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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1897, 
giebt 330. Beiden Arten von Kombinationstönen entsprechen nun auch Kom- 
binationsfluthwellen, die George Darwin, als er sie auffand, vorschlug, Helm- 
holtzsche Fluthen (Helmholtz compound tides) zu nennen. KEinige unter diesen 
Kombinationsfluthen kommen in den meisten Fluthkurven des flachen Wassers 
vor, und mehrere darunter haben mit gewissen kosmischen Fluthen dieselbe Periode 
gemein: sie dienen dann dazu, diese sehr merklich hervortreten zu lassen und 
den Fluthkurven ein recht unregelmäfsiges Aussehen zu verleihen. Oberfluthen 
und Kombinationsfluthen sind immer Erscheinungen des flachen Wassers, sind also 
nur in Gebieten zu erwarten, wo die Fluthhöhen im Vergleich zur gegebenen 
Wassertiefe nicht mehr klein genannt werden können: das entspricht genau dem 
von Helmholtz für die Tonwellen gegebenen Satz, dafs z. B. die Kombinations- 
töne nur dann auftreten, wenn die Schwingungen der Luft nicht mehr als unend- 
lich klein betrachtet werden dürfen. 
Haben so diese englischen und deutschen Nachfolger Airys seine Lehre 
mit ersichtlichem Erfolg weiter ausgebaut, so waren sie, wie auch Andere da- 
neben, häufig genug in der Lage, die volle Gültigkeit der älteren, schon von 
Airpy selbst für gewisse gegebene Fälle aufgestellten Formeln zu erprohen. Airys 
Kanaltheorie pafst sich naturgemäfs den Flutherscheinungen in schmalen Buchten 
oder Flußfsmündungen besonders gut an. Nach seinen aus der Wellentheorie ab- 
geleiteten Formeln ergiebt sich, dafs die Fluthgröfse bei einer Veränderung der 
Wassertiefe sich verhält umgekehrt proportional der vierten Wurzel aus der 
Wassertiefe, und bei einer Aenderung der horizontalen Breite des Beckens um- 
gekehrt proportional zur Quadratwurzel aus der Breite. Setzen wir folgendes 
der Natur entnommene Beispiel. Eine gewisse trichterförmige Bucht hat an ihrer 
Mündung gegen die offene See eine Fluthgröfse von 3 m, eine Wassertiefe bei 
Mittelwasser von 37 m und eine horizontale Breite von 22 Sm. Am inneren Ende 
derselben Bucht hat die Tiefe (bei Mittelwasser) abgenommen auf 19 m oder '/2, 
die horizontale Breite auf 6 Sm oder rund '/4 der anfänglichen. Die Berechnung 
ergiebt die Fluthgröfßse 
3 3 5 
h 3 +7 Ti 12,5 m, 
was den Beobachtungen entspricht, denn es handelt sich hier um den Bristol- 
Golf zwischen Ilfracombe und Clevedon. In ähnlicher Weise lassen sich die 
Rechnungen auch für die Bucht von St. Michel oder die Fundy-Bai durchführen, 
und überall besteht eine sehr befriedigende Uebereinstimmung zwischen Theorie 
und Erfahrung, 
Ist durch diese Arbeiten Airys und seiner Nachfolger auch eine Fülle 
der auffälligsten Eigenschaften der irdischen Fluthwellen dem wissenschaftlichen 
Verständnis näher gebracht worden, so bleibt doch noch immer gar Vieles übrig, 
was der Aufklärung harrt. Und so will ich zum Schlusse noch auf eine Gruppe 
von Erscheinungen hinweisen, die in der zukünftigen Diskussion eine Rolle zu 
spielen bestimmt ist. 
Als Grundlage für die modernen Untersuchungen der Gezeiten werden all- 
gemein die Aufzeichnungen automatisch die Wasserstände registrirender Pegel 
benutzt. Man erhält so eine lückenlos zusammenhängende Fluthkurve, nicht wie 
früher, aus etwa einstündigen Pegelablesungen, nur eine Reihe von Punkten, Je 
mehr solcher Fluthkurven von den verschiedensten Orten zum Vorschein kommen, 
desto häufiger treten auf ihnen gauz eigenthümliche Kräuselungen hervor, die 
sich als kleine Wellen von kurzer Periode (von 5 bis 90 Minuten) zu den grofsen 
Fluthwellen hinzuaddiren, die aber mit dem Seegang, der höchstens 12 bis 
15 Sekunden Periode erreichen kann, nicht zu verwechseln sind. Sie sind am 
frühesten von Aime aus Alger und von Airy aus Malta beschrieben worden: in 
Malta haben sie bei einer Periode von 21 Minuten Höhen bis zu 30 cm und 
übertreffen damit die eigentliche Gezeitenwelle. Von den italienischen Küsten 
hat Grablovitz sie kürzlich im Golf von Neapel und bei Livorno beschrieben 
als eine ganz ständige, wohl entwickelte Erscheinung, während sie in Fiume, 
Pola und Triest nur während der Borastürme aufzutreten scheinen, Reichlich 
bei jedem Wetter, auch dem ruhigsten, kommen sie wieder in den griechischen 
Gewässern vor. Ich verdanke der Freundlichkeit des als Oceanographen aus- 
gezeichneten russischen Admirals Makaroff Kopien von Fluthkurven aus Isthmia
	        
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