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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Jannar 1897,
zu sehen ist, werden sich bei der grofsen Helligkeit des Mondes die Beobachtungen
mit einer Genauigkeit anstellen lassen, welche Sternbeobachtungen weit in den
Schatten stellt und unter Umständen selbst Sounenbeobachtungen übertrifft.
Bei Mondschein ist aber immer eine mehr oder weniger gute Kimm zu
sehen, wenn nicht etwa leichte Nebel die Kimm verdecken, und besonders ist
der Theil der Kimm, welcher sich recht unter dem Monde befindet, in den meisten
Fällen deutlich genug zu sehen, um eine recht gute Beobachtung ausführen zu
können. Allerdings kann es bei geringer Aulmerksamkeit auch vorkommen, dafs
man den Mond über einer „falschen Kimm“ heobachtet. Wenn sich nämlich
anterhalb des Mondes Wolken, vornehmlich Stratuswolken, befinden, so ist die
Gefahr nicht ausgeschlossen, dafs man den Rand des Wolkenschattens für die
Kimm hält und auf diese Weise einen zu grofsen Kimmabstand mifst. Weil man
aber immer das Vorhandensein einer falschen Kimm vermuthen und mit Hülfe
eines Nachtglases erkennen kann, so ist diese Gefahr nicht so gro[ß, wie sie
gelegentlich gemacht wird, und sie kann keineswegs als Grund dafür dienen,
ganz allgemein vor Ortsbestimmungen aus Mondhöhen zu warnen. Dann dürfte
man auch keine bei Mondschein beobachteten Sternhöhen zur Ortsbestimmung
benutzen.
Es sei hier noch nebenbei bemerkt, dafs sich bei Mondschein Sternhöhen
nicht viel genauer beobachten lassen als sonst, da in demselben Mafse, wie die
Kimm deutlicher wird, die Helligkeit der Sterne abnimmt (vgl. Bolte: „Ueber
lie Genauigkeit nautisch-astronomischer Beubachtungen auf See“, diese Zeitschrift,
Jahrgang 1889, Seite 158). Es wird also ohne Zweifel die Genauigkeit der Mond-
beobachtungen die der Sternbeobachtungen weit übertreffen und sogar nicht viel
hinter der der Sonnenbeobachtungen zurückbleiben, so dafs von diesem Gesichts-
punkte aus der Mond als sehr geeignet zur ‚Ortsbestimmung betrachtet
werden mufs.
Der Mond soll aber deshalb hierzu wenig geeignet sein, weil man seine
Abweichung und seine gerade Aufsteigung wegen der schnellen Aenderung dieser
Gröfsen auf See, wo die Zeit nur ungenau bekannt ist, nicht genau ermitteln
kann. Die gerade Aufsteigung ändert sich in einer Minute im Mittel etwas über
2 Zeitsekunden, während die gröfste Aenderung etwa 2,9 Zeitsekunden beträgt.
Die Abweichung ändert sich, wenn der Mond im Aequator steht, in einer Minute
14 bis 18, also im Mittel 16 Bogensekunden. Und man versteht es daber, dafs
man früher, als man die mittlere Greenwicher Zeit an Bord nur sehr ungenau
kannte, davor warnte, Mondhöhen zur Ortsbestimmung zu verwenden.
Heutigen Tags aber kennt man besonders auf den Dampfern, auf denen
man alle paar Tage sein Chronometer kontroliren kann und auch wirklich kon-
trolirt, seine mittlere Greenwicher Zeit so genau, dafs ıman nicht mehr von
einem Fehler von Minuten, sondern nur noch von einem solchen von Sekunden
sprechen kann, so dafs man an Bord dieser Schiffe auch die gerade Aufsteigung
und die Abweichung des Mondes sehr genau kennt. Aber selbst wenn ein
mäfsiger Fehler ‚in der mittleren Greenwicher Zeit vorhanden ist, so ist, wie
gleich gezeigt werden soll, der Fehler im Schiffsort bei Benutzung des Mondes
keineswegs übermälfsig grofs, sondern in den meisten Fällen noch kleiner als bei
Benutzung von Sternhöhen.
Bei einer Breitenbestimmung aus einer Meridianhöhe des Mondes
entstehen auf zwei verschiedene Weisen Fehler durch die schnelle Aenderung
der Abweichung. Dadurch, dafs man infolge ungenau bekannter Länge die
mittlere Greenwicher Zeit der Kulmination nicht genau kennt, wird man die
Abweichung um einen kleinen Betrag falsch bekommen, um welchen Betrag auch
die Breite falsch wird. Auf einem sorgfältig navigirten Dampfer ist, wenn das
Wetter das Anstellen von astronomischen Beobachtungen gestattet, die Länge
auf wenige Minuten genau bekannt, so dafs daraus nach dem oben Gesagten in
der Breite nur ein Fehler von einigen Sekunden entstehen kann. Hat man
allerdings mehrere "Tage keine astronomischen Beobachtungen machen können,
so wird die Ungenauigkeit in der Länge und damit in der mittleren Greenwicher
Zeit wesentlich gröfser sein. Da aber einem Fehler von 1° in der Länge, d. h.
von 4” in der mittleren Greenwicher Zeit, nur ein Fehler von höchstens etwas
über einer Minute in der Abweichung und damit in der Breite entspricht, so
erkennt man, dafs die Länge schon recht falsch sein muß, wenn sie, selhst im