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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Einige Bemerkungen über Santos und die Quarantäneverhältnisse in Philadelphia, * 373 
der Küste ab- und -anzuliegen, - In .der Nacht .trat ein. heftiges Gewitter mit 
wolkenbruchartigem Regen ‚und starken Böen: aus SW auf. Am folgenden 
Morgen um 6 Uhr nahmen wir einen Schleppdampfer an, der das Schiff. nach 
der Rhede von Tybee schleppen sollte. Um 9 Uhr ‚morgens, auf der Lootsen- 
station, in Sicht der Aufsentonne des Savannah-Flusses, weigerte sich der Kapitän 
des Lootsendampfers, uns einen Lootsen. zu geben und veranlafste auch den 
Führer des Schleppers seine Arbeit einzustellen, weil nach seiner Aussage jedes 
von Santos kommende Schiff schon seit drei Jahren zunächst den 35 Sm südlicher 
yelegenen Quarantäneplatz am Sappelo-Sund anlaufen: müsse und es daher für 
uns am besten: sei, gleich dorthin zu schleppen. Hierzu konnte ich mich jedoch 
nicht verstehen, sondern ankerte. trotz des Abrathens des Lootsenkapitäns auf 
einer. Wassertiefe von 11m (6 Faden). Ich wollte zunächst versuchen, Order 
zu erhalten, wo wir zu laden. hätten. Als der Lootsendampfer sämmtliche ein- 
kommenden Schiffe mit Lootsen. versehen hatte, dampfte derselbe nach Tybee, um 
mir die gewünschte Nachricht zu besorgen, und um 8..Uhr abends. brachte er 
die Order, dafs „Ebenezer“ weiter nach Philadelphia bestimmt sei. Um 12 Uhr 
nachts -lichteten: wir: daber unsere Anker und traten die Reise dorthin an, Am 
21. Mai um 8% Uhr abends peilte das Feuer der Insel Fenwick Nord, . 3: Sm 
entfernt, und am folgenden Morgen ankerten wir auf.der Quarantänestation von 
Reedy-Eiland. Der Arzt. hierselbst. überzeugte sich zunächst. von. dem jetzigen 
gesunden Zustande der Schiffsbesatzung und erkundigte sich, unter Zuhülfenahme 
des Schiffstagebuches, nach der Art der an Bord vorgekommenen Erkrankungen 
und unter welchen Umständen der Tod des einen Mannes eingetreten sei. Hier- 
auf erklärte er mir, daß er wegen weiterer Verhaltungsmafsregeln an seine vor- 
gesetzte Behörde in Washington‘ zu telegraphiren habe. Um 1 Uhr nachmittags 
kam die Order von dort zurück, däfs „Wbenezer“ in Quarantäne zu legen habe. 
Hierauf wurden zunächst 100kg Schwefel im Unterraum des Schiffes angezündet 
and die 'Luken huftdicht verschlossen, welche am folgenden Mittage wieder 
geöffnet werden sollten. Ferner erfuhr ich von dem Arzte, dafs am Morgen des 
nächsten (dritten), Tages ein Leichter längsseits kommen. und unseren ganzen. 
Ballast im Betrage von 460 Tonnen einnehmen werde, worauf ich demselben 
jedoch begreiflich machte, dafs wir, um die Sicherheit des Schiffes nicht zu 
gefährden und. dasselbe gegen Kentern zu schützen, nur 300 Tonnen löschen 
könnten und den Rest vorläufig im Schiffe zu behalten hätten. Zur festgesetzten 
Zeit kam ‚der Leichter längsseits und um Mittag desselben Tages’ langte die 
Genehmigung an, vorläufig‘ 160 Tonnen Ballast, jedoch nur die gröfseren Steine, 
zurückzubehalten. Alles Uebrige, besonders auch die zerbröckelten Steine ünd der 
Staub, mufsten jetzt gelöscht werden. Am folgenden Mittag hatten wir mit Hülfe 
unseres „Donkeys“ die 300 Tonnen Ballast gelöscht, worauf am Morgen des 
28, das Schiff an.die Quarantänebrücke ‚gelegt wurde. Gleich darauf wurden 
in dem Quarantänesehuppen 350 kg Schwefel in Brand gesteckt, der Dampf.durch 
einen Gummischlauch in den Raum des Schiffes geleitet und darauf alle Luken sorg- 
fältig abgedichtet. Trotz der letzteren Maßfregel hatte sich gegen Abend so viel 
Stickluft in der Kajüte angesammelt, daß man keine zwei Minuten in derselben 
verweilen konnte. Auf meine Frage an den zweiten Arzt, woselbst die Steuer- 
leute und ich die Nacht zu schlafen hätten, wurde mir lächelnd die Antwort, 
daß wir ja unsere Betten auf der Grofsraa aufschlagen könnten. Dem. Lootsen, 
welchen man .nicht frei gehen lassen wollte und für den ich täglich 3 Doll. zu 
zahlen ‘hatte, ' wurde gestattet, im Schuppen zu schlafen. Die Steuerleute ‚und 
ich. mulsten . uns ‚ein Nachtlager auf Deck zurecht machen, ‚welches wir nach 
oben und den Seiten aber nicht einmal schützen konnten, da alle unsere Presenningen. 
zum Dichten der Luken verwendet waren, und das bei einer Temperatur von nur, 
12° C und einer frischen nördlichen Briese. Am Montag den 31, Mai um. 12 Uhr 
mittags wurden die Luken, nachdem sie 3'/ Tage geschlossen gewesen waren, 
wieder geöffnet, so dafs der Schwefeldunst$ sich verziehen konnte. Am folgenden 
Morgen wurde damit begonnen, jeden. einzelnen Stein der 160 Tonnen.Ballast, 
die wir noch“ im. Schiffe hatten, in eine Sublimatlösung zu tauchen und darauf 
gegen Abend die Weigern und Decke im Unterraum und Zwischendeck mit. der- 
selben Sublimatlösung‘ zu bespritzen. . Am nächsten Morgen mulfsten die Kleider 
and Betten der Offiziere, Tischtücher u, s. w. auf Leinen in der Kajüte auf- 
gehängt und die Sachen der Leute zum Desinfieiren an Land gebracht werden.
	        
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