392 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1897.
Ostküste, zumal südlich von Neu - Schottland, und zweitens ist es die Ostkante
der grofsen Neufundland - Bank. Da, wo die 200 m - Tiefenlinie von NNO nach
SSW verläuft, um unter 43° N-Br und 50° W-Lg scharf nach Westen umzubiegen,
ist das Centrum der berüchtigten Neufundland-Nebel; besonders die Augustkarte
ist ein deutliches Beispiel dafür, dafs die Zone gröfster Nebelfrequenz vergleichs-
weise schmal ist und sich von Nord nach Süd erstreckt, genau da, wo das kalte
Wasser des Labrador-Stromes entlang dem Rande der Bank südwärts fliefst und
in nächste Berührung mit dem auf tiefem Wasser sich haltenden Golfstrom kommt.
Deshalb auch dehnt sich die Zone der sehr häufigen Nebel bis nach 42° N-Br
unter 50° W-Lg, also einige 60 Sm südlich noch von der Bank aus.
Auf der Bank selbst, zumal deren westlichem Rande, ist die Häufigkeit
der Nebel fast durchweg ein wenig geringer, weil dort, wie genaue Temperatur-
karten zeigen, das Wasser beträchtlich wärmer ist als an dem Ostrande und
weil überhaupt die starken, plötzlichen Temperaturgegensätze fehlen, welche
durch den am Ostrande der Bank stattüindenden Kampf der zwei verschiedenen
Strömungen hervorgerufen werden.
Das Charakteristische bleibt immer, daß, wenn überhaupt Nebel erwartet
werden kann, die gröfste Wahrscheinlichkeit dafür unter den Längen von 47°
bis 50° W-Lgy auf der Dampferroute ist, wie dies auch die Karten der nebel-
armen Monate erkennen lassen, besonders Januar, Oktober, November u. s. Ww.
Dagegen weichen zwischen 40° und 47° W-Lg einerseits sowie zwischen 52° und
65° W-Lg andererseits die Linien gleicher procentischer Nebhelhäußgkeit sehr
beträchtlich nach Norden zurück, weil dort warmes Wasser auch nordwärts vor-
dringt und daher die den Nebel sonst bedingenden warmen Winde dicht über
dem Wasser keine derart niedrigen Lufttemperaturen antreffen, dafs eine Ver-
dichtung des mitgeführten Wasserdampfes eintreten mülste.
Für alle von Westen nach Osten bestimmten und auch die in umgekehrter
Richtung gehenden Schiffe kann man also in ganz schematischer Weise die
Wahrscheinlichkeit von Nebel — abgesehen von dem jahreszeitlichen Vorkommen
an sich — etwa durch folgende, nur für die übliche Dampferroute gültige
Angabe darstellen:
70° bis 65° W-Lg: viel Nebel.
65° bis 52° W-Lg: wenig Nebel.
52° bis 47° W-Lg: sehr viel Nebel.
17° bis 40° W-Ly: wenig oder kein Nebel.
Alle ferneren Einzelheiten wird der Schiffsführer durch die Betrachtung
der Karten selbst leicht ablesen können.
Inwieweit die vorliegenden Nebelkarten im einzelnen Falle bestimmend
auf den Kurs wirken sollen, mufs dem Kapitän natürlich überlassen werden;
gyeräth er in Nebel, so zeigt ihm die betreffende Monatskarte zweierlei jedenfalls
sofort, nämlich, bis wie weit der Nebel voraussichtlich andauern wird,
und aufserdem, auf welchem Kurs er die gröfste Wahrscheinlichkeit
hat, am schnellsten aus dem Nebel herauszukommen.
Es kann nun die Frage aufgeworfen werden, ob der Verlauf der zwischen
den grofsen transatlantischen Dampfergesellschaften seit 1891 vereinbarten Routen
mit Rücksicht auf das Nebelvorkommen durchweg günstig ist oder nicht. Unsere
Karten zeigen diese Reisewege, wie sie jetzt im großen Ganzen befolgt werden,
sowohl diejenigen für die eisreiche als diejenigen für die eisarme Zeit, Bei ihrer
Einführung war seiner Zeit hauptsächlich die Rücksicht auf die durch Kisberge
bedingten Gefahren mafsgebend gewesen; wir haben daher auch die nach den
Erfahrungen der Jahre 1880 bis 1891 von Herrn Kapt. Dinklage berechneten
„mittleren“ Treibeisgrenzen auf den einzelnen Monatskarten beigefügt,
Augenblicklich liegen die Verhältnisse folgendermafsen:
I. Die für die eisreiche Zeit berechneten Routen gelten jetzt von Mitte
Januar bis Mitte Juli; bis zum Frühjahr dieses Jahres (1897) bestand die Ab-
machung, den kritischen Längengrad 49° W in 42° 30‘N-Br auf der Ausreise, in
41° 40' N-Br auf der Heimreise zu schneiden, Im Allgemeinen hat man damit
den Forderungen der Sicherheit, welche die Eisgefahr bedingt, entsprochen, aber
die Nebel reichen, wie man aus unseren Karten des Mai, Juni, Juli sieht, im
Durchschnitt noch etwas weiter nach Süden als die Eisberge, und deshalb ist