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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Der Raratonga-Orkan vom 10. und 11, Februar 1897. 
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zu 10 bis 15 Knoten an, so würden sich als kürzeste Entfernungen des Beob- 
achters von der Bahn rund 75 oder 115 Sm — als Sehätzung — ergeben. 
Der Barometerfall war für die Breite ziemlich stark; das Mittel ist in 
dieser Jahreszeit 761 mm, der tiefste beobachtete Stand. 746, wobei die Möglichkeit 
vorliegt, dafs der Stand vor oder nach 9"p am 11. Februar noch niedriger war. 
Der stärkste Regen trat vor dem Vorübergange bei Nordostwind auf, die 
höchste Windstärke, nach den Bemerkungen zu urtheilen, ebenfalls vorher, am 10, 
Die Luftwärme war etwas niedriger nachher. ; 
Im Segelhandbuch des Stillen Oceans wird Raratonga in Verbindung mit 
Orkanen mehrere Male erwähnt, so Seite 232, No. 6, 1831, 21. bis 23. Dezember. 
Eine Orkanwelle von 10 Fufs Höhe richtet viel Schaden an. — No. 22, 1845, 
16. Januar. — No 24, 1846, 16. bis 18. März. Das Barometer fiel bis auf 
704 mm; ein Küstenfahrer wurde durch die Orkanwelle über die Kronen der 
Kokospalmen gehoben und aufs Trockene gesetzt. — No. 48, 1865, 25. Januar 
bis 3. Februar. Das Barometer fiel an Bord der „Lalla Rookh“ bei Raratonga 
auf 747 mm. — Aufserdem gingen mehrere andere Orkane in der Nähe der Insel- 
gruppe vorbei. 
Nach den bisher bekannt gewordenen Berichten, nur wenigen an der Zahl, 
scheinen Orkane bei Raratonga aufserordentlich selten zu sein; weiter westlich 
sind sie häufiger, weiter östlich noch seltener als bei Raratonga. E. K. 
Ueber Gezeitenwellen. 
Von Professor Dr. OTTO KRÜMMEL in Kiel. 
(Rektoratsrede. )!) 
Die Erscheinung der Gezeiten oder, wie man sie im Binnenlande häufiger 
nennt, der Ebbe und Fluth, besteht bekanntlich in einem zweimal täglich er- 
folgenden Auf- und Abschwellen des Wasserstandes an den Meeresküsten. Die 
Periode dieser Schwellungen beträgt etwa 12!/2 Stunden, so dafs also auf das 
erste Hochwasser nach 6*/4 Stunden das erste Niedrigwasser, dann nach wieder 
6!/s Stunden das zweite Hochwasser folgt, und so fort. Die Höhen dieser beiden 
Hochwasser eines Tages sind an den meisten Küstenorten nicht gleich; bald ist 
das Tageshochwasser, bald das der Nacht höher. Ferner ist bekannt, dafs die 
Gröfse des Fluthwechsels, d.h. der Unterschied des Wasserstandes zwischen 
Hoch- und Niedrigwasser, ebenfalls regelmäfsig ab- und zunimmt und zwar in 
einer Periode von 14 Tagen, und dafs danach an den Küsten die Springfluthen 
von den tauben Fluthen unterschieden werden. In Helgoland z. B. sind diese 
Springfluthen mit 2,8 m um einen vollen Meter höher als die tauben Fluthen, die 
es nur auf 1,8 m bringen. Dafs sich der Eintritt dieser Fluthen von Tag zu 
Tag wesentlich nach der Stellung des Mondes am Himmel richtet, haben schon 
die Alten gewufßt. Aber erst Newton hat in der gegenseitigen Anziehung 
zwischen Erde und Mond sowohl, wie zwischen Erde und Sonne, die Kräfte er- 
kannt, denen die Erzeugung von Ebbe und Fluth zuzuschreiben ist. Er zeigte, 
wie durch die Anziehung des Mondes und ebenso der Sonne je zwei um den 
halben Erdumfang auseinander stehende Wellen erzeugt werden, deren Kämme 
zur Zeit des Vollmonds oder Neumonds zusammenfallen und so die Springfluthen 
bilden, während die tauben Fluthen dadurch entstehen, dafs ein Wellenberg der 
Sonnenfluth mit dem Wellenthal der Mondfluth, oder umgekehrt, zusammenfällt, 
was zur Zeit der Quadraturen der Fall ist. Ebenso zeigte Newton, wie der 
Unterschied der beiden Hochwasser eines Tages von der Deklination, d.h. dem 
Bogenabstand des Mondes oder der Sonne vom Himmelsäquator, abhängt. 
Der grofse Erfolg Newtons regte im Jahre 1738 die Pariser Akademie 
der Wissenschaften an, eine Preisaufgabe auszuschreiben, wonach für eine be- 
liebige Zahl von Orten in einem seinen Dimensionen nach gegebenen Ocean die 
Flutherscheinungen lediglich durch Rechnung bestimmt werden sollten: eine Auf- 
abe, die damals nicht gelöst wurde, wie sie bis auf den heutigen Tag ungelöst 
1) Mit Genehmigung des Herrn Verfassers abgedruckt. 
Ann. d. Hydr. ete., 1897, Heft VIII.
	        
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