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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1897,
im Atlas zum Segelhandbuch, Tafel 26, 27, wohl aber mit der entsprechenden
Bemerkung über den sturmreichsten Theil der Zone 20° bis 30° S-Br, verlangt
darum eine eingehendere Untersuchung“.
Diese Untersuchung kann nach den inzwischen weiter fortgeschrittenen
Vorarbeiten für die zweite Auflage des Segelhandbuches vom Atlantischen Ozean
bereits jetzt ausgeführt werden, wenn auch vorläufig an etwas beschränktem
Material; eine Verarbeitung der ganzen sehr reichhaltigen Sammlung von Wetter-
büchern aus diesen Gewässern, die sich auf der Seewarte befindet, ist zur Zeit
wegen anderer Arbeiten nicht thunlich; doch erscheint es unwahrscheinlich, dafs
das Ergebnifs in den Hauptzügen durch Hinzufügung weiteren Materials verändert
werden würde.
Um die in den verschiedenen Meeresränmen beobachteten Sturmzahlen
untereinander vergleichen zu können, müssen sie vor Allem auf gleiche Beob-
achtungsdauer reducirt werden, da selbstverständlich in doppelt soviel Tagen
auch doppelt soviel Stürme beobachtet werden können. Es ist also festzustellen,
welche Anzahl von Tagen auf der Aus- und der Heimreise aus den verschiedenen
Reiseabschnitten zur Verwendung gekommen ist, und hiernach die „Sturmhäufigkeit“
oder „Sturmwahrscheinlichkeit“ zu berechnen. Da die Arbeit neuerdings auf der
Seewarte fortgesetzt und auf den gröfsten Theil der Journale aus den Jahren 1886
bis 1896 ausgedehnt worden ist, so können wir der Bestimmung der Zahl der
Stürme 451 Ausreisen und 533 Heimreisen zu Grunde legen. Um aber die ent-
sprechende Beobachtungsdauer abzuleiten, müssen wir uns begnügen, den mittleren
Verlauf der Reisen festzustellen, da eine Auszählung derselben für das ganze
Material zu umständlich wäre.
Für die Reisen von der Linie zum Kap Horn ist dieser mittlere Verlauf
in dem Segelhandbuch der Seewarte für den Atlantischen Ozean, Seite 433, auf
Grund von 147 Reisen deutscher Segler mitgetheilt. Für die Rückreise liegt
eine solche Zusammenstellung noch nicht im Druck vor. Ich habe deshalb die
Dauer von 100 zufällig herausgegriffenen Reisen deutscher Segler aus den Jahren
1891 bis 1896 nach Abschnitten von je 10 Breitengraden bestimmt mit folgendem
Ergebniß:
67° W-Lg 50°S 40°S 30°S 20°S 10°S 0° Summe
. "mn, tt N m! Nm, Jar! ba an, va Sa
50 Reisen in den Monaten
Oktober bis März. . 53 6,2 6,8 8,4 5,2 4,7 36,6 Tage
50 Reisen in den Munaten
April bis September . 55 6,0 5,8 (4 4,2 2.8 8L1L =
Um zu prüfen, inwieweit diese Zahlen auch für andere Jahrgänge passen
und also als normale Werthe gelten dürfen, können wir ihnen die Ergebnisse
einer älteren, noch nicht veröffentlichten Zusammenstellung der Journale der
Seewarte aus den Jahren 1867 bis 1875 gegenüberstellen; für die drei Sommer-
und drei Wintermonate ergiebt der Vergleich das Folgende:
67° W-Lg 50°S 40°S 30°S8 20°S 10°8 0° Summe
A A. 7 a A A E——— > ar
I
Dezember bis Februar:
48 Reisen aus 1867—-75 8,0 4,7
27 „ 1891—96 9,3 5,3
Insgesammt 75 Reisen 8,5 4.9
Juni bis August:
32 Reisen aus 1567—75 6,1 6,2 6,2 5,6 4,3 3.7 321
34 , 1891—96 5,5 5,5 5,4 6,0 4,3 3,6 303
Inswesammt 66 Reisen 5.8 5,8 5.8 5,8 4,3 3,6 211
38,2 Tage
38:8
38:5
Der ganze Reiseabschnitt von Kap Horn bis zur Linie nimmt nach dem
Segelhandbuch der Seewarte für den Stillen Ozean, Seite 844, im Mittel von
über 1200 in den Journalen der Seewarte enthaltenen Segelschiffsreisen 35,4 Tage
in Anspruch, und zwar im Dezember bis Fehruar 38,6 und im Juni bis August
32,0 Tage.
Wie man sieht, stimmen die aus verschiedenen Jahrgängen gewonnenen
Reisedurchschnitte ziemlich nahe überein, und setzt man sich also keinen allzu
grofsen Fehlern aus, wenn man die aus 213 Heimreisen der Jahre 1894 bis 1896
gewonnene Sturmstatistik mit der aus 100 Heimreisen der Jahre 1891 biz 1896