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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1897. 
Antwort der Seewarte um 12 Uhr mittags des 8. Juli: 
„Sr. Majestät dem Kaiser, Yacht „Hohenzollern“, Göteburg. 
Soeben allerhöchste Depesche von heute erhalten. Mittwoch den 7. Juli 
abends lag ein Minimum über Nordnorwegen. In Christiansund Barometer 
742 mm, Wetter still und halbbedeckt; Skudesnaes Barometer 748 mm, Nord- 
west stürmisch, bedeckt; 0xö Barometer 747 mm, Westsüdwest stürmisch, wolkig; 
Skagen Barometer 748 mm, West stürmisch, halbbedeckt. Barometer an der 
norwegischen Küste und über der Nordsee ziemlich stark steigend. Südliche 
Nordsee starke böige westliche Winde bei veränderlicher Witterung. Shields 
Barometer 755 mm, schwacher Westwind, halbbedeckt. Hamburg Barometer 
157 mm, Wind Westsüdwest, mittlere stündliche Windgeschwindigkeit 10m in 
der Sekunde. Die obigen Angaben beziehen sich auf 8 Uhr abends. Während 
des 7. war in Hamburg die gröfste Windgeschwindigkeit kurz nach Mittag und 
erreichte 25m in der Sekunde in einer Böe aus Nordwest während etwa vier 
Minuten. Der Direktor der Seewarte.“ 
Betrachten wir nun zunächst die Wetterlage, wie sie ungefähr bestand, 
als die „Hohenzollern“ Travemünde verliefs. 
In der für den Abend des 4. Juli nach den am 5. Juli eingelaufenen 
Berichten entworfenen Luftdruckkarte liegt das barometrische Minimum, welches 
am Sonntag den 4. Juli die stürmischen Winde bedingt hatte, über Schweden 
und dem Bottnischen Meerbusen, an der deutschen Küste der Nordsee und 
westlichen Ostsee immer noch stürmische Luftbewegung verursachend. Hoch- 
druckgebiete lagern im hohen Norden sowie besonders über Grofsbritannien, 
Frankreich und Südwesteuropa. Ueber dem Biscayischen Meerbusen übersteigt 
der Luftdruck 770 mm. Der Wind weht daher über Westeuropa gröfstentheils 
aus westlichen Richtungen. An den Westküsten des britischen Reiches, woselbst 
der Wind um 8 Uhr morgens noch aus Nord und NW geweht hatte, ist der 
Wind nach West und WSW zurückgedreht und zeigt damit an, dafs vom Ozean 
her eine neue Depression heranzieht. Die Morgenkarte (8a) für Montag den 
5. Juli zeigt auch schon ein wesentlich verändertes Bild. Der Luftdruck hat in 
Frankreich, Deutschland und Oesterreich überall zugenommen, hat aber über 
Schottland und Irland erheblich abgenommen, so dafs bei den Hebriden eine 
unter 750 mm betragende Depression zu erkennen ist, während die Depression 
vom 4. Juli von gleicher Tiefe, nur wenig nach Norden verschoben, über dem 
Bottnischen Busen liegt. Ein schmaler Rücken hohen Luftdruckes über der 
Nordsee trennt das östliche von dem westlichen Gebiet niederen Druckes. Die 
Isobare von 760 mm läuft in einem flachen Bogen von Valentia in Irland über 
Hamburg nach Posen. Das Hochdruckgebiet über der Biscaya - See ist unver- 
ändert. Die Windverhältnisse an der deutschen Küste werden noch von der 
5stlichen Depression beherrscht, die Stärke hat nur im östlichen Ostseegebiet 
zugenommen, sonst wehen sie nur noch frisch (Stärke 5, nur Wustrow meldet 
WNW 6), aber ziemlich böig aus westlichen Richtungen. Starker Westsüdwest- 
ınd Südwestwind an der Westküste Irlands läfst vermuthen, dafs ein Theil der 
westlichen, nördlich von den Hebriden liegenden Depression noch eine Gefolg- 
schaft auf dem Ozean westlich von Irland haben wird; auch der um 2 Uhr 
nachmittags von Stornoway gemeldete Südwind ist ein Beweis für diese Ver- 
muthung. Im Laufe des Vormittags fällt das Barometer über Grofsbritannien 
immer mehr, so dafs in jenem Gebiet der Luftdruck bis 2 Uhr nachmittags 
überall um 5 mm abgenommen hat und die Depression unter 745 mm bleibt. An 
der deutschen Küste steigt das Barometer noch langsam aufser auf Borkum, wo 
es von 8a an etwas fällt. Keitum auf Sylt erreicht seinen höchsten Stand 
(759,0 mm) um 10* a, Hamburg (761,0 mm) und Kiel (759,9 mm) um 1* p, Wustrow 
(759,2 mm) um 3" p und Swinemünde noch etwas später. Es hat sich der oben 
erwähnte Rücken hohen Druckes ostwärts verschoben und umfaflst um 2 Uhr 
gerade die cimbrische Halbinsel. Ueber Centraleuropa hat sich sonst wenig 
verändert, und die Isobare von 760 mın liegt in diesem Gebiet fast noch wie 
am 8a, Auch am Montag Abend um 8"p hat diese Isobare nur sehr wenig 
sich südwärts verschoben; sie läuft an der Südküste Englands entlang, etwas 
südlich von Hamburg nach Warschau hin. Die östliche Depression ist nordwärts 
rerschwunden, dagegen hat die neue westliche einen energischen Vorstofs nach
	        
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