accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Köppen: Schätzungen der Windstärke auf Segelschiffen vor und bei dem Winde, 335 
im Sommer. 30,0). Der Unterschied nach- den Jahreszeiten ist‘ also verschwindend, 
derjenige nach der Segelstellung dagegen‘ gewinnt Bedeutung, wenn man ‚das 
Folgende überlegt. . Sa | 
Da es sich bei "den oben benutzten „Durchstechern durch den Passat“ 
stets um ein Segeln mit viel Seeraum und mit dem Wunsche nach schneller 
Fahrt handelt, so ist das „beim Winde“ stets als „gut voll und bei“ und nicht 
„dicht beim Winde“ zu verstehen. In dieser Stellung macht aber, so lange der 
Wind mäfsig weht, der Durchschnitt aller hier in Betracht kommenden Schiffe 
bei demselben .Winde entschieden nicht weniger, sondern .mehr Fahrt als platt 
vor dem Winde; bei den modernen Viermastern ist der Unterschied ganz be- 
deutend. Wenn also trotzdem auf 1° geschätzter Windstärke vor dem Winde 
durchschnittlich 33, . beim Winde nur 30 Sm kommen oder, was dasselbe. ist, 
eine Fahrt von 120 Sm im Etmal vor dem Winde 3,6, beim Winde 4,0 Beaufort 
entspricht, so kann dieses nur daran liegen, dafs. die Windstärke vor dem Winde 
durchschnittlich um mindestens so viel zu niedrig geschätzt wird. Warum: dieses 
Verhältnifs auf der Route vom Kap zur Linie ganz besonders ‚ausgeprägt ist, 
dafür fehlt eine ausreichende Erklärung. Viel eher sollte man erwarten, ‚dafs 
auf der Fahrt vom Kanal zur Linie, wo die Schiffe noch reinen Boden haben 
und auch keine grofse Dünung hindert, der Fortgang für gleiche geschätzte 
Stärke besonders günstig sei; das ist aber durchaus nicht der Fall. 
Schätzungen der Windstärke, die beim Segeln platt vor dem 
Winde gemacht sind, müssen, dem Obigen zufolge, im Passat um durch- 
schnittlich einen halben Grad der Beaufort-Skala erhöht werden. 
Um dieselbe Größe waren wir schon: bei Bearbeitung des Atlas vom Indischen 
Ozean genöthigt, die Schätzungen der vor den „braven Westwinden“ im Süden 
des Indischen Ozeans nach Osten laufenden Schiffe zu erhöhen, um sie mit den 
großen Geschwindigkeiten der Letzteren in Einklang zu setzen. Wie sich diese 
Korrektionsgröfse bei verschiedener Stärke und Beständigkeit des Windes ver- 
hält, darüber fehlen. noch alle näheren Anhaltspunkte. ; 
Eine gesegelte Distanz. von 120 Sm im Ktmal, wie wir sie als der Wind- 
stärke 4 entsprechend gefunden haben, bedeutet eine mittlere Geschwindigkeit 
des Schiffes von 2,6 m in der Sekunde, Der Stärke 4 der Beaufort-Skala 
entspricht aber nach.den umfassenden vorhandenen Vergleichungen eine wahre 
Windgeschwindigkeit von durchschnittlich 7,1 m in der Sekunde, Die. Geschwin- 
digkeit des Schiffes beträgt also durchschnittlich beim Winde 37° von jener 
des Windes und vor dem Winde ungefähr ebensoviel, wenn man den fest- 
gestellten Schätzungsfehler berichtigt. Ein Anemömeter kann also, in freiester 
Aufstellung, auf einem vor dem Winde segelnden Schiff noch nicht ?/s der 
wirklichen Windgeschwindigkeit. ergeben. Bei der Schätzung wird dieser Fehler 
durch eine Reihe mehr oder weniger bewufster Ueberlegungen aufgehoben, 
jedoch nicht ganz; es bleibt ein Rest davon in der Gröfse von etwa !/a:4 oder 
Vs der Windstärke nach, um den die Letztere vor dem Winde segelnd unter- 
schätzt‘ wird und der durch Korrektion nachträglich auszumerzen ist. In den 
Windkarten des Indischen Ozeans ist dieses, wie erwähnt, für die höheren süd- 
lichen Breiten schon geschehen, in niederen Breiten ‚spielen in. diesem Ozean 
Fahrten platt vor dem Winde keine erhebliche Rolle. In den neuen Wind- 
karten des Atlantischen Ozeans, die in Vorbereitung begriffen sind, wird diese 
Korrektion durchweg berücksichtigt sein. Dagegen ist sie auf den Windkarten 
des Stillen Ozeans noch anzubringen, und erhöhen sich durch sie die Wind- 
stärken auf dem Wege vom Kap Horn zur Linie nördlich von 30° S-Br um 
Ih Beaufort-Grad. 
Da nach Maury, Chabannes u. A. die Fahrt des Schiffes bei Back- 
stagswind oder mit raumer Schoote 25 bis 50° gröfser ist als vor. dem Winde, 
so mülste man erwarten, dafs in diesen Segelstellungen‘ bei mäßigen Winden 
etwa 40 Sm auf einen. Grad Beaufort kommen. Die Erfahrung an den Durch- 
schnittswerthen langer Reisen bestätigt dies nicht. Die Segeldistanz im. KEtmal 
verhält sich zur Windstärke zZ. B. bei der Fahrt von den nordamerikanischen 
Häfen zur Linie durch den Nordostpassat wie 147 : 4,4 im Winter und wie 
141:4,3 im Sommer, was beides nur 33 Sm auf 1° gleichkommt; dieselben 
Gröfsen verhalten sich im Südostpassat des Indischen Ozeans auf der Hinfahrt 
(im Sommer) zwischen 30° und 10° S-Br bei deutschen Schiffen wie 150 : 4,1
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.