350 Annalen der Hydrographie und’ Maritimen Meteorologie, August 1897.
westen treibt. Eine wirkliche Küstenströmung hat man erst südlich von Kap
Hatteras zu erwarten, und zwar besieht sie daselbst aus umkehrendem Wasser
des Golfstromes selbst.
b) Nennenswerthe jahreszeitliche Schwankungen der Achse und der linken
nördlichen) Kante des Golfstromes sind nicht vorhanden.
c) Auf der rechten (südlichen) Strumseite sind Neerströme nach Süd-
westen sehr häufig; sie erstrecken sich bis nach den Bermuda - Inseln (worauf
übrigens auch Flaschenposten schon schliefsen ließen), sind natürlich auch nicht
stetig und oft durch Nordoststrom ersetzt,
a) Oestlich von ungefähr 40° W-Lg auf der Route von New York nach
dem Englischen Kanal ist die Golfströmung schon so schwach und unregelmälfsig,
dafs ihre Bedeutung wenigstens für die Navigation einem Minimum sich nähert.
4. Unter den Ausläufern des Golfstromes ist erstens die Strom-
bewegung in der Biscaya-See zu nennen. Hier finden wir jetzt die Rennellströmung
getilgt; über dem flachen östlichen Theil dieser See und auch auf den „Gründen
vor dem Kanal“ giebt der neue Atlas mit Recht für keinen Monat eine vor-
herrschende Bewegungsrichtung an, weil eine solche eben fehlt; über dem tiefen
westlichen Theil dagegen sind östliche und südöstliche Versetzungen eingezeichnet,
welche aber zeitweise (z. B. im Juni) unter der spanischen Küste nach Kap
Finisterre hin in südwestliche Richtungen übergehen. Auch für diese Fälle
baben wir übrigens eine Anzahl Beweise durch die Triften von Flaschenposten.
Sowie wir auf einer Reise nach Süden Kap Finisterre passirt haben,
gelangen wir in das Bereich des zweiten Zweiges der Golfströmung, der
schließlich zur Kanarienströmung wird. Diese nach Süden setzende Trift tritt
auf den hier besprochenen Karten ganz ungemein stark hervor; sie ist auf der
europäisch - afrikanischen Seite von 50° N-Br bis 10° N-Br ununterbrochen ver-
(olgbar, ja in manchen Monaten bis 5° N-Br, und die Strompfeile sind sehr dicht
yesetzt, so daß der Eindruck einer aufserordentlich stetigen Strömung hervor-
gerufen wird, was sie doch ganz und gar nicht ist. Auf den meisten Tafeln sieht
es so aus, als ob diese Kanarienströmung ganz beträchtlich mächtiger und
stetiger sei als der Golfstrom auf gleicher geographischer Breite!
Eine solche Darstellung aber hätte doch wohl vermieden werden müssen;
verursacht ist sie offenbar ganz unwillkürlich durch den Umstand, dafs auf der
Route vom Kanal nach dem Aequator ein sehr vie! reichhaltigeres Beobachtungs-
material vorhanden war als für die amerikanische Seite, zumal südlich von New
York. Es liegt überhaupt ein manchmal sehr störender Uebelstand in dem
stellenweise zu streng durchgeführten Princip, da, wo wenig oder keine Beob-
achtungen vorhanden sind, einfach einen weißen Fleck zu lassen, einerlei, ob
diese Stelle z. B. mitten im Aequatorialstrom sich befindet, wo doch ohne jeden
Zweifel die Lücke auszufüllen gewesen wäre (siehe z. B. Oktoberkarte!), oder
ob die Stelle einem wirklich schwach oder nicht bewegten Gebiet zugehört. Da
die eingetragenen Strömungen doch schon „generalisirt“ sind, und nicht das
gesammte Rohmaterial wiedergegeben ist, so hätte nach unserer Meinung
unbedingt auch die relative Stetigkeit der Strömungen zum Ausdruck gebracht
werden müssen. Denjenigen, der nicht schon durch andere Quellen orientirt
ist, können daher die englischen Karten in dieser Hinsicht leicht zu einem
Irrthum führen.
Interessant ist speciell die Bewegung der Gewässer an der Küste von
Kap Verde bis Kap Palmas. In Uebereinstimmung mit den Untersuchungs-
ergebnissen des Niederländischen Meteorologischen Instituts!) zeigt es sich, dafs
vom Dezember bis Mai unter Land und auch uoch in einem Abstande bis reichlich
100 Sm der Strom nach Süden und Südosten setzt, als Folge des um diese
Jahreszeit durchstehenden Nordost- und Nordpassates; während der Zeit vom
Juni bis in den November herrschen aber, Bewegungen nach Nordwesten dicht
an der Küste, nach Norden und Nordosten iu einem gröfseren Abstande von
der Küste vor, im Anschlufs an die südlichen und südwestlichen Winde dieser
Saison. Ist dieser Südwestinonsun schr westlich, d. h. weht er aus WSW oder
gar aus West, dann setzt auch im Sommer zwischen Sierra Leone und Kap
Palmas, also auf der südlichen Theilstrecke dieses Küstenstriches, das Wasser
S, „De Guinea- en Aequatoriaal Stroomen“, Utrecht 1895,