Koldewey: Aenderung. der Devintion. des Regelkompasses der. „Phoenicia“.
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nämlich = 1,5, gefunden, so dafs derselbe durch einen Vertikalmagnet kom-
pensirt werden mufste. Der Koefficient 4 konnte während der Fahrt nur
näherungsweise bestimmt werden, doch ergab sich aus den Schwingungsbeobach-
tungen der Horizontalnadel, dafs der Werth jedenfalls zwischen 0,9 und 1,0 liegen
mufste. -D wurde durch Röhren kompensirt.
Zur Bestimmung der Deviation sämmtlicher Kompasse und KErmittelung
eines etwa vorhandenen Einflusses des elektrischen Lichtes wurde das Schiff bei
Brunshausen zweimal geschwait, und ergaben sich daraus für‘ den Regelkompafs
die folgenden Deviationskoefficienten:
1. ohne elektrisches Licht A=-+0,3° B=—25° 0=4+42° D=+15° E = — 08°
2. mit elektrischem Licht A=-+00° B=-—29° C= +57° D=+18° E = +0,?°
Die Koefficienten A und E sind von so geringem, innerhalb der Fehler-
grenzen der Beobachtung liegenden Betrage, dafs sie unbedenklich = 0 angesehen
werden können. In den Koefficienten der halbkreisartigen Deviation zeigt sich
bei C nach der zweiten Schwaiung eine Abweichung von 1'/2°, die über die
Grenzen der Beobachtungsfehler. hinausgeht und sehr wohl dem Einflusse des
elektrischen Lichtes zugeschrieben werden kanı; aber eben so gut kann diese
Aenderung durch den remanenten Magnetismus erklärt werden, da die Erfahrung
vei der Regulirung der Kompasse auf der Elbe bei Brunshausen gezeigt hat,
dafs, wenn das Schiff im Hamburger Hafen zuletzt auf westlichem Kurse gelegen
hatte, bei der zweiten Schwaiung der Koefficient C um 1—2° nach der -+ Seite
verändert war.
Wegen der grofsen Aenderung im Koefficienten B, die schon bei der
ersten Reise einen Betrag von 10° erreichte, wurde bei Antritt der dritten Reise
eine Neukompensation der Kompasse vorgenommen und beim Regelkompafs
durch ‚Umdrehung des Magnets der Koefficient B wieder auf 0° gebracht. Aus
den Beobachtungen ergaben sich dann die folgenden Koefficienten:
ÄA= +05° B=+02° C=-+02° D=4+18° E= +02.°
Für die weitere Diskussion wurden A und E= 0 und D = +1/4° als das
Mittel aus den Beobachtungen angenommen. Unter Benutzung dieser Werthe
konnten aus den vorhandenen Beobachtungen 40 Werthe von B und C, beziehungs-
weise B und € abgeleitet werden. (Die Beobachtungen sind in der nachfolgen-
den Tabelle zugleich mit den Werthen der erdmagnetischen Elemente gegeben.)
Diskussion des Koefficienten 3. Nach der bekannten Formel
B=— tang + Zr sec J cos &p ;
handelt es sich um die Bestimmung der Koefficienten c/A, P/A, v/A. Nun ging
aus der Vergleichung der abgeleiteten Werthe von $ für die Ausreise bei vorwiegend
nordwestlichen Kursen mit denen der Rückreise bei vorwiegend südöstlichen und
östlichen Kursen unmittelbar hervor, dafs der Kurskoefficient v/4 nahezu = 0 oder
doch sehr klein im Verhältnifs zur Größe der Werthe von c/A und P/2 sein müsse.
Gelang es also nur, durch zweckmäfsige Kombination der Gleichungen den durch
Vernachlässigung eines etwaigen kleinen Betrages von v/i entstehenden Fehler
verschwindend klein zu machen, so konnte man c/4 und P/A mit hinreichender
Genauigkeit in sehr viel einfacherer Weise, als dies bei drei Unbekannten mög-
lich war, berechnen. Zur Aufstellung der hierzu erforderlichen Gleichungen
konnten selbstverständlich die Beobachtungen der ersten beiden Reisen wegen
der großen Aenderung im magnetischen Zustande des Schiffes und der deshalb
vorgenommenen Aenderung in der Kompensation nicht benutzt werden. Aus den
übrigen Beobachtungen wurden sodann zwei Gruppen ‚gebildet, deren erstere
sämmtliche. Beobachtungen aus dem Gebiete zwischen Hamburg und 20° W-Lg,
die andere sämmtliche Beobachtungen aus dem Gebiete zwischen 40° W-Lg und
New York umfaßt. Auf diesem Wege gelangt man durch einfache Summirung
der Gruppen: zu: zwei Gleichungen, welche infolge der Vertheilung der erd-
magnetischen Elemente über den Atlantischen Ocean möglichst verschiedene
Zahlenwerthe für das Mittel der tang J und möglichst gleiche für das Mittel der
L/H geben.