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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1897
wassers hatte nur annähernd dieses Resultat ergeben und dürfte, wie schon von
S. M. S. „Bussard“ berichtet, danach unzutreffend sein.
2. Südküste Neu-Pommerns und Möwe-Hafen. Die Navigirung an
der Südküste Neu-Pommerns gestaltete sich unter Berücksichtigung der von
3, M. S. „Möwe“ angegebenen Ungenauigkeiten der Karten einfach und leicht.
Im Abstande von etwa 3 Sm an der Küste entlang ist der Kurs sicher und gefahrlos,
Das hohe Südkap mit seinen runden, dicht bewaldeten bastionsartigen Vorsprüngen
sowie die drei terrassenförmigen, den Möwe-Hafen bildenden Inseln sind unver-
kennbar. Die Einsteuerung in die westliche Einfahrt des Möwe-Hafens ist einfach
and bei jeder Beleuchtung möglich, da das die Einfahrt im Süden einengende
Riff dicht unter der Wasseroberfläche liegt und dadurch gut sichtbar ist, während
das nördlich der Einfahrt im Hafen liegende Riff bei dem Einsteuerungskurse
mw. Ost gut frei an B. B. bleibt.
Der Hafen ist gut und sicher, hat aber, wenigstens in seinem äufseren
Theile, grofse Wassertiefen. Erst ganz in der Nähe der kleinen im Hafen
liegenden Insel konnte Ankergrund auf 32 m Wasser gefunden werden, Der von
S. M. S. „Möwe“ an einem kleinen Flusse gegenüber dem Ankerplatz errichtete
Observationspfeiler war noch in gutem Zustande,
3, Traitors-Bai. Die an der deutsch-englischen Grenze Neu-Guineas
auf englischem Gebiet liegende Traitors-Bai ist eine geräumige, wenig in das Land
ainschneidende Bucht, die einen guten, aber nur gegen Winde von ENE über
Süd bis WNW geschützten Ankerplatz bietet. Auch in der Nordwestmonsunzeit
lag S. M. S. „Falke“ hier gut und ruhig, da während des Aufenthaltes der Nord-
westwind am Tage von nur geringer Stärke war und in der Nacht ein leichter
Landwind aus südlicher Richtung wehte, Der Ankerplatz S, M. S. „Falke“ lag
in den Peilungen: Ost-Huk (Ambush Point) in N0zO!/s0, West-Huk (War-song
Point) in NW'/W auf 27 m Wasser; Grund: Schlick, Die Tiefen sind in der
äufseren Bucht bedeutend, scheinen aber im Innern derselben allmählich abzu-
nehmen, In die Traitors-Bai münden südlich der Ambush-Spitze deltaartig vier
Ausflüsse des Mambare - Flusses, von dem noch ein fünfter Ausflufs, auf der
englischen Karte Tit. X, No. 192 (87) (Br. Adm.-Karte No. 939), Clyde River
bezeichnet, sich östlich der Ambush-Spitze ergiefst. Das Wasser in der Bail ist
infolge des Flulswassers ganz unklar, verborgene Gefahren scheinen jedoch in
derselben nicht zu sein. S. M. S. „Falke“ lief mit Kurs SzO, die Mitte der
Bucht haltend, in dieselbe ein. Aufserhalb der Bai, ein wenig westlich der West-
huk derselben, welche auf obiger Karte mit War-song Point bezeichnet ist,
mündet der Icore- Flufs. Dieser Flufs ist in der deutschen Karte Tit. X,
No. 119a (94) (D. Adm.-Karte No. 100) nicht verzeichnet, in der erwähnten
englischen Karte ist jedoch seine Mündung angedeutet.
Etwa !/2 Sm westlich der Mündung des Icore-Flusses ist von S. M. S. „Möwe“
ein Obserrationspfeiler errichtet worden. Derselbe war zur Zeit der Anwesenheit
S. M. S. „Falke“ infolge von Bodensenkungen umgestürzt, zu seiner Wieder-
errichtung fehlte die Zeit, doch ist S. M. S. „Möwe“ entsprechend benachrichtigt.
Eine einem Berichte des Gouverneurs von Knglisch-Neu-Guinea, Mr. Macgregor,
beigefügte Karte über die deutsch-englische Grenzgegend am Icore-Fluls verlegt
übrigens den Namen War-song Point von der Westhuk der Traitors-Bai auf die
in der englischen Karte Tit. X: No. 192 (87) (Br. Adm.-Karte No. 939), mit
Alligator Point bezeichnete Spitze, während die Westhuk ohne Namen bleibt.
4. Samoa-Hafen. Die vom Samoa - Hafen (Huou- Golf) in der Segel-
auweisung der Nordostküste von Neu-Guinea (als Manuskript gedruckt) Seite 40 ff.
gegebene Beschreibung ist zutreffend. Die dort angeführte Bemerkung: „zu
beachten sind ausgedehnte Riffe in der Nordostecke“ kann sich nur darauf
beziehen, daß das dem Kap Parsee vorgelagerte Riff sich auch etwas nach
innen erstreckt, so dafs man dieses Kap nicht in einem geringeren Ab-
stande als 2 Sm runden sollte. Die Parsee - Halbinsel wird an ihrer Westseite
von einem schmalen Küstenriff begleitet, und von der Manteuffel-Spitze springt
ein Riff etwa 300 m weit vor. Sonst scheint der Hafen gänzlich rifffrei zu
sein. Der Hafen ist sehr geräumig und von allen Seiten geschützt, jedoch hat
das äußere Becken sehr grofise Wassertiefen, während dieselben im inneren
Becken sehr schnell abnebmen. S. M. S. „Falke“ ankerte in den Peilungen:
Manteuffel-Spitze in WNW3/W, Kap Parsee (Nordspitze) in NNO!A40 auf 12 m