„ Fulst: Astronomische Ortsbestimmung durch Mondhöhen,
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ungünstigsten Falle, einen einigermafsen grofsen, geschweige denn bedenklichen
Fehler in der Breite verursachen soll. Fehler von drei und mehr Minuten kommen
ja auch bei den Breitenbestimmungen mit Hülfe der besten Sonnenhöhen infolge
der Veränderung der terrestrischen und astronomischen Strahlenbrechung vor,
Jedenfalls werden aber Mondhöhen selbst bei ungenau bekannter Länge eine
bessere Breite ‚ergeben als Sternhöhen, die sich im Meridian im Allgemeinen
schlecht beobachten lassen. Und um wie viel besser werden die Resultate sein
als unter denselben Umständen bei einer Breitenbestimmung aus einer Höhe der
Sonne neben dem Meridian, wenn der Stundenwinkel nicht ganz klein ist!
Solche Beobachtungen stellt man aber, zumal wenn man lange Zeit nur auf die
Loggerechnung angewiesen war, gern an und nimmt die Ungenauigkeit gern in
den Kauf. Warum also keine Mondhöhen zur Breitenbestimmung benutzen?
Die schnelle Aenderung der Abweichung des Mondes macht sich bei
dieser Aufgabe aber noch in anderer Weise geltend. Es fällt nämlich die
gröfste Höhe des Mondes gar nicht mit der Kulmination zusammen, sondern der
Mond erreicht dieselbe erst nach der Kulmination, wenn er sich dem erhöhten
Pol nähert, er hat sie bei der Kulmination schon überschritten, wenn er sich
vom erhöhten Pol entfernt. Die aus der gröfsten Höhe des Mondes hergeleitete
Breite des Beobachtungsortes wird also fehlerhaft sein, und zwar wird der Fehler
um so größer sein, je schneller sich die Abweichung ändert.
In der Nähe des Meridians verhalten sich bekanntlich bei konstanter Ab-
weichung die Höhenänderungen wie die Quadrate der Stundenwinkel, Bezeichnet
man die in Sekunden ausgedrückte Höhenänderung in der ersten Minute nach
der Kulmination mit c (Kulminationssekunden), so ist für einen Stundenwinke]
von t Minuten die Höhenänderung des Gestirns
Ah — et?
Nähert sich der Mond dem erhöhten Pol, so wird, wie schon bemerkt,
die gröfßste Höhe nach der. Kulmination erreicht werden. Bezeichnet man die
Aenderung der Abweichung in einer Minute mit Ad, so wird sich nach t Minuten
der Mond um t-+ 40 Sekunden dem Pol und also auch angenähert soviel dem
Zenith genähert haben. Die wirkliche Höhenänderung nach Verlauf von t Minuten
nach der Kulmination wird also sein:
dAIh= 40 -— PC
Der Mond wird also seine gröfßste Höhe erreichen, wenn der Ausdruck
tA4d — t°C
ein Maximum wird. Dieses tritt ein für
=
„7 26
und für diesen Werth wird
A4d? EZ
dh = Te Sekunden == 540% Minuten
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d. h. der Mond ist bei seiner gröfsten Höhe um SO Minuten höher als bei der
Kulınination. Betrachtet man also die gröfste Höhe als die Meridianhöhe, so
wird auch die hieraus abgeleitete Breite um AO Minuten fehlerhaft sein:
Die Größe dieses Fehlers ist für mittlere Werthe von Ad aus der unten-
stehenden Tafel zu entnehmen. Man erkennt daraus, dafs auf hohen Breiten bei
grofeer Abweichungsänderung der Fehler nicht unbedeutend ist und dafs er auf
60° Breite noch eine Minute überschreitet. Bedenklich ist er aber innerhalb
derjenigen Breiten, welche für die Schiffahrt vorwiegend in Betracht kommen
(von 60° N bis 60°5S), keineswegs und kann bei gewöhnlichen Breitenbestimmungen
füglich ganz vernachlässigt werden. Erstrebt man aber eine größere Genauigkeit,
so kann man sich der untenstehenden Tafel bedienen. Addirt man den der Tafel
entnommenen Werth zu der sich aus der Beobachtung ergebenden Zenithdistanz,
80 erhält. man . die Meridionalzenithdistanz, mit deren Hülfe man alsdann die
Breite berechnet.