accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Konkurrenz-Prüfung von Marine-Chronometern im Winter 1896—97. 329 
gleichen Temperatur-Dekaden gehörigen täglichen Gänge paarweise zu: einem 
Mittelwerthe zusammenzufassen (siehe Kolumne VI). Es ist dann die gröfste 
vorkommende Differenz der so gefundenen Mittelwerthe gleich A zu. setzen. 
Bezeichnet ferner B‘ die gröfste Differenz der täglichen Gänge von zwei auf- 
einander folgenden Dekaden, z die Differenz der Temperatur dieser beiden Zeit- 
abschnitte und T die Differenz der höchsten und niedrigsten überhaupt während 
der Prüfung vorgekommenen Dekaden-Temperatur, so. ist B=B' — wobei auf 
eine etwaige Verschiedenheit in den Vorzeichen von A und’ B‘ keine Rücksicht 
genommen wird. 
C oder den zehnfachen Werth der mittleren täglichen Acceleration erhält man, 
indem man die Gangdifferenzen von je zwei zur Mitte der Untersuchungszeit sym- 
metrisch gelegenen Dekaden gleicher Temperatur bildet, dieselben durch die Anzahl 
der zwischen der Mitte beider Zeitabschnitte liegenden "Tage dividirt und aus den so 
erhaltenen Zahlen das Mittel nimmt. Um einen von zufälligen Gangunregel- 
mäfsigkeiten möglichst unabhängigen Werth der Acceleration zu gewinnen, sind 
hierbei nur diejenigen Gänge verwerthet worden, die während der zwei äufsersten 
Paare von Zeitabschnitten erhalten wurden. Die Beeinflussung durch zufällige 
Gangunregelmäfsigkeiten gestaltet sich dadurch am geringsten, da ‚dann der oben 
genannte Divisor einen verhältnilsmäfsig grofsen Werth annimmt. — In den 
einzelnen Klassen werden die Chronometer nach der absoluten Summe der Zahlen- 
gröfsen A + 2B + C geordnet, d. h. dasjenige Chronometer, bei welchem diese 
Summe den geringsten Werth erreicht, nimmt den der Güte nach ersten Rang ein. 
Auf den ersten Blick scheint das Resultat der diesmaligen (20.) Konkurrenz- 
Prüfung gegen die Ergebnisse während der beiden Vorjahre etwas zurück- 
zustehen. Die Instrumente vertheilen sich nämlich procentisch in folgender 
Weise auf die einzelnen Klassen: 
Klasse I II III IV. 5) 
22% 19% 22°% „26% 11% 
Es geht hieraus hervor, dafs die Klasse II, in welche bei den beiden 
vorigen Prüfungen je 47°%o der konkurrirenden Chronometer eingereiht werden 
konnten, einen bedeutend geringeren Procentsatz umfalßt. Aufserdem haben 
dieses Mal 3 Chronometer oder 11°. sämmtlicher Instrumente die für die vier 
Klassen vorgeschriebenen charakteristischen Zahlen überschritten. — Bei genauer 
Durchsicht der anliegenden Gangtabelle zeigt sich aber, dafs dieses scheinbar 
ungünstige Resultat hauptsächlich dem Umstande zugeschrieben werden mus, 
dafs die eingelieferten Chronometer gröfstentheils noch sehr neu und deshalb 
mit einer beträchtlichen Acceleration behaftet waren. Ordnet man die Chrono- 
meter der vorliegenden Prüfung ausschliefslich nach der charakteristischen Zahl 
A-+2B-+C, so wird der für die Klasse I vorgeschriebene Maximalwerth 2,5° 
von 11 Chronometern und der für die Klasse II vorgeschriebene Maximalwerth 
5,0° von 14 weiteren Chronometern nicht überschritten. Auch von den noch 
übrigen 2 Chronometern wird der Maximalwerth der Klasse III, 6,5°, nicht 
erreicht. Die Einreihung von Instrumenten in Klassen von höherer Ordnungszahl 
hat in 15 Fällen wegen zu bedeutender Acceleration ausgeführt werden müssen; 
die Ueberschreitung der für die Größe B’ festgesetzten Maximalwerthe hat hierzu 
in keinem Falle Veranlassung gegeben. Wie bereits bei der Beurtheilung 
früherer Prüfungen hervorgehoben, pflegt sich bei jedem mit einer neuen Spirale 
versehenen Chronometer anfangs eine ziemlich beträchtliche Acceleration ein- 
zustellen, welche sich indessen nach längerer Gangzeit von selbst verliert. Es 
ist deshalb zu erwarten, dafs diejenigen Chronometer, bei welchen wegen der 
starken Acceleration ein Herabrangiren hat stattfinden müssen, mit der Zeit in 
höhere Klassen eintreten werden, ohne dafs eine Vervollkommnung der Reglage 
hierfür erforderlich sein. würde. — Durch den Umstand, dafs nach Beendigung 
der 19. Konkurrenz-Prüfung die außergewöhnlich grofse Anzahl von 16 Chrono- 
metern seitens der Kaiserlichen Marine und zwei Chronometer von astronomischen 
1) Der Kürze wegen sind hier unter der Bezeichnung „Klasse V“ diejenigen Chronometer 
zusammengefafst worden, bei welchen eine Ueberschreitung der für die eigentlichen vier Klassen 
vorgeschriebenen charakteristischen Zahlen stattgefunden hat. Den Instrumenten der Klasse V kommt 
also die Bezeichnung zu: „In dem gegenwärtigen Zustande nicht brauchbar für die Hautische Praxis.“ 
Ann. d. Hydr. ete., 1897, Heft VIII,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.