374 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1897.
Alsdann wurden vier grofse Töpfe mit 95procentigem Alkohol in das Volkslogis
und die Kajüte gestellt, der Alkohol angezündet und die Fenster und Thüren
beider Räume 12 Stunden verschlossen gehalten. Am Nachmittage des 2. Juni
wurden alle Leute an Land beordert, um sich dort vom Kopf bis zu den Füßen
zu waschen. Gegen die weitere Anordnung des Arztes, dafs der zweite Steuermann
besonders ein Bad am Lande nehmen sollte, habe ich mit dem Hinweis auf unsere
vorzügliche Badeeinrichtung an Bord erfolgreich Einspruch erhoben. Am Abend,
als der Alkoholdunst sich aus der Kajüte entfernt hatte, nahmen die Offiziere
und der Seelootse, unter Aufsicht des Arztes, an Bord ein Bad, Unsere Sachen;
die den ganzen Tag über auf der Leine in der Kajüte gehangen hatten, wurden
am Abend noch zu einer weiteren Desinficirung an Land gebracht und das ganze
Überdeck mit einer Sublimatlösung bespritzt. Einige Kleidungsstücke der Leute
waren bei der Desinfieirung am Lande theilweise verbrannt.
Am Donnerstag den 3. Juni konnten wir wieder auf den Strom holen,
mufsten hier aber noch vier Tage liegen, bis wir am Abend des 7. Juni aus der
Quarantäne entlassen wurden.
Es war zuerst die Absicht der Behörde, unseren gelöschten Steinballast,
in der Menge von 300 Tonnen, 5 Sm aufserhalb an Kap Henlopen versenken zw
lassen. Da aber ein Schleppdampfer für diese Arbeit 150 Doll. verlangte, so
wurde hiervon abgesehen und beschlossen, denselben an einer passenden Stelle
auf dem Delaware über Bord zu werfen. )
Port Los Angeles. Kalifornien.‘
Von FERD. WARNEKE, Führer der deutschen Viermastbark „Christine“. August 1897,
Die grofse Seelandungsbrücke, genannt Mammoth Wharf oder auch Port
Los Angeles, ist 1893 gebaut und liegt ungefähr 20 Sm von der Stadt Los
Angeles. Dieselbe ist 4700 Fuls (1433 m) lang und draufsen auf. einer Länge
von 1000 Fufs (305 m) 131 Fufs (40 m) breit. Die Richtung des äußeren Endes
nach See ist SWzW rw. und liegt in 34° 1‘ 20“ N-Br und 118° 32‘ 20“ W-Lg.
Die Tiefe des Wassers längs der äufsersten 1000 Fufs (305 m) beträgt zwischen
32 und 35 Fufs (9,75 und 10,67 m) bei Niedrigwasser, bei Hochwasser zwischen
4 und 7 Fufs (1,22 und 2,13 m) mehr. Es liegen 14 Bojen um dieses äufserste
Ende herum, woran die Schiffe sich befestigen können. Die Bojen sind vermittelst
75 Faden (137 m) 2 Zoll (5 cm) dicker Ketten an 7 Tonnen schweren Vertäu-
ankern befestigt.
Die Ansegelung von Port Los Angeles ist bei Tage sehr leicht, weil die
Luft dann gewöhnlich klar ist und bis Sonnenuntergang eine lebhafte Briese
herrscht. Das grofse Acadia - Hotel in Santa Monica mit einem Aussichtsthurm
in der Mitte des Gebäudes, welches etwa 3 Sm südöstlich von der Brücke sich
befindet, ist bei Tage eine sehr gute Landmarke. Bei Nacht ist es gewöhnlich
still bei unsichtiger Luft, schwere Nebelwolken hängen dann gewöhnlich über
dem Lande, und man hat häufig leichten Zug vom Lande her. Es brennt ein
Licht an dem äufsersten Ende der Brücke, welches 12 Sm weit sichtbar ist, ferner
ein rothes an der Nordwestecke und ein grünes Licht an der Südwestecke der
Brücke, welche etwa 2 Sm sichtbar und wohl hauptsächlich für die bei Nacht
anlaufenden Dampfer bestimmt sind. Guten Ankergrund findet man im Umkreise
von 2 Sm vom äufsersten Ende der Brücke in 8 bis 15 Faden (14,6 bis 27,4 m)
Wasser. Einen Lootsen hat man nicht nöthig. Der Schlepplohn ist verhältnifs-
mäßig billig. Ein kräftiger Schleppdampfer liegt beständig unter Dampf in der
Nähe der Brücke zur Assistenz von Schiffen, wenn nöthig. Die grofsen Kohlen-
bunker draufsen‘ auf der Nordseite der Werft fassen 10000 Tonnen Kohlen,
Segelschiffe können aus zwei Luken 600 Tonnen pro Tag dort löschen, Dampfer
1000 bis 1200 Tonnen. . Andere Ladungen werden an der Südseite gelöscht,
direkt in Eisenbahnwagen vermittelst Schiffstakel und Donkey am Lande. Das
Löschen ist sehr theuer, zwischen 50 und 70. Cents die Tonne, je nachdem,
\ Vgl. Heft VIL_ S. 275 ff., des laufenden Jahrganges. D. Red.