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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1897,
Der Hafen von Genitschessk hat vor den übrigen Häfen des Asowschen
Meeres folgende Vorzüge:
li. Die Rhede ist gegen die vorherrschenden Winde geschützt. .
Der Ankerplatz für die ausländischen Schiffe ist der Uferanlegestelle
näher. Die Tiefe von 18 Fufßs (5,4 m) ist 2,3 Werst (1,3 Sm) vom
Ufer entfernt, dagegen in Marinpol 5,3 Werst (3 Sm), in Berdjanssk
5,6 Werst (3,1 Sm), ın Jeissk 20 Werst (6,1 Sm), in Taganrog 30 Werst
(17,3 Sm).
Die Seeströmung erhält in der Meerenge eine beständige Tiefe,
Die Uferstelle für das Ladegeschäft der Küstenschiffe ist gegen den
Wellenschlag geschützt und bedarf keiner äufseren Schutzbauten,
Besondere Bauten sind in dem Hafen bisber nicht ausgeführt. Empfohlen
wird nunmehr eine Verbesserung der Hafeneinfahrt durch Ausbaggerung der
Barre und der Meerenge bis 12 Fufs (3,6 m) Tiefe sowie durch den Bau eines
offenen Kanals von 30 Faden (63 m) Bodenbreite, die Herstellung eines Kais u. s. w.
3. Der Hafen von Jeissk.
(Eisk der Brit. Adm.-Karte No. 2234, Tit. V, No. 485.)
Die Kreisstadt Jeissk des Kuban-Gebietes liegt am Südufer des Asowschen
Meeres auf einer flachen Landzunge unter 46° 42‘ 35" N-Br und 7° 56‘ 42" O-Lg
von Pulkowo (38° 16‘ 22,5” O-Lg v. Gr.). Die Stadt hatte am 1. Januar 1893
etwa 36 200 Einwohner. Der jährliche Handelsumsatz betrug über 20 Millionen
Rubel. Hauptgegenstand des Handels ist Getreide, für welches in der Stadt
viele Schuppen vorhanden sind. Tiefgehende Schiffe ankern auf der etwa 20 Werst
(6,1 Sm) von der Stadt entfernten, 20 bis 23'/2 Fulßs (6 bis 6,8 m) tiefen Rhede.
Dauer und Geschwindigkeit der Winde in der Bucht nach Beobachtungen von
1883 bis 1892.
Windrichtung
N
SE
NE
ESE
NW,
8
SW
WNW
NNE
ENE
NNW
WSW
SSW
SSE
Windstille
Dauer der Winde
in Hunderttheilen
der Beobachtungen
8,6
Q
7,
R
Sf
1,0
0,7
7,8
Mittlere Geschwin-
digkeit der Winde
innerhalb 1 Sekunde
in Metern
4,28
6,05
5.50
5,45
4,68
5,71
6,30
5,28
6.20
5,42
1,44
5.62
6,04
Vorherrschend sind Ostwinde. Winde mit gröfserer Geschwindigkeit als
15 m in einer Sekunde sind vorzugsweise im Februar, sodann im Juni und Juli
beobachtet.
Jängs der Landzunge findet eine doppelte Strömung statt in der Richtung
NO—5SW und umgekehrt. Diese Strömung ist von der Windrichtung und dem
Wasserstande abhängig. Die gröfste Stromgeschwindigkeit ist etwa 200 Faden
(2,3 Kabllg.) vom Ufer; weiterhin verringert sie sich.
Jeissk ist der Mittelpunkt des nicht unbedeutenden Handels einer ziemlich
reichen und fruchtbaren Umgebung. Dieser Verkehrsbezirk war vor dem Vor-
handensein .der Eisenbahn Rostow am Don — Wladikawkass erheblich gröfser und
umfafßte fast das ganze nördliche Kuban-Gebiet und das Gouvernement Stawropol.