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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Duderstadt: Sturmböen in der Nordsee und der westlichen Ostsee, 377. 
meter in Hamburg registrirte von 9" 20“ vormittags an starke, rasch aufeinander 
folgende: Böen, die von 11® an: bis 2" 32” nachmittags sehr heftig waren. Am 
Vormittag des 4, Juli war für die Ostseeküste eine Sturmwarnung erlassen, die 
allerdings leider, da die Entwickelung des Minimums eine überaus schnelle und 
aufsergewöhnliche war, nur für die östliche Ostsee früh genug eintraf, . 
Bei rasch zunehmendem Luftdruck drehte der Wind am Abend des 4, Juli 
nach WNW, behielt jedoch seine Stärke, vor Allem seinen böigen Charakter 
bei. Da der Kaiser am 5. Juli von Travemünde aus auf der Yacht „Hohen- 
zollern“ seine Nordlandreise antreten unG das Wetter auch am Abend sich noch 
nicht beruhigen wollte (Wustrow meldete für 8"»p WNW 8), so richtete das 
Kommando. der „Hohenzollern“ eine telegraphische Anfrage an die Seewarte 
über die. Wetteraussichten für den 5. Juli. Die Antwort lautete: „Stark böige 
Winde aus West und Nordwest bei veränderlicher Witterung wahrscheinlich.“ 
Die nach der Erfahrung ziemlich sichere Erwartung, dafs bei dem schon hohen 
Barometerstande (Kiel 759,4 mm, Hamburg 760,7 mm um 8'a des 5. Juli) ein 
baldiges Nachlassen des Windes eintreten müsse, mag das Kommando veranlafst 
haben, die Reise nach dem Norden anzutreten, trotz des noch immer frischen 
bis starken Windes, In Hamburg ist auch wirklich ein Abflauen, freilich nur 
für recht kurze Zeit, bis auf 2,9m in der Sekunde zwischen 4 Uhr und 5 Uhr 
am Nachmittag des 5. Juli eingetreten, aber schon Kiel ist nur bis auf 4,2 m in 
der Sekunde heruntergekommen, und weiter nördlich, zumal. auf der See, ist der 
Wind überhaupt frisch geblieben, wie aus den Berichten von Schleimünde,  Flens- 
burg, Marienleuchte zu entnehmen ist. Obige Depesche hat die „Hohenzollern“ 
nicht erreicht; hätte dieselbe von der Seewarte um noch nicht eine Stunde: später 
abgegeben werden dürfen, d. h. nach Eintreffen der Witterungsnachrichten aus 
England, so würde die Antwort noch erheblich ungünstiger gelautet haben. So, 
wie nun: die Sache lag, trat die „Hohenzollern“ aus einem Sturmgebiet fast un- 
mittelbar in ein anderes über, in ein anderes, das sich sehr rasch : entwickelt 
hatte und sich erheblich gefährlicher erwies als das eben besprochene vom 4. Juli, 
da die eben abgezogene Depression den Boden gelockert hatte, Das Aufireten 
dieser Depression, ihre ganz eigenartige Entwickelung, der Umstand, daß sie in 
ihrer Hauptphase eigentlich nur im östlichen Nordseegebiet sowie im Skagerrak 
und Kattegat stürmische Winde und Sturmböen erzeugte, in den letzteren beiden 
Meerestheilen sogar noch, als sie schon nordwärts beinahe verschwunden war, 
alles dies stempelt die Erscheinung zu einer, zumal in den Sommermonaten, sehr 
bemerkenswerthen, so dafs sie dieserhalb schon eine nähere Untersuchung ver- 
dient. Eine solche eingehende Behandlung mag aber auch deswegen um so 
wünschenswerther erscheinen, als der Kaiser selbst die auf der „Hohenzollern“ 
gemachten Beobachtungen telegraphisch an die Seewarte übermittelte .mit. dem 
Befehl, ihm sofort über die Witterungsverhältnisse Meldung zu machen. . Diese 
von Sr. Majestät dem Kaiser selbst unterzeichnete Depesche sowie die Antwort 
des Direktors der Seewarte ‘sollen hier vorweg wörtlich mitgetheilt werden, Die 
Ereignisse selbst werden unten an der Hand der Wetterkarten eingehend erörtert, 
„Göteborg 1897, 8. Juli 9" 25" morgens " 
(in Hamburg 10* 30“ morgens). 
Kaiserliche Seewarte Hamburg. 
Nachdem am Sonntag böiges Wetter mit Windstärke 8 bis 9 in 
Travemünde geweht hatte, verliefs „Hohenzollern“ bei Barometer 760 
die Rhede, Während der Fahrt fiel das Barometer bei auffrischendem 
Winde, so dafs Montag Abend bei zunehmender See und Briese-hinter 
Anholt zu Anker ging. Dienstag war Barometer weiter gefallen auf 
750, und ging die Yacht hinter den Schären bei Gotenburg zu Anker. 
Mittwoch nahm Wind noch mehr zu, und Barometer fiel auf 749; 
schwere Gewitterböen, übergehend zu hart wehendem Sturm aus 
West, Windgeschwindigkeit laut Anemometer 25,5 m. Melden Sie 
telegraphische Aufnahmen über Wind und Wetter in Nordsee und bei 
Skagen am Mittwoch Abend. Barometer steigt seit 8 Uhr abends 
ziemlich schnell. 
Ann. d. Hvyär. ete.. 1897. Haft IX.
	        
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