowie den gewaltigen Umwälzungen des See-
verkehrs‘ (man denke nur an den Suez-Kanal!) auch im Kartenbild einen ent-
sprechenden Ausdruck zu verleihen. —
Da die bisherigen Zeilen hauptsächlich‘ dem Habenichtschen Arbeitstheil
galten, so sei noch mit einigen Worten auf die durch B. Domann besorgte
Darstellung der Festländer hingewiesen, .welche schon infolge der verschiedenen
Grenzfarben ein sehr. lebhaftes, plastisches Bild ergeben und die ganze Karte so-
zusagen mit dem nothwendigen Relief ausstatten.
Man erkennt überall die ‚Hand, die bemüht ist, eine, den neuesten
geographischen‘ Kenntnissen angepafste Karte zu liefern; es erstreckt sich
diese Mühewaltung gleichmäfsig auf die Gegenden vom Aequator an (man ver-
gleiche unsere afrikanischen Kolonien) bis zu den unter Eis begrabenen Gebieten
Grönlands, wo man z. B. Ryders Aufnahme des Scoresby-Sundes (1891 und 1892)
benutzt findet u. s. w. Nansens Route hat, wie: schon anderwärts bemerkt
worden ist, nicht noch eingetragen. werden können, da das betreffende Blatt schon
ausgedruckt war. ; |
. Die politischen Staatenbildungen sind nätürlich besonders hervorgehoben,
trotzdem sind aber auch die Terrainformen in einem bei Perthes nur natürlichen,
feinen Kupferstich deutlich herausgekommen, die Höhenzahlen bedeuten Meter,
trotz des englischen Gewandes, das die Karie nach wie vor zeigt. Gletscher-
gebiete, Stromschnellen, Kanäle, ferner Docks, Kohlenstationen und die Sitze
deutscher Konsulate findet man angegeben, auch die wichtigen Karawanenwege
in Afrika und Asien. Eine sehr dankenswerthe Beigabe ist ferner. die in deut-
licher. Weise.. gleichmäßig ‚durchgeführte Kennzeichnung derjenigen Flufß- und
Stromstrecken, auf denen eine Dampfschiffahrt (river steam navigation) besteht.
Die transsibirische Eisenbahn wurde schon oben erwähnt, die Route des. trans-
europäischen Orient-Exprefszuges, die grofsen amerikanischen Pacific-Eisenbahnen
und vieles Andere ist eingetragen, was nicht besonders angeführt werden kann.
Die meisten Berufsstände werden mit Nutzen diese Ausgabe der Berghaus-
schen „Chart of the world“ in Gebrauch nehmen; wir denken auch an die vielen
Forschungsreisenden, welche heutzutage infolge der schnellen Seereisen in kurzer
Zeit sich nach Indien, Aegypten oder nach Amerika oder Spitzbergen begeben
können und. denen eine zuverlässige Uebersichtskarte erwünscht sein mul, da
Y S. z, B. Segelroute Shanghai —— Neu-Seeland (Mai — Sepiember).