354 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1897,
gerückt haben. Andererseits sind auch so diese Stundenmittel kein Mafßs für
die überhaupt erreichten Geschwindigkeiten, da erstere stets hinter den in den
Schwankungen erreichten Maximalstärken zurückbleiben. Derartige Schwankungen
der Stärke zeigt der Wind immer. Jeder, der sich mit Windmessungen beschäftigt
bat, weifs, dafs niemals ein Wind auch nur eine Stunde hindurch in gleicher
Stärke weht. Genaue Messungen mit sehr empfindlichen Anemometern seitens
des amerikanischen Meteorologen Langley ergeben sogar, dafs dies nicht einmal
für eine Minute der Fall ist. Allein auch ohne die Stärke der Böen zu kennen,
st im vorliegenden Fall für den Hochsommer ein Wind von 12 m in der Sekunde und
darüber im Stundenmittel schon recht bedeutend, mag er auch in dieser Zahl
noch ziemlich hinter jenen zurückbleiben, die in Frühjahr- und Herbststürmen
beobachtet worden sind, wo Stundenmittel von 25 m in der Sekunde nicht zu den Sel-
tenheiten gehören. In der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag ist das Barometer an-
haltend überall gestiegen. In der Morgenkarte für Donnerstag den 8. Juli läuft
lie Isobare von 760 mm wieder über Hamburg, und zwar wiederum in fast west-
östlicher Richtung wie am 5. Juli. Die Depression ist nordwärts nahezu ver-
schwunden, sie liegt in gleicher Tiefe wie an den Tagen vorher (unter 740 mm)
nördlich von Bodö, das um 8a SW 4 hat. Die Gradienten sind überall kleiner
yeworden, der Wind daher an der deutschen Küste westlich und östlich von
Schleswig-Holstein schwächer, nur aus Borkum und aus dem östlichen deutschen
Ostseegebiet werden noch bölge starke Winde gemeldet. Verhältnifsmäfsig nahe
zusammen liegen vom Skagerrak bis zum Rigaischen Meerbusen hin die Isobaren
für 750 und 755 mm. Daher hat noch Skudesnaes NW 7, O0xö WSW 6, Skagen
West 8, Vestervig West 8, Stockholm SW 6, Wisby WSW 9, weiter nach Norden
hin herrscht ruhiges Wetter. So hat das Gebiet in der ungefähren Breite
zwischen Christiania und Vestervig, das während der ganzen besprochenen Epoche
beim Vorübergang der Depression vom Sonntag den 4. Juli sowie der Zwillings-
depression vom 6. und 7. Juli am meisten von stürmischen Winden heimgesucht
worden ist, auch in der letzten Stunde des‘ Vorhandenseins des letzten Minimums,
als dasselbe im hohen Norden unseren Blicken entschwindet, noch stürmische
Witterung, ja sogar am Donnerstag Abend ist hier das Wetter noch unruhig, als
schon wieder eine neue flache Depression nordwestlich von Schottland dieses
Gebiet beeinflufst. Doch die eigentlichen Sturmtage waren vorüber, und die
Seewarte hatte in Voraussicht dieser Verhältnisse schon am Donnerstag Nach-
mittag (8. Juli 4" 36" p) folgendes Telegramm an das Kommando der „Hohen-
zollern“ abgegeben: „Das Steigen des Barometers dauert über Südskandinavien
fort; das Wetter ist daselbst ruhiger geworden. Skudesnaes meldet Barometer
155mm, Westnordwest frisch, wolkig; Shields Barometer 758 mm, Südwest schwach,
wolkig. Ueber südlicher Nordsee wehen leichte bis frische westliche Winde bei
theilweise heiterer Witterung. Neue Depression naht westlich - von Schottland.
Obige Angaben beziehen sich auf heute 2 Uhr nachmittags. Seewarte.“
Am Freitag Morgen ist es wirklich ruhig geworden: Oxö hat Windstille,
Skagen SW 2.
Ueber den Weg, den die am Montag den 5. Juli aufgetretene Depression
einschlug, mögen einige Bemerkungen nicht unangebracht sein, zumal über diese
Bahnen, deren Ursachen und Vorbedingungen wenig Zuverlässiges bekannt ist.
Am Morgen des 5. Juli liegt der Kopf der Depression allerdings nördlich von
den Hebriden. Keinesfalls aber ist die Depression von Norden oder direkt vom
Westen hergekommen. Wie schon angedeutet, zwingt die Windrichtung schon
am Abend vorher an den Westküsten Schottlands und Irlands sowie der starke
Südsüdwestwind am Morgen in Valentia zu der Annahme, dal die langgestreckte
Depression auf dem Atlantischen Ozean westlich von Grofsbritannien lag, also
etwa über dem Arm des Golfstromes, der hier in der Richtung der Küste auf
die Nordspitze Schottlands zu fliefst. Ort der Entstehung sowie früherer Weg
der Depression ist erst nach Eingang der meteorologischen Schiffsjournale aus-
zumachen. Der Golfstrom biegt bei den Shetland-Inseln nach Nordost um und
setzt dann auf die norwegische Küste zu, etwa in der Richtung auf Florö hin.
Die gleiche Schwenkung macht die Depression, die schliefslich mit einer fast
westöstlichen Richtung ihrer Achse die Küste Norwegens trifft und dann an
dieser entlang wiederum mit dem Golfstrom nach Norden zu und, wie die Karte
vom 9. Juli anscheinend vermuthen läfst, mit ihm östlich weiter zieht. Ihre