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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Pulse: Astronomische Ortsbestinmung durch‘ Mondhöhen. 
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So war man gezwungen, neben Sonnenhöhen auch Sternhöhen zur Orts- 
bestimmung zu benutzen, und als man sich erst einmal mit dieser Art der Orts- 
bestiumung vertraut gemacht und die Güte derselben. erkannt hatte, bediente 
man sich ihrer mehr und mehr, und täglich wächst die Zahl derjenigen, die sich 
ihrer bedienen. 
Merkwürdigerweise scheint der Mond, der sich wegen seiner Helligkeit 
und dadurch, dafs er Tag und Nacht sichtbar ist, ganz besonders zur Beobachtung 
empfiehlt, fast allgemein in Acht und Bann gethan zu sein und als zur Orts- 
bestimmung ungeeignet betrachtet zu werden, wenigstens ist mir über derartige 
Bestimmungen nur sehr selten etwas zu Ohren gekommen. 
In den Lehrbüchern wird fast durchgehends vor Mondbeobachtungen 
gewarnt, wenn sie nicht ganz und gar mit Stillschweigen übergangen werden. 
Dafs man auch vielfach in Navigationsschulkreisen von der Verwendbarkeit der 
Mondhöhen zur Breiten- und Längenbestimmung wenig hält, scheint daraus her- 
vorzugehen, dafs ‘Chronometerlängen und Nebenmittagsbreiten mit Hülfe von 
Mondhöhen nicht unter die Prüfungsgegenstände für die Prüfung zum Seesteuer- 
mann und zum Schiffer auf grofßser Fahrt aufgenommen sind. Seltsamerweise 
werden Breitenbestimmungen aus Meridianhöhen des Mondes in der Schifferprüfung 
verlangt, obwohl gerade diese Art der Breitenbestimmung, -wie unten gezeigt 
werden wird, mit den gröfsten Ungenauigkeiten behaftet ist. 
Ob der Mond wirklich so ungeeignet zur Ortsbestimmung ist, oder ob er 
nicht gelegentlich recht gute Dienste leisten kann, soll im Folgenden eingehend 
untersucht werden. ; . 
Daß man gegen Mondbeobachtungen nicht den Einwand erheben kann, 
die Beobachtung litte au zu großen Ungenauigkeiten, wird Jedem einleuchten. 
Am Tage beobachtete Kimmabstände des Mondunterrandes werden nur etwa mit 
denselben Fehlern behaftet sein wie die Kimmabstände des Sonnenunterrandes, 
denn obwohl der Mond am Tage recht lichtschwach zu sein pflegt, so zeigt er 
doch stets einen scharfbegrenzten Rand, dessen Berührung mit der Kimm scharf 
erkannt. werden kann, zumal, da unter dem Monde die Kimm sich deutlicher 
gegen den hellen Himmel abhebt als unter der Sonne, wenn diese etwas niedrig 
steht und ihre Strahlen vom Wasser reflektirt werden. Sollte zufälligerweise 
der Mond recht über der Sonne stehen, so würden allerdings die Beobachtungen 
etwas weniger genau werden. . 
Bei Beobachtungen des Oberrandes wird die Genauigkeit ebenso wie bei 
Beobachtungen des Sonnenoberrandes etwas geringer sein, da die Berührung 
nicht so scharf erkannt werden kann, doch wird diese Verschlechterung, zumal 
wenn die Kimm scharf begrenzt erscheint, nicht so grofs sein, dafs die Verwend- 
barkeit der Beobachtung dadurch in Frage gestellt werden könnte. 
Wenn nur eine schmale Sichel des Mondes sichtbar ist und der die 
erleuchtete Hälfte von der dunklen trennende Durchmesser nahezu senkrecht 
steht, so kann man im Zweifel sein, welchen Rand man wählen soll. In einem 
solchen Falle thut man am besten, die Beobachtung so lange zu verschieben, bis 
sich die Mondsichel so weit geneigt hat, dafs ein deutlicher Unterrand oder 
Oberrand erkannt. werden kann, was in den meisten Fällen nach Verlauf von 
einer bis zwei Stunden eingetreten sein wird. Ist aber aus irgend einem Grunde, 
etwa weil man fürchten mufs, dals später sich der Himmel bezogen hat, ein Auf- 
schieben der Beobachtung nicht angebracht, so messe man’ getrost den Kimm- 
abstand irgend eines Randes. Die so angestellte Beobachtung wird selten um 
mehr als 2‘ fehlerhaft sein, eine Ungenauigkeit, die auch z. B. bei diesiger Luft, 
wenn die Sonnenränder nicht scharf begrenzt erscheinen, bei Sonnenbeobachtungen 
auftreten. Da die Hörner des Mondes verhältnilsmälsig lichtschwach sind, so 
wird man bei diesen Beobachtungen die Berührung nicht scharf bewirken können, 
und zwar werden Kimmabstände des Unterrandes zu grofs, Kimmabstände des 
Oberrandes zu klein gemessen werden. Man kann also von vornherein: diesem 
Fehler Rechnung tragen, indem man bei Beobachtungen des Unterrandes je nach 
den Umständen 1 oder 2 Minuten von der gemessenen Höhe subtrahirf, bei 
Beobachtungen des Oberrandes aber dazu addirt. 
Bei Nachtbeobachtungen des Mondes liegen die Dinge ähnlich. Zur Zeit 
der Dämmerung, wenn jene vorzüglich scharfe Kimm vorhanden ist, wie sie immer 
kurz nach Sonnenuntergang im Westen und kurz vor Sonnenaufgang im‘ Osten
	        
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