Lieckfeldt: Versuch zur Erklärung der Mistpoeffers, Seeschiefsen n. 8, w.
1000 +h? = 75
h =— 0,274 m . .
| = 1000 +0,274 = 274 m.
Die ganze Wellenlänge wäre dann etwa 2.274 = rd 550 m.')
Aehnliche Vorgänge wie auf der Wasseroberfläche spielen sich räumlich
im Luftmeer ab und erzeugen in der Nähe Erschütterungen, weiterhin dumpfe
Schallwellen. Da diese von dem ganzen Umfange der Zone ausgehen, so müfsten
sie in dem betrachteten Beispiel Un = 6 Sekunden dauern, falls nicht diese
besonders gearteten Luftwellen andere Fortpflanzungsgeschwindigkeiten haben.
Jedenfalls werden die von dem nächstgelegenen Theil der Peripherie ausgehenden
zuerst eintreffenden Schallwellen einen bestimmten tiefen Ton, die übrigen ‘(im
Wasser Kabbelsee) ein verworrenes, allmählich auslaufendes Geräusch verur-
sachen, ähnlich wie beim Donner, und können, soweit sie nicht hörbar sind, das
erwähnte physische Unbehagen hervorrufen.
Mir scheint, dafs die in den Veröffentlichungen, namentlich der Zeit-
schrift „Ciel et Terre“ von dem Konservator E. van den Broeck in Brüssel
über Mistpoeffers ‘und in den „Schriften des Vereins für Geschichte des Boden-
sees etc.“ von Eberhard Graf Zeppelin über Seeschießsen aufgeführten und
im Beginn dieses Aufsatzes zusammengestellten Erscheinungen durch die vor-
stehend beschriebenen Vorgänge in der Dampfbildung, die ja zum Theil durch
Thatsachen belegt sind, ausreichend erklärt werden, und ich bitte, dieselben
daraufhin durchsehen zu wollen. Die von den genannten beiden Herren an-
veregten weiteren Beobachtungen, welche bei der sorgfältigen Aufstellung des
Fragebogens aus vielen Gegenden genauere Mittheilungen erwarten lassen, werden
hoffentlich Aufklärung darüber bringen, ob der vorstehende Erklärungsversuch
zutreffend ist, welche Nebenumstände etwa zum Zustandekommen des Phänomens
erforderlich sind, ob die Erscheinung überall auftritt oder an gewisse örtliche
Bedingungen geknüpft ist u.s. w., und sie können auch rückwirkend auf die bei Kessel-
explosionen auftretenden Umstände und die zu deren Verhütung erforderlichen
Vorkehrungen neues Licht zu werfen geeignet sein.
Lingen a. d. Ems, Mai 1897. Lieckfeldt, Baurath.
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Die Eisgrenze zwischen Grönland — Island — Spitzbergen.
(Hierzu Tafel 10.)
Nachdem die sommerlichen Touristenfahrten nach Spitzbergen bereits zu
einer stebenden Einrichtung geworden sind und ähnliche Fahrten nach Island
und Grönland auch deutscherseits schon geplant werden, ist eine Uebersicht über
die Eisverhältnisse dieser Gegenden wohl angebracht, umsomehr, als auch vom
rein geographischen Standpunkte aus nähere Angaben einerseits über die Ver-
schiebungen der KEisgrenze innerhalb eines Jahres und andererseits über die
Verschiedenheiten der einzelnen Jahrgänge in dieser Beziehung erwünscht sind.
Unsere grofsen Atlanten geben für diese Gegend nur die natürlich ganz unmafs-
geblichen Erfahrungen eines einzelnen Jahres wieder; so sind z. B. auf der
schönen Berghausschen Nordpolarkarte in Stielers Handatlas die Eisgrenzen
des Jahres 1876 eingetragen,
Nun hat kürzlich der dänische Marineoffizier C. Ryder, welcher sich durch
seine ostgrönländische Expedition an Bord der „Hekla“ (1891 bis 1892) einen
vorzüglichen Ruf gesichert hat, die Eisverhältnisse des „Europäischen Nordmeeres“,
das will sagen, der Gewässer zwischen Südgrönland — Island — Spitzbergen auf
Grund der Erfahrungen in den Jahren 1877 bis 1892 behandelt;*) es ist dies
. 1%) Ich bitte dringend, diese ganze Rechnung nur. als Anschauungsmaterial betrachten
zu wollen.
2) Carl Ryder: „Isforholdene i Nordhavet“ 1877-1892, _ (Särtryk af Tidsskrift for
Söväsen.) Kopenhagen 1896.
Ann. d. Hydr., etc, 1897, Heft VII.