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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1897.
Observatorien angekauft wurden, waren die Bestände der Fabrikanten an älteren
Instrumenten bei Beginn der. 20, Prüfung ziemlich erschöpft; es ist deshalb
zur diesmaligen Prüfung eine ungewöhnlich grofse Zahl ziemlich neuer Chrono-
meter eingesandt worden.
Als ein in Bezug auf die Kompensation vortrefflich regulirtes Instrument
kann das Chronometer Ehrlich No. 622 bezeichnet werden;-sieht man von der
Acceleration ab, so ist die charakteristische Zahl für dieses Instrument A + 2 B
=— 0,63, ein sehr geringer Betrag, welcher in früheren Konkurrenz-Prüfungen
niemals erreicht worden ist, Die drei besten bis dahin untersuchten Chrono-
meter waren:
W.G. Ehrlich No. 531 (A +2 B = 0,77; 14. Prüfung, Klasse I, No. 1),
W, Bröcking No. 1247 (A -+ 2 B == 0,87‘; 18. Prüfung, Klasse II, No. 1),
W. Bröcking No. 1252 (A + 2 B = 1,04°; 19. Prüfung, Klasse IV, No. 1).
Das oben genannte Chronometer sowie die beiden übrigen Instrumente
des Herrn Ehrlich, welche dieses Mal in die erste Klasse gelangt sind (No. 801
und No. 682), waren bereits an der. 19. Konkurrenz-Prüfung betheiligt; alle drei
Chronometer gehörten damals der dritten Klasse an.
Unmittelbar nach Schlufs der Prüfung wurden die Chronometer wie in
den früheren Jahren durch eine Kommission in Hamburg-Altona etablirter Chrono-
meter-Fabrikanten, im Beisein der Beamten des Instituts, einer Untersuchung auf
ihren gegenwärtigen Zustand unterzogen. Die Sachverständigen sprachen ihre
Ansicht dahin aus, dafs bei sämmtlichen Chronometern weder an den Unruhen
noch an den Spiralen Rostspuren zu bemerken seien. Nur bei einigen Uhren zeigte
sich eine geringfügige Trübung in der Färbung des Oels.
Die ausgesetzten Prämien wurden zuerkannt:
dem Chronometer W.G. Ehrlich No. 622 die erste Prämie im Betrage von M. 700,
W.G. Ehrlich No. 801 „ zweite „ M.600,
W. Bröcking No.1285 „ dritte „ M.500,
W.Bröcking No.1288 „ vierte „ »„ M.400,
W.G. Ehrlich No. 682 „ fünfte „ „ M.300,
A. Kittel No. 130 „ sechste „ „ M.300-
Hamburg, den 15. Juni 1897.
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Prof. Georg Rümker,
Direktor der Sternwarte und Vorstand
der Abtheilung IV der Seewarte.
Berechnung der Temperatur-Koefficienten für die während der
20. Konkurrenz-Prüfung (1896/97) untersuchten Chronometer.
Von Dr. C. STECHERT, Assistent der IV. Abtheilung der Deutschen Seewarte.
Bei der Ableitung der Temperatur-Koefficienten derjenigen Chronometer,
welche während der 20. Konkurrenz-Prüfung in der Abtheilung LV der Seewarte
bei den Temperaturen von + 5° bis + 30° untersucht worden sind, wurde die
gebräuchliche Gangformel
g= go + a(t— 15°C) + b(t— 15°C)
zu Grunde gelegt. Die numerische Rechnung wurde unter strenger Anwendung
der Methode der kleinsten Quadrate und unter Benntzung der im Jahrgang 1895
dieser Annalen (Seite 388) mitgetheilten Abkürzungen durchgeführt. Die
dort definirten, für sämmtliche Chronometer der Prüfung geltenden Gröfsen A
und B wurden zur Kontrole in zweifacher Weise, erstens durch direkte Auf-
lösung der Normalgleichungen und zweitens mit Hülfe von Differentialformeln,
abgeleitet. Beide Rechnungen lieferten übereinstimmend die folgenden Werthe:
Ay = + 0,0099 B, = —0,00417
Az = + 0,0092 Ba = —0,00635
Ay = — 0,0021 B, = —0,00635
As = — 0,0282 Bi = — 0,00438
Ar = — 0,0579 BB. = + 0,00008