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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Duderstadt: Sturmböen .in der Nordsee und der westlichen Ostsee. > 383 
auf dem beigefügten Kärtchen dargestellt sind, so erscheint es nicht nöthig, die- 
gelben näher zu beschreiben. Doch mag erwähnt sein, dafs beim Vorüberziehen 
dieses zweiten Minimums an der ganzen deutschen Küste (sowohl der Nordsee 
wie der Ostsee) Gewitter stattfanden, sowie dafs in Nord- und Mitteldeutschland 
überall Niederschlag gefallen ist. , Der Himmel selbst. war in ganz Deutschland 
fast durchgehends. bedeckt.‘ 
. Die größsten Windgeschwindigkeiten treten nach den eingelaufenen Berichten 
im Laufe des Mittwochs, besonders am Nachmittag, ein, wobei eine Regelmäfsigkeit 
nach der geographischen Lage jedoch nicht festzustellen ist. Hamburg hat die 
größte Windstärke schon um: Mittag, . ebenso. Darsserort, das um 1l*a Stärke 9 
notirt, hat mittags Stärke 10; ferner tritt die gröfste Geschwindigkeit ein in Kiel 
um 3*p, in Marienleuchte, das übrigens sonst in diesen Tagen durch niedrige 
Schätzungen auffällt, in Wustrow und Keitum um 4* p, in Süderhöft bei St. Peter 
um. 5* 45” p (Stärke 9), in Carolinensiel um 6*p, Schleimünde hat schon am 
Dienstag Nachmittag dieselbe Stärke als am Mittwoch von 5*a bis 2*p, gleich- 
mäfsig ist sonst bei allen Stationen, dafs diese gröfste Stärke nur für eine oder 
zwei Stunden, als das Barometer. sehr stark anstieg, anhielt, , 
Hat. sich aus der bisherigen Darstellung schon ergeben, dafs in den 
Gebieten der deutschen Küste. der Verlauf der Witterung genau derselbe war, 
wie er in der Kaiserlichen Depesche geschildert ist, so trifft dies ferner noch 
bezüglich der. Gewittererscheinungen zu beim und unmittelbar: nach dem tiefsten 
Barometerstande. ; 
Es würde hier zu weit führen, das Fortschreiten der Gewitter näher zu unter- 
suchen. Es scheint im Allgemeinen, als ob die Gewitter selbst etwa von NW her 
gegen die deutsche Küste vorrückten und nachmittags bis Swinemünde gelangten, 
als an einigen Stationen besonders in der Nordsee schon wieder neue Gewitter 
eintraten. Abgesehen von Helgoland, das schon am 6. Juli nachmittags Gewitter 
meldet, - fallen diese elektrischen Erscheinungen alle, auf Mittwoch den 7. Juli. 
Es folgen die Orte mit Gewittermeldungen ungefähr nach ihrer geographischen 
Lage von West nach Ost. Es hatten also Gewitter: Borkum nachts und nach- 
mittags, Carolinensiel 3* 30” p, Wilhelmshaven vormittags, Keitum 31/a Uhr früh, 
Cuxhaven vormittags, Süderhöft 5" 45” a und 9" 15" bis. 30” a, Glückstadt 9* 45" 
bis 11% 30” a, Hamburg 10% 15” bis 45” a, Aarösund 12* 30” p, Schleimünde 10" a 
aus SSW, Kiel mittags, Friedrichsort 12* 20” p, Travemünde 10* 40" bis 11* 30”a, 
Marienleuchte 10% 30* bis 12" 40" in SW, 2" 50” bis 3* 10” p aus WSW, Arkona 
4b 40° p, Swinemünde nachmittags. 
Es ist mithin die ganze vom Sturm getroffene Küste auch von Gewittern 
heimgesucht, die vielfach sehr stark, überall in Verbindung mit Böen auftraten, Ver- 
wüstungen und Unglücksfälle scheinen nicht vorgekommen zu sein, wenigstens fehlen 
Nachrichten darüber. Gemeldet wird nur, dafs am 7. Juli drei Segelschiffe und 
vier Fischerboote Schleimünde als Nothhafen anliefen. Schleimünde hatte übrigens 
den Sturm sehr stark und sehr lange. Bemerkenswerth für diese Tage ist 
übrigens, dal einige Stationen verhältnifsmäfsig geringen Wind gehabt haben 
müssen, wie z. B. Friedrichsort und Marienleuchte, obschon diese sonst nicht 
gerade sehr geschützt liegen, Marienleuchte hat ebenso wie Flensburg am 4. Juli 
erheblich größere Windstärken gemeldet. Im Uebrigen zeigt sich, dafs in Be- 
stätigung früherer Untersuchungen, von Dr. E. Herrmann, („Aus dem Archiv 
der Deutschen Seewarte“, Jahrgang XIV, 1891, No. 4) meistens jene Küsten, zu 
welchen der Wind parallel weht, mehr ausgesetzt sind als jene, die er senkrecht 
trifft. ‚Zu den Orten, welche in dieser Zeit weniger Wind hatten, als anzunehmen 
war, gehört auch die dänische Station Kopenhagen; welche in der ganzen Zeit 
Windstärke 4 nur einmal 5 meldet. Lage an der Ostküste sowie Umsetzung 
der sechstheiligen Skala in die zwölftheilige mögen hauptsächlich die Ursache 
davon sein, . . 
Die registrirenden' Anemometer in Keitum, Hamburg, Kiel und. Wustrow 
haben sämmtlich in den ersten Stunden nach‘ Beginn des Wiederansteigens des 
Lüftdruckes die gröfsten mittleren. Geschwindigkeiten ebenso. wie bei ‚jener 
Depression am Sonntag den’ 4. Juli, Diese Geschwindigkeiten, fallen durchweg 
höher aus als zur Zeit des-Abnehmens des Druckes oder zur Zeit des niedrigsten 
Barometerstandes. . Erklärlich wird dieser Umstand durch die besonders schweren 
Böen ‚beim Steigen: des Barometers, . die das Mittel. des Windes etwas hinauf-
	        
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