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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

388 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1897, 
herbei. Die Depression, welche für das nördliche Württemberg so verhängnifs- 
voll wurde, ist unschwer bis nach dem französischen Lothringen rückwärts zu 
verfolgen; das mit ihr auftretende Unwetter selbst erweist sich als ein aufser- 
ordentlich heftiger Gewittersturm mit schwerem Hagelschlag und sehr ergiebigen 
Regenfällen. Die Intensität dieser Erscheinung ist jedenfalls durch die hohen 
Lufttemperaturen, welche am 30. Juni mittags in Süddeutschland in nicht zu 
hohen Lagen 30° überstiegen, besonders verstärkt worden. Aufserdem dürften 
eingehendere Untersuchungen, zu denen das bis jetzt veröffentlichte Material 
nicht ausreicht, ergeben, dafs mit jener besonders hervortretenden Depression 
zur Zeit der stärkeren Entwickelung des Unwetters in anderer: Weise als jene 
[ortschreitende. kleinere Depressionsphänomene über dem gleichen Gebiete zu- 
sammentrafen und in ihren Begleiterscheinungen sich summirten. Derartige 
Summationen bei Gewittererscheinungen sind in der Erfahrung bereits mehrfach 
lestgestellt worden, insbesondere durch die Untersuchungen der Vorgänge im 
bayrischen Beobachtungsnetze, 
Wenn hier auf die allgemeinen Vorgänge bei der Katastrophe in Württemberg 
ein wenig näher eingegangen worden ist, so geschah es, um die Aehnlichkeit 
derselben in manchen Punkten mit denen anzudeuten, welche die etwa einen 
Monat später erfolgenden Ueberfluthungen in Sachsen, Schlesien und Nordböhmen 
zur Folge hatten. Auch in diesem Falle lagen die betroffenen Gebiete innerhalb 
einer von Nord nach Süd sich erstreckenden Einsenkung des Luftdruckes und 
ist die grofse Verstärkung der Regenfälle, welche das Unheil hervorrief, nach 
Ansicht des Verfassers auf die Summation kleinerer Depressionsphänomene mit 
ainer weitere Gebiete umfassenden und jene Gegenden durchstreichenden Depression 
zurückzuführen. 
Die entsprechende Luftdruckvertheilung entwickelte sich in folgender Weise: 
Am 26. Juli war die Luftdruckvertheilung über der östlichen Hälfte unseres Erd- 
theils gerade entgegengesetzt der über der westlichen Hälfte; Depressionen be- 
deckten das nordwestliche und südöstliche, Hochdruckgebiete das südwestliche 
und nordöstliche Europa. Die Minima dieser Depressionen befanden sich an der 
Nordküste Schottlands und über dem AÄsowschen Meere, sie waren nahezu gleich 
und betrugen etwa 748 mın. Ueber Polen und Nordostdeutschland waren die 
beiden grolsen Depressionen durch einen Streifen niedrigen Luftdruckes miteinander 
verbunden. Beide angeführten Minima des Luftdruckes verlagerten sich in östlicher 
Richtung, während über dem östlichen Centraleuropa der niedrige Luftdruck 
bestehen blieb. 
Da mit der Verlagerung der Minima im Nordwesten und Südosten des 
Erdtheils gegen Osten die beiden Hochdruckgebiete an Ausdehnung zunahmen, 
das südwestliche nach Norden, das östliche nach Süden hin, so stellte sich bereits 
im Laufe des 27. Juli über Europa eine Druckvertheilung her, die von Herrn 
Professor van Bebber als typisch für die Zugstrafßse Vb der Minima bezeichnet 
worden ist. Es ist dies jene Zugstrafßse, auf welcher die Minima angeblich vom 
Adriatischen Meere aus in nördlicher Richtung nach der östlichen Ostsee und 
jem Finnischen Meerbusen hin furtschreiten. 
Nachdem nun einmal das Bestehen dieser Zugstrafse von vielen Seiten an- 
erkannt worden ist, wird man zunächst versucht sein, auch die Ereignisse vom 
27. bis 31. Juli d. J. auf Vorgänge dieser Art zurückzuführen. Denn am 27, Juli 
lagen zwei Minima des Luftdruckes mit sie umgebenden wohl ausgeprägten Wind- 
systemen über Venetien und am Fufse der Seealpen, die im Laufe des Tages 
ostwärts sich verschoben und vertieften, und am folgenden Tage traten ebenfalls 
zwei Systeme mit geschlossenen Isobaren auf den ersten Blick besonders hervor, 
jas eine über Galizien und Ungarn, das zweite über dem Adriatischen Meere 
and den angrenzenden Küsten. Es liegt nahe, diese Erscheinungen als Fort- 
setzungen der am Vortage über dem nördlichen Italien befindlichen zu betrachten 
und in entsprechender Weise auch die Phänomene, die in den folgenden Tagen 
über dem östlichen Centraleuropa sich zeigten, damit weiter zu verbinden. 
Indessen bei eingehenderem Studium der Wetterkarten bemerkt man am 
Morgen des 27. Juli über Frankreich und Deutschland verschiedene kleinere 
Depressionen, von denen besonders die des nördlichen Frankreichs auf ihrer 
Wanderung nach Osten quer durch Deutschland gut zu verfolgen ist, wie aus 
den hier beigegebenen Karten ersichtlich ist. Es zeigt sich dann, dafs eine dieser
	        
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