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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Duderstadt: Sturmböen in der Nordsee und der westlichen Ostsee. 387 
Luftdruckkurve eine wirkliche Luftdruckzunahme bezw. Abnahme über dem be: 
treffenden Ort anzeigen, dafs sozusagen sekundäre wogenartige Schwankungen 
von kurzer Dauer. oder auch fortschreitende Wellen in der Atmosphäre statt- 
finden, dafs dadurch bedeutende lokale Gradienten entstehen und dafs hierdurch 
die Böen erzeugt werden, die mit elementarer Macht unmittelbar hinter der fort- 
schreitenden Druckstufe einherziehen. 
Bei dem Barographen in Hamburg sind plötzliche Druckänderungen um 
0,4 mm in der besprochenen Epoche vorgekommen, solche von 0,2 oder 0,3 folgen 
sich vom 4. bis 7. Juli sehr häufig. Barometeränderungen von 2 mm in einer 
Stunde sind schon recht grofs und selten, eine Aenderung von 0,2 mm in einer 
Minute würde einer stündlichen Aenderung von 12mm in einer Stunde ent- 
sprechen, eine Aenderung, die noch nie beobachtet worden ist, während jene von 
einigen Zehnteln des Millimeters sehr häufig bei unruhigem Wetter vorkommen, 
Es ist danach zweifellos, daß eine anscheinend so geringfügige, aber plötzliche 
Aenderung im Luftdruck von nur etwa 0,3 mm starke Gradienten und starke 
plötzliche Luftbewegungen, d. h. Böen, nicht nur verursachen kann, sondern ver- 
ürsachen . mufs. Könnte man auf einem gröfßeren Sturmgebiet diese beiden 
Elemente (Luftdrucksprung und Böe) nach Stärke sowohl als besonders nach der 
Zeit ihres Einsetzens genau verfolgen, so würde wohl die Möglichkeit geboten 
sein, Schlüsse auf die Bewegungen im Luftmeer und auf deren Fortpflanzung 
zu ziehen. 
Ueber die allgemeineren atmosphärischen Vorgänge vor und 
während der diesjährigen Ueberfluthungen in Schlesien, Sachsen 
: und Nordböhmen. ; 
Auftrage der Direktion der Seewarte bearbeitet 
von Dr. E. HERRMANN. ; 
(Hierzu Tafel 12.) 
Das Frühjahr und der Sommer dieses Jahres zeichneten sich in ungünstiger 
Weise aus; sehr heftige Regenfälle traten aufsergewöhnlich häufig über dem 
centralen Theile Europas auf. Dies steht in naturgemäfsem Zusammenhange mit 
der eigenthümlichen Art der Luftdruckvertheilung, die in dieser Zeit über unserem 
Erdtheil vorherrschte. 
In den meisten der Fälle, in denen diese Vertheilung in annähernd den 
Breitenkreisen parallelen Streifen stattfand, durchstrich die Linie niedrigsten 
Luftdruckes den kontinentaleren Theil Europas, welcher dann also dem Gebiet 
intensiverer Regen, das jene Linie umgiebt, angehörte. 
Ferner nahmen die Gebiete hohen und niedrigen Luftdruckes außer- 
ordentlich häufig eine von Nord nach Süd langgestreckte Gestalt an, oder von 
nördlicher gelegenen Depressionszonen erstreckten sich Ausläufer weit nach 
Süden... Auch unter diesen Umständen durchschnitt die Längsaxe der Depressionen 
oder der Ausläufer solcher das kontinentale Europa; die heftigsten Regenfälle, 
schwere Hagelschläge und zerstörende, lokalere Sturmerscheinungen treten vor- 
zugsweise bei derartiger Druckvertheilung auf. 
Das Unwetter, welches in der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli d. J. 
besonders durch Sturm und Hagelschlag die großen Verheerungen im nördlichen 
Württemberg anrichtete, entwickelte sich ebenfalls innerhalb einer Art Einsenkung 
des Luftdruckes, deren tiefere Theile von Norwegen nach dem westlichen Mittel- 
ländischen Meere sich hinzogen. Allerdings war am 30. Juni morgens nur in 
dem nördlichsten Theile dieser Einsenkung. und .über kleinerem Gebiete der 
Luftdruck. niedriger als 760 mm, doch weisen auch über Frankreich und Central- 
europa die Barometerstände und Windrichtungen viele Ungleichmäfsigkeiten auf, 
die das Bestehen von..kleineren Depressionen und lebhaftere Vorgänge innerhalb 
derselben . erkennen lassen. . Diese Depressionen verlagerten sich ostwärts und 
führten zahlreiche heftige Gewitter .besonders über. dem südlichen Deutschland 
nn
	        
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