Schott: Die Nebel der Neufundland-Bänke.,
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Kärtchen einsieht, zugeben. dürfte; jede Nebelmeldung ist nämlich .durch einen
je nach der Dauer des Nebels verschieden langen Strich entlang der Kursrichtung
gekennzeichnet, wodurch stellenweise: ganz unentwirrbare Anhäufungen ‘von
Strichen entstanden sind. „8
Für uns handelt es sich darum, die mittleren‘ durchschnittlichen Grenzen
des: Nebels nach seiner zeitlichen und‘ geographischen Verbreitung. zu. veran;
schaulichen, und zwar unter möglichster Beseitigung des störenden Einflusses der
Schiffsrouten, durch welche die einzelnen Theile: der Karte in ganz. verschiedener
Weise mit Beobachtungen bedacht werden. Es kam darauf an, die procentische
Nebelhäufigkeit auf Grund langjähriger Erfahrungen zu ermitteln. ‘. 44
Die von der Deutschen Seewarte herausgegebenen „Resultate meteoro-
logischer. Beobachtungen von deutschen und holländischen Schiffen für Eingrad-
felder des Nordatlantischen Ozeans“ bildeten eine ebenso naheliegende wie vor-
zügliche Grundlage. Die darin verrechneten Beobachtungen. beziehen sich "auf
ungleich grofse Zeiträume: - Für die zwei Quadrathefte No..149 und.150, welche
40° bis 50° N-Br und 40° bis 50° bezw. 50° bis 60° W-Lg umfassen, -ist.: alles
Material der Seewarte benutzt, das bis .zum 31. Dezember 1884 eingegangen war,
während für 40° bis 45° N-Br und 60°: bis 70° W-Lg (Quadratheft No. 151 a/b)
der Abschlufs infolge: der späteren Bearbeitung erst am 31. Dezember 1893 er:
folgte; -demgemäfs liegen, da außerdem der Beginn der Beobachtungen in der
Hauptsache ungefähr auf das Jahr 1872 datirt werden darf, für die zwei ersten
Quadrathefte rund 12 Beobachtungsjahre‘ zu Grunde, für das westlichste .Gebiet
aber rund 21 Jahre. Für jedes Eingradfeld. und für jeden Monat ist die Ge-
samımtsumme der beobachteten Nebelstunden sowie auch die Anzahl der Beob-
achtungsstunden (nach Multiplikation der Beobachtungswachen mit 4) aus jener
Veröffentlichung zu entnehmen; hieraus wurde die relative Nebelhäufigkeit be;
rechnet. Die Linien gleicher Nebelhäufigkeit sind öfters nicht. streng nach den
Procentzahlen gezogen worden, besonders dann nicht, wenn offenbar eine Un-
gleichmäfsigkeit in der, Vertheilung der Beobachtungen vorlag. ‘ Nebelprocente,
die infolge solcher oder anderer Umstände . durchaus unwahrscheinliche Werthe
darstellen, wurden eingeklammert [ ]. ; , Wr
Man sieht, das Verfahren, . welches zur Konstruktion der zwölf Karten
führte, ist an sich sehr einfach und erfordert keine besonderen. Kenntnisse. Das
Wichtige ist eben die Uebertragung der Ergebnisse auf eine Karte, denn in den
Tabellen der „Quadrathefte“ selbst kann der Schiffsführer auch bei gutem Willen
einen Ueberblick über die geographische Vertheilung der Nebel sich kaum
verschaffen. ‘.
Die sehr zahlreichen Bedenken, welche sich gegen.'die Berechnung von
klimatischen Mittelwerthen aus‘ maritimem Beobachtungsmaterial infolge der
zeitlich und lokal so durchaus verschiedenen Vertheilung der Messungen erheben
lassen, !) fallen hier fast ganz weg, da die Beobachtungen zu einem grofsen
Theil von den sich gleichmäßig vorwärts bewegenden. Dampfern. gemacht. sind
und aufserdem die Routen für Hin- und Rückreise genau entgegengesetzt verlaufen.
Es wurde bei dem Entwurf der Karten für zwei ausgewählte Monate die
Nebelhäufigkeit nicht bloß für die westliche Hälfte der New Yorker Dampfer-
route bestimmt, sondern auch für die östliche bis nach Lizard hin; es ergab sich
aber, dafs selbst in den Monaten gröfster Nebelhäufigkeit auf den Neufundland-
Bänken (Juni, Juli, August) die Häufigkeit des Nebels auf der europäischen
Seite des Ozeans meist noch unter 10%, bleibt, so daß es sich für keinen Monat
Johnte, eine bis nach Lizard hin reichende Karte zu veröffentlichen. a
Die Nebelhäufigkeit ist also auf der amerikanischen Seite ab:
solut und relativ viel, viel gröfser als auf der europäischen Seite,
Durchmustert man der Reihe nach die zwölf Karten, so erkennt man
Jeicht, dafs die nebelreiche Zeit im April beginnt und bis zum. August ein-
schliefslich andauert, worauf im September eine sehr plötzliche und starke
Abnahme des Nebelvorkommens zu verzeichnen ist; Februar ist wohl der nebel-
ärmste Monat. VUeberall zeigt sich, dafs wir zwei Gegenden gröfster Nebel-
häufigkeit haben; einmal sind es die Gewässer nahe unter der amerikanischen
DES Meinardus: „Methoden der‘ Verarbeitung von meteorologischen Beobachtungen zut
See“ in. der „Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde“, 1894, S. 90 £.