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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

30,2 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1897, 
Nach den beiden Zusammenstellungen b. und e. war nördlich von den 
Laurel-Riffen der Wind während des Ostmonsuns hänfiger südlich als bei den 
Lima-Inseln, wo vornehmlich die Richtung SOzS vorherrschte. Während dieser 
Zeit des Jahres war es selten still und regnete wenig. Bei den Lima-Inseln 
begann die Kenterungszeit am 17. November. Oestliche Winde kamen zwar 
noch bis Ende November vor, waren aber von geringer Stärke. 
Die beobachteten Stromrichtungen wurden ebenfalls nach den vier Haupt- 
strichen geordnet und dann untersucht, ob in diesem Theile der Borneo. Bank 
Monsunströmungen vorkommen. Hierbei wurden die Strömungen, deren Richtung 
acht Striche und weniger als acht Striche mit der des Windes differirte, als nicht 
vom Winde verursacht angesehen. Ein Ergebnifs dieser Untersuchung war, dafs 
auf dem nördlichen Theile der Borneo-Bank während des Westmonsuns 17%, und 
während des Ostmonsuns 11% der beobachteten Stromrichtungen nicht von dem 
Winde bestimmt wurden. In der Nähe der Lima-Inseln war dies während der 
Kenterungszeit mit 30% der Fall. Man kann daher auch mit ziemlicher Sicher- 
heit annehmen, dafs die Richtung des Stromes in der Hauptsache sehr wahr- 
scheinlich durch die des Windes bestimmt ist, wenn dieser während einiger Zeit 
kräftig aus demselben Hauptstriche durchsteht. Wird es dann still oder flaut 
der Wind merklich ab, so hat man für höchstens einen Tag wenig oder keinen 
Strom und hierauf einen gegen den Monsun laufenden, mehrfach sehr kräftigen 
Strom zu erwarten, der offenbar das gestörte Gleichgewicht wieder herzustellen 
trachtet. 
Die Gezeitenströmungen machen sich dann nur durch eine Zu- oder Ab- 
nahme der Stromgeschwindigkeit bemerkbar. Bleibt es aber einige Zeit still 
oder während der Kenterungszeit, so treten sie in den Vordergrund. 
Ferner wurde auf der Borneo-Bank wie ja auch in anderen Meerestheilen 
bemerkt, dafs grofse Tiefenunterschiede beträchtliche Abweichungen in der Rich- 
tung und Stärke des Hauptstromes verursachen, was zwar bekannt ist, aber viel- 
leicht unterschätzt wird. Die Anzahl der zum Beweisen dieser Erscheinung 
erforderlichen Beobachtungen war nicht genügend, da der Strom auf wenigstens 
zwei Stellen, die nahe beieinander, aber auf beträchtlich voneinander differirenden 
Tiefen liegen, gleichzeitig gemessen werden mufß. Es kam jedoch während des 
Lothens mehrmals vor, dafß diese Erscheinung mit Bestimmtheit konstatirt werden 
konnte. So wurde z. B. auf dem Ostrande des nördlichen Theiles der Bank, 
als die „Banda“ dort auf 30,6 m (17 vm) vor Anker lag, ein südöstlicher und zu 
gleicher Zeit innerhalb des Bankrandes auf 54 m (30 vm) und 72 m (40 vm) Tiefe 
ein schwacher nordwestlicher Strom wahrgenommen. Strombeobachtungen dicht 
bei trockenfallenden Riffen sind ohne Werth, und auch auf nicht trockenfallenden 
Riffen werden Stromrichtungs-Abweichungen von vier und mehr Strichen bemerkt, 
wenn die Tiefenunterschiede in der Umgebung dieser Riffe beträchtlich sind, 
Man kann demnach auch mit ziemlich grofser Sicherheit die Behauptung 
aussprechen, dafs die auf der Borneo-Bank ausgeführten Beobachtungen nur in 
sehr beschränktem Sinne einen Mafsstab für den Lauf der Strömungen im tiefen 
Theile der Makassar-Strafse sind. Bodenerhebungen und Tiefenverhältnisse auf 
dieser Bank sind zum grofsen Theile sehr verschieden und verursachen lokale 
Richtungs- und Geschwindigkeitsabweichungen des Hauptstromes, die mehr oder 
weniger beträchtlich sind, je mehr oder je weniger Untiefen, Rücken oder 
Klippen angetroffen werden. So wird wahrscheinlich die Geschwindigkeit des 
zwischen Celebes und dem Ostrande der Bank nach Süd laufenden Stromes durch 
den Rücken des Bankrandes merklich beschleunigt. Da, wo der Rand der Bank 
sich nach WSW hinzieht, werden auf der Bank kräftigere Strömungen angetroffen 
als aufserhalb derselben. 
Bei den Lima-Inseln war die Hauptrichtung des Stromes zur Zeit des 
Ostmonsuns WNW, während östlich davon im tiefen Theile der Makassar-Strafse 
der Strom zu dieser Zeit vermuthlich nicht nur nördlicher ist. sondern auch süd- 
liche Strömungen häufiger vorkommen. 
Es folgt hier eine kurze Uebersicht der beobachteten Stromrichtungen. 
Sie sind so viel als möglich, sowohl nach dem Einflusse, den die Bodengestaltung 
der Bank haben dürfte, als auch nach dem während der Beobachtungen herrschenden 
Monsun zusammengestellt. Die Beobachtungen, welche aus den weiter oben an- 
gegebenen Gründen als werthlos erachtet wurden, sind weggelassen.
	        
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