Schott: Monthly current charts for the Atlantic ocean,
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nach Südosten, während andererseits bei südlichen Winden im Winter auf dieser
selben Theilstrecke das Wasser zeitweise nach Nordwesten fliefst (siehe August-,
Oktober-, Novemberkarten). Man mufs also sagen:
1: Auf der nördlichen Hälfte von 15° N-Br bis Sierra Leone (8° N-Br)
ist ein von dem allgemeinen halbjährlichen Wechsel des Windsystems abhängiger
vegelmälsiger Stromwechsel zwischen Nordwest- und Südostrichtung vorhanden.
2. Dieser Wechsel ist im Grunde auch für die südliche Hälfte (8° N-Br
bis Kap Palmas) gültig, wird hier aber sehr häufig und oft überdeckt und ab-
gelöst von Triften, welche den im einzelnen Falle auftretenden Windrichtungen
sich anpassen.
IL Im Gebiet des Südatlantischen Ozeans beachte man:
1. dafs unter der brasilianischen Küste nördlich von 20° $S-Br bis nach
Pernambuco (aber auch nur auf dieser Strecke!) der regelmäfsige Stromwechsel,
welcher schon mehrfach in Reiseberichten behandelt und auch durch ‚eine plan-
mäßige Verarbeitung zahlreicher Flaschenposten gesichert worden ist, auf den
englischen Stromkarten ebenfalls in genau gleicher Weise zu Tage tritt, so dafs
man jetzt die einschlägigen Verhältnisse sicher kennt. In den Monaten März
bis September mufs man hier also ziemlich bestimmt auf den oft recht kräftigen
nördlichen Neerstrom rechnen, wenn man sich nicht weiter als etwa 40 bis 50 Sm
vom Lande hält,. in den Monaten Oktober bis Februar‘ ist bei jetzt meist sehr
östlichem Passate dieser nördliche Küstenstrom nicht vorhanden, das Wasser
setzt nun vielmehr in seiner Gesammtheit nach Südwesten;
2... dafs in der grofsen, von Kap Frio bis Santa Catharina (27° S-Br) sich
erstreckenden Meeresbucht, in deren innerem Theile Santos liegt, Gegenströme
nach Norden und Nordosten fast niemals vorkommen, obwohl manche Strom-
karten gerade hier solche Neerströme angeben; das Wasser setzt vielmehr auch
hier allgemein nach Südwesten zum Lande hin;.
3. dafs die von deutscher Seite zuerst nachgewiesene Falklandströmung
nunmehr für alle Monate durch die neue Darstellung gesichert ist. In dem
Gebiete zwischen Staaten Island, den Falklands-Inseln und der Ostküste Patagoniens
hat also das von Süden stammende und daher kühle Wasser die vorherrschende
Richtung näch Norden und Nordosten — was alle älteren Kartenwerke nicht
zeigen —; nur in den grofsen, an der patagonischen Küste sich mehrfach wieder-
holenden Buchten sind, soweit nicht Gezeitenbewegungen gespürt worden sind,
Gegenströme nach Süden, zumal zur Zeit des südhemisphärischen Winters, konstatirt,
jedoch ist dann weiter seewärts immer noch die eigentliche Strömung nach Nord-
osten vorhanden, welche übrigens bei 40° S-Br schon undeutlicher wird uud wohl
in dem dann ziemlich allgemeinen Zuge des Wassers nach Osten aufgeht.
Der englische Stromatlas giebt auch bereits eine Darstellung der Wasser-
bewegungen im östlichsten Theile des Südlichen Stillen Ozeans, nämlich für die
Gewässer der Westküste Süd- und Centralamerikas bis zum 100. Meridian v. Gr.;
es wird, wenn erst der gesammte Stille Ozean in Ähnlicher Weise wie der
Indische und Atlantische Ozean seitens des englischen hydrographischen Amtes
behandelt sein wird, der Zeitpunkt gegeben sein, die Karten auch dieses Ozeans
zu besprechen, um so mehr, weil die Deutsche Seewarte 1896 auf Grund der
deutschen Originalbeobachtungen zwei Stromkarten dieses gröfsten: aller Meere
veröffentlicht hat, und über die äquatorialen Gegenden noch aufserdem eine auf
demselben Material aufgebaute Specialstudie von Dr. C. Puls vorliegt.') Eine
Bemerkung sei aber jetzt schon nicht unterdrückt, sie bezieht sich auf die
Wasserbewegungen in der Meeresgegend zwischen der Küste von Columbien—
Costarica einerseits und den Galapagos - Inseln andererseits. Hier hat nämlich
die Darstellung der Seewarte,?) welche sich den Ergebnissen der Pulsschen
Studien anschliefsen konnte, den Widerspruch Prof. Krümmels insofern erfahren,*)
als Krümmel meint, dafs auch im Sommer, zur Zeit des Südwestmonsuns, eine
Theilung des äquatorialen Gegenstromes vor der Küste Centralamerikas eintreten
müsse, und man daher in jener oben angegebenen Meeresgegend südliche und
” S. „Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte“, Jahrg. XVIII, No. 1. Hamburg 1895,
?) S. „Atlas des Stillen Ozeans“, Hamburg 1896. Taf. 4.
3 S. „Peterm. Mittheil.“ 1896, S. 137 u. 138.