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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

‚Duderstadt: Sturmböen in der Nordsee und der westlichen Ostsee. 381 
gleich‘ bleibenden Stand zeigen, wie dies fast in Hamburg schon‘ der Fall ist. 
Die über den Kolumnen stehenden römischen Ziffern bezeichnen die Beobach- 
tungstermine: I = 8 Uhr morgens, II = 2 Uhr nachmittags, III == abends. 
Der letztere Termin fällt bei den deutschen Stationen auf 8 Uhr, bei den eng- 
lischen auf 6 Uhr (Greenwich-Zeit), bei den übrigen aufserdeutschen und bei 
Helgoland auf 9 Uhr abends. Mit Ausnahme Englands beziehen sich die Termine 
auf mittlere Ortszeit. 
Diejenigen deutschen Stationen, für welche Registrirungen vorliegen, 
besonders Keitum und Kiel, lassen das ausgedehnte vordere Minimum, das kurz 
dauernde Ansteigen sowie den raschen Abfall zum nachfolgenden Minimum sehr 
deutlich sehen. Die Registrirungen für den Wind geben nach dem Vorübergang 
der kleinen Druckerhebung das Nachlassen der Stärke und das Ausschiefsen. In 
Hamburg wurden registrirt um 1®a und 2*a des 7, Juli je 1,9 m in der Sekunde, 
um 3%a schon 4,9m, um 4a 6,8 m; Kiel hatte um i”a 2,9m in der Sekunde, 
darauf 4,0m, 4,6m.u. s. w.; Wustrow registrirte um 1*a und 7"a 26m bezw. 
25m in der Sekunde, in der Zwischenzeit etwas mehr, nach‘ 7 Uhr morgens 
folgen als Stundenmittel 4,4 m, 6,7 m, 10,2 m in der Sekunde. In Keitum hat die 
Registrirvorrichtung zur fraglichen Zeit nicht richtig funktionirt, nach den über- 
haupt erhaltenen Aufzeichnungen mufßs aber in der Nacht auch dort der Wind 
nur sehr leicht gewesen sein. . 
Mit der Verfolgung der Barometeränderungen sind wir jedoch den Er- 
eigniesen selbst vorausgeeilt. Die auf der obenstehenden Morgenkarte von 
Dienstag den 6. Juli dargestellte Wetterlage, die zum Erlafs einer Sturmwarnung 
für die Küste von Borkum bis Rügen Anlafs gab, verändert sich bis zum Nach- 
mittag in der Weise, dafs der flache Rücken in der Linie Shields — Borkum zu 
finden ist, der Aktionsradius des vorderen Minimums über Kopenhagen-— Wustrow 
östlich von Skagen liegt, der des westlichen Minimums seine Lage anscheinend 
wenig verändert hat. Es zeigt sich also, dafs das zuerst erschienene dieser 
Zwillingsminima eine Drehung nach Nordost zu machen im Begriff ist, die zwar 
auf der Nachmittagskarte noch nicht auszumachen ist, die aber am Dienstag 
Abend und Mittwoch Morgen klar in die Erscheinung tritt und bewirkt, dafs 
die östliche Ostsee zunächst noch nicht von stürmischen Winden heimgesucht 
wird. Im Uebrigen hat sich die Wetterlage nicht wesentlich verändert, Da- 
durch, dafs im Binnenlande das Barometer langsam fällt, sind die Gradienten 
nicht mehr steiler, von der Küste nach dem Inlande zu sogar etwas geringer 
geworden. Der Himmel ist in ganz Deutschland bedeckt, an der Küste ist viel- 
fach Regen gefallen. Auch die Abendkarte zeigt die Situtation, abgesehen von 
der Ortsveränderung der Depressionen, die sich schnell ostwärts bezw. nordost- 
wärts bewegen, wenig verändert, | 
Während das Barometer im Nordwesten Schottlands seit dem Nachmittag 
zu steigen begonnen hat, beharrt dasselbe im kontinentalen Westeuropa beim 
Fallen, so dafs die Isobare von 760 mm von Brest, mit einer tiefen Ausbuchtung 
nach der französischen Mittelmeerküste, etwas nördlich von München, Wien, 
Lemberg verläuft. Zu gleicher Zeit hat das Barometer seine Bewegung an der 
deutschen Küste fast ganz eingestellt, wodurch der Gradient nach Süden hin 
recht kleine Werthe angenommen hat, und die Luftbewegung infolgedessen nur 
schwach ist. Das sekundäre Maximum hat die deutschen Stationen etwa um 
10 Uhr nachts erreicht, im Westen etwas früher, im Osten etwas später (Wustrow 
11* p), in diese Zeit fallen die oben schon erwähnten geringen registrirten Wind- 
geschwindigkeiten. An den Stationen des südlichen Norwegens. sowie an der 
dänischen Station Vestervig hat das zweite Minimum der vor der Nordsee 
liegenden Depression seine Herrschaft angetreten. Christiansund, über welches 
der erste Theil der Depression, der jetzt an der Küste zwischen Christiansund 
und Bodö liegt und Bodö Ostwind gebracht hat, hinweggegangen ist, meldet ESE 2, 
Skudesnaes SW 6, Oxö SW 6, Vestervig SW 6. Im Gebiete des Skagerraks bleiben 
also unentwegt starke Winde vorherrschend, vermuthlich auch im Kattegat, da 
die Kaiserliche Depesche von einem Abflauen nichts erwähnt. 
In.der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ist das Barometer im östlichen 
Gebiete der Nordsee stark gefallen, während es nordwestlich von Schottland 
stark gestiegen ist und im deutschen Binnenlande wenig Aenderung zeigt. Die
	        
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