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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

386 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1897. 
den Leuten des praktischen Lebens, der Schiffahrt, des Brückenbaues, der Hoch- 
bauten bezweifelt, dafs die Kenntnis der Stärke der Böen, weil diese durch den 
plötzlichen Stofls zerstörender wirken als ein gleichmäfsiger Wind, unbedingt 
nothwendig ist, allein die Ausstattung sämmtlicher meteorologischer Stationen 
mit solchen Instrumenten trifft auf Schwierigkeiten in Betreff des Kostenpunktes 
and in Betreff des Mangels an einem mit solchen Apparaten eingeschulten und 
vertrauten Personal. 
Daß der Wind vom 3. bis 8, Juli stets böig wehte, ist immerhin bemerkens- 
werth, dafs die Böen jedoch am heftigsten und häufigsten auftraten, als der Luft- 
druck zunahm, ist die gewöhnliche Erscheinung im Rücken der Depression, es 
sind die letzten schon gebrochenen Kraftanstrengungen des vorhergegangenen 
Sturmes, weshalb bei den Seeleuten diese Böen als ein verhältnifsmäfßig gutes 
Zeichen angesehen werden, sie sagen „es böet ab“. Die Böen traten diesmal 
besonders heftig auf, weil das Barometer in kurzer Zeit stark anstieg, in Borkum 
z. B. 6,3 mm in 12 Stunden am Mittwoch den 7. Juli und in Hamburg am 
gleichen Tage von 11* 15” a bis 12* 10”, also in 55 Minuten um 1,6 mm. Ein 
verhältnifsmäfsig rascher Anstieg ist bei allen Stationen zu bemerken, im Mittel 
nahm an den deutschen Stationen der Luftdruck vom Mittwoch Morgen an in 
36 Stunden um 11,5 mm zu. Dabei zeigt die Luftdruckkurve verschiedene Buckel 
und Absätze, die sogar durch das blofse Eintragen der Stundenwerthe zu erkennen 
sind, und deren Uebereinstimmung mit etwas zeitlicher Verschiebung bei den 
Stationen Keitum, Hamburg, Kiel, Wustrow nicht zu bezweifeln ist. Außer 
diesen etwas erheblicheren und auf längere Zeit sich erstreckenden Abweichungen 
von der glatten Kurve, deren genauere Untersuchung über die Richtung der 
Luftdruckzunahme Aufschlufß geben könnte, wenn nur die Stationen nicht auf 
einem gar zu engen Raum lägen, zeigt der Barograph in Hamburg, welcher allein 
von den erwähnten kontinuirlich aufzeichnet, unendlich viele kleine Zacken und 
Bögen, die in den besonders böigen Stunden der Kurve ein charakteristisches 
Aussehen verleihen, Die Kurven sind naturgetreu in den autographirten Wetter- 
berichten der Deutschen Seewarte veröffentlicht, so dafs von einer Wiedergabe 
hier abgesehen werden kann. Es seien nur einige Worte über die Natur der 
erwähnten Zacken und Ecken bier gestattet. Jeder Barograph, der empfindlich 
genug ist, zeichnet derartige Höcker bei böigem Wetter, in Hamburg ist die 
Kurve am gezacktesten, einige Unruhe zeigt sie während der ganzen Epoche, 
in den Nachmittagsstunden des 4. Juli sowie in den Vormittagsstunden des 
{. Juli. An beiden Tagen waren die Böen besonders heftig, und dafs die Böen 
mit jenen Zacken in einen ursächlichen Zusammenhang zu bringen sind, darf 
:üglich nicht bezweifelt werden. Die Frage könnte nur sein, welches ist die 
primäre, wirkende Ursache. Es wird meistens angenommen, dafs bei den Böen 
im Gebäude bezw, im Zimmer, wo der Barograph funktionirt, eine Luftpressung, 
die durch Steigen des Barometers angezeigt wird, eintritt durch rasche Zufuhr 
von aufsen, der ein genügender Abzug fehlt. Das könnte der Fall sein, obschon 
in einem Gebäude, der Wind mag herkommen, wo er will, stets höchstens zwei 
Seiten der Luftpressung ausgesetzt sind, die anderen Seiten aber und das Dach 
mit seinen Schornsteinen eine Saugwirkung ausüben und damit die Pressung auf- 
heben müssen. Zugegeben werden kann jene Erklärung auch höchstens für jene 
Zacken, nach welchen der registrirende Zeiger nach der Böe ungefähr auf den 
vorhergehenden Stand zurücksinkt. Wie sind aber die nach unten gehenden 
Zacken, die also eine Luftverdünnung anzeigen, zu erklären, wirkt hier die Böe 
etwa saugend? Wie sind ferner jene Ecken zu erklären, in denen das Barometer 
plötzlich um .0,2 oder gar 0,4 mm ansteigt, ohne nachher wieder zurückzusinken? 
Das sind Fragen, die sich nicht so kurzer Hand erledigen lassen, die vollständig 
erst beantwortet werden können, wenn für solche Detailaufnahmen genügend viel 
und genügend gute Instrumente, und zwar für Luftdruck- und Böenregistrirung 
aufgestellt sind. Dann würde zunächst zu entscheiden sein, ob dieselbe Böe über ein 
größeres Gebiet von Ort zu Ort zieht oder ob sie einen lokalen Charakter hat, 
Der Versuch, die für besonders starke Böen von den Signalstellen der Seewarte 
gemachten Zeitangaben untereinander in Verbindung zu bringen, wurde als aus- 
sichtslos aufgegeben, um nicht der Willkür einen unzulässigen Platz einzuräumen, 
indem nicht festzustellen ist, ob ein und dieselbe Böe den Zeitangaben zu Grunde 
liegt. Wahrscheinlich wird sein, dafs alle Zacken, Höcker und Buchten in der
	        
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