390 Annalen der Hydrographie und Maritimen Metcorologie, September 1897.
dargestellt werden, wie es ihre Bezeichnung ergiebt. Dagegen verschwände mit
hr die vollständige Abweichung der Bewegung der angeblich sie beschreitenden
Minima von der sonst allgemein bestehenden Verlagerung derselben nach Osten.
Unter diesen Umständen würden sich die Alpen als eine Wetterscheide dar-
stellen, die von den Minima nicht überschritten wird. Damit soll aber nicht
zesagt sein, dafs die atmosphärischen Vorgänge nördlich und südlich dieses
Gebirgszuges voneinander unabhängig seien. Im Gegentheil dürften sie nach
Ansicht des Verfassers von den entsprechenden Theilen gleicher Erscheinungen
beeinflufst werden, welche den Meridianen entlang sich erstrecken. So würden
auch die Minima, welche in den letzten Tagen des Juli über Deutschland ost-
wärts zogen, als zusammengehörig mit den von Ligurien aus die gleiche Richtung
verfolgenden Minima zu betrachten sein.
Zum Schlufs sei noch Folgendes hervorgehoben: Eine Superposition ver-
schiedener Luftdruckerscheinungen, wie sie für die oben besprochenen Vorgänge
angenommen wurde, vermag in naturgemäfser Weise die Veränderlichkeit der
Depressionen oder Hochdruckgebiete in Ausdehnung und Tiefe oder Höhe der
Barometerstände zu: erklären. Dabei darf jedoch nicht aufser Acht gelassen
werden, dafs weder die Lagen noch die Bewegungen der resultirenden Minima
gleich sind den Lagen und den Bewegungen der Minima der sich summirenden
Einzelerscheinungen, wie dies an anderer Stelle (siehe „Globus“ 1896, Band LXX,
Seite 197 u. ff.) bereits näher ausgeführt worden ist. Die in der beigegebenen
Karte für den 27. Juli 1897 eingetragenen Positionen der Minima gelten daher
nicht für die Minima der Einzelerscheinungen, sondern stellen die Lage der
Minima dar, welche aus der Summation sich ergeben und also in den Wetter-
karten selbst unmittelbar sich zeigen.
August 1897,
Die Nebel der Neufundland-Bänke.
Zwölf Karten, die geographische Verbreitung der Nebel auf der Dampferroute
zwischen New York und 40° W-Lg darstellend.
(Hierzu Tafel 13 bis 24.)
Da die beigehefteten zwölf Tafeln in erster Linie für den praktischen Ge-
brauch an Bord bestimmt sind, ist es unnöthig, über die Bedeutung der Nebel
für den Seemann hier etwas zu sagen; wer nicht selbst mit 10 Sm Geschwindig-
keit und darüber durch dicken, schweren, schon das Vorderschiff verhüllenden
Nebel gesegelt ist und voll gespanntester Aufmerksamkeit auf Signale von ent-
gegenkommenden Fahrzeugen gelauscht hat, wird nie in vollem Umfange das
Gefühl der peinigenden Unsicherheit, mit welchem eine solche Situation ver-
bunden ist, ermessen können.
In der Gegend der Neufundland - Bänke kommt aber ein die Gefahr ganz
wesentlich steigerndes Moment hinzu, das Eis. Nirgends auf der Erde haben
wir noch eine Gegend, wo in ähnlicher Weise ein grofser Schiffsverkehr fast
während des ganzen Jahres gleich schweren Gefahren ausgesetzt ist; wohl haben
wir noch eine ganze Reihe berüchtigter Nebelgegenden, aber eine derartige
Verbindung von Nebel- und Eisgefahr wie hier findet sich nicht wieder.
Während nun über das Vorkommen des Eises in den verschiedenen
Monaten des Jahres und in den verschiedenen Jahrgängen sehr zahlreiche
Arbeiten und Karten von den meisten seefahrenden Nationen herausgegeben
worden sind, fehlt bisher eine übersichtliche kartographische Darstellung der
Nebelvertheilung auf der New Yorker Dampferroute. Zwar hat das Hydro-
graphische Amt in Washington einmal auf der Rückseite einer „Pilot Chart of
the North Atlantic Ocean“ (Juli 1895) zwölf kleine Kärtchen der Nebelhäufig-
keit für die genannte Gegend gegeben, aber nur nach den Beobachtungen eines
einzigen Jahres (1894), was natürlich wenig praktischen Werth hat, da diese
Verhältnisse in den verschiedenen Jahren sehr verschieden sein können. Aufser-
dem war die Art der Darstellung jedenfalls keine glückliche, wie Jeder, der die