372 Annalen: der Hydrographie und. Maritimen Meteorologie, September 1897,
bervorbringen. Besonders auffällig war, dafs am Abend des 25. während der
heftigsten Böe das Barometer plötzlich um 1,5 mm hoch gesprungen war. Am
Morgen des 26. drehte der Wind auf West und flaute im Laufe des Tages ab,
abends drehte er auf SW. W4
_ Dieges ausnahmsweise Auftreten von schlechtem Wetter am Ende des
Monats April hängt sehr wahrscheinlich mit der ungewöhnlichen Trockenheit im
Januar und Februar zusammen, die sonst die feuchtesteh Monate des Jahres sind. ')
In den letzten Tagen des April war dann das Wetter wieder gut, der
Passat kam aber erst nach Neumond am 1. Mai durch.
Einige Bemerkungen über Santos und die Quarantäneverhältnisse
in Philadelphia.
Von Kapt. A. SCHUMACHER, Führer des Vollschiffes „Ebenezer“,
Bei der Ansegelung von Santos findet man am Tage gewöhnlich in der
Nähe der Insel Moella Schleppdampfer, mit denen der Kapitän wegen des
Schlepplohnes scharf verhandeln mufs.. Für das Ein- und Ausschleppen des
„Ebenezer“, eines Schiffes von 1700 Registertonnen Größe mit einem Tiefgange
einkommend yon 24'/ Fufs englisch (7,4 m), hatte ich zusammen 40 Pfund Sterling
zu zahlen; wenn gleichzeitig mehrere Schleppdampfer draufßsen gewesen wären, hätte
ich wohl die Dienste eines derselben. billiger bekommen. In die Nähe. des Forts
gekommen,‘ hat man seinen Abgangshafen zu signalisiren, worauf vom Fort
angefragt wird,, ob sich ein reiner Gesundheitspafs an Bord befindet, Erst nach-
dem diese Frage bejahend beantwortet ist, kommt ein Lootse an Bord.
Die Zollgesetze werden scharf durchgeführt, namentlich wird die sogenannte
„Slopchest“ — der zum Verkauf an die Mannschaft bestimmte Vorrath: an
Kleidungsstücken und anderen Bedarfsartikeln — einer genauen Untersuchung
unterworfen, Der Kapitän thut daher wohl daran, jeden einzelnen Artikel dieses
Bestandes in das Manifest zu schreiben. ,
Schiffe, welche am Docas-Kai löschen, also Kohlen oder Stückgüter
bringen, haben grofse Kosten zu zahlen. Beispielsweise hatte ich für das Löschen
von 2434 Tonnen Steinkohlen an Krahn- und Lagergeld, sowie für 17 Liegetage
am Kai zusammen 9367 Mlrs. — 1 Mlr. mehr für die Tonne von 1000 kg als
im letzten Jahre — zu zahlen. Wenn man einen Platz am Kai erhält und
genügend Eisenbahnwagen verfügbar sind, dann geht das Löschen schnell,
„Ebenezer“ befand sich im Ganzen 26 Tage im Hafen von Santos,
Der Ballast (Steine) ist hier sehr theuer; im Jahre 1896 kostete derselbe
die Tonne 8 Mlrs., nebst !/2 Mlrs. Ausfuhrzoll, in diesem Jahre 1 Mir. weniger,
also im Ganzen 7!/@ Mlrs. Sandballast ist durchweg 1 bis 2 Mlrs, billiger, doch
getraut sich niemand, letzteren zu nehmen, wegen der grofsen Schwierigkeiten,
die einem dieserhalb im nächsten Ankunftshafen, wegen der Quarantäne- Vor-
schriften, bevorstehen, ; ;
Schiffe mit einem Tiefgange bis zu 22 Fufs (6,7 m) können zu jeder Zeit
am Kai liegen, tiefer gehende nur zur Springzeit. .
Der Gesundheitszustand war in Santos ein vorzüglicher; die Temperatur
der Luft im Hafen war durchschnittlich um 8 Uhr morgens 27,5°, um Mittag
28,7° und um 4 Uhr nachmittags 28,3° C. Bei der meistens lebhaften Seebriese
nahm die Lufttemperatur alsdann rasch ab. Wir konnten denn auch am
28. März 1897 den Hafen von Santos mit völlig gesunder Mannschaft verlassen;
allein schon nach einigen Tagen erkrankten fünf Mann der Besatzung am Fieber,
von denen einer am fünften Tage starb. Später erkrankten noch sechs andere
Leute, die aber sämmtlich wieder genasen.
Unser nächster Bestimmungshafen war Tybee für Order. Am 12. Mai 1897
zichteten wir um 8 Uhr abends, nach einer Reise von 45'/2 Tagen das Feuer
der Insel Tybee und machten kleine Segel, um bis zum nächsten Morgen unter
Vol. diese Annalen 1892, 8. 267, Absatz-4. D. Red.