312 Aunalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1897.
des Wassers aus der Gasform in den tropfbar flüssigen Zustand eine anormale
Verzögerung unter gewissen Bedingungen eintreten sollte, also ebenso wie beim
Uebergange von Wasser in Eis aus dem höheren in den niederen Aggregat-
zustand, ist kaum als unwahrscheinlich zu bezeichnen, wenngleich, wie schon
erwähnt, durch das Experiment vermuthlich schwer nachzuweisen. Hierdurch
würden sich dann die seltener beobachteten Erscheinungen in den Nacht- und
Morgenstunden erklären. Ja es ist nicht gerade ausgeschlossen, dafs es sich auch
bei den hauptsächlich gegen 3 Uhr nachmittags gemachten Beobachtungen des
Tages um den Uebergang des Dampfes in Nebel handelt, weil um diese Tages-
zeit das Maximum der Erwärmung schon überschritten zu sein pflegt. Es kommt
darauf an, ob gleichzeitig mit dem Knall ein Aufklaren oder umgekehrt ein
Daken in der Nähe der betreffenden Zone beobachtet wird.
Wenn auch bei schwach bewegter Luft (Windstärke 1) die Erscheinung
bemerkt worden ist, so ist entweder anzunehmen, dafs die am Lande beobachtete
Luftbewegung in der betheiligten Zone der Meeresfläche nicht bestand, oder dafs
eine geringe, gleichmäfsige, mit Erschütterungen nicht verknüpfte Bewegung der
ganzen Masse der Ausbildung des Phänomens nicht hinderlich ist.
Um nun zu zeigen, dafs der von mir aufgestellten Hypothese jedenfalls
die Möglichkeit innewohnt, die beobachteten Erscheinungen zu erklären, möge
die folgende ganz rohe Rechnung gestattet sein, deren Annahmen als zulässig
zu bezeichnen sein dürften. Das Gebiet der anormalen latenten Spannung habe
eine Ausdehnung von 2 km Durchmesser. Die Temperatur der bei 20° gerade
im Thaupunkt des Wassers befindlichen Luft sei durch Sonnenstrahlung um 1°
erhöht. Bei 20° und gewöhnlichem Luftdruck enthält 1cbm gesättigter Luft
17g, bei 21° aber 18,3 g Wasserdampf; bei der eintretenden Sättigung der
erwärmten Luft werden von diesen 18,3 — 17,0 = 1,3 g Wasser allerdings nur
etwa 0,2 g in Dampf verwandelt, während der übrige Theil der zugeführten
Wärmemenge für Molekulararbeit verwendet wird, und die Temperatur sinkt auf
rd. 20,2°; doch kann dieser Wasserdampf bei der Plötzlichkeit der Entwickelung
sich nicht, wie hei normalem Vorgang, ohne Volumenvermehrung zwischen die
Luftmoleküle lagern, sondern wirkt raumvermehrend. Bei 20° nehmen 17g
Wasserdampf den Raum von 1cbm ein; obige 0,2 g erfordern also ein Volumen
von 7 cbm und vermehren den als vorhanden angenommenen normalen Atmo-
sphärendruck um SE un — 9 mm Quecksilbersäule oder um ah == 122 mm
Wassersäule. (Ohne Wärmezuführung würden die gleichen Bedingungen für das
Eintreten des Phänomens gegeben sein, wenn eine Verminderung des Luftdrucks
2
um, also um 9 mm am Quecksilberbarometer stattgehabt hätte, ohne dafs die
Verdunstung der mit diesem Sinken des Barometers verbundenen Ausdehnung
der betheiligten Luftschicht gefolgt wäre.)
Dieser nach allen Richtungen wirkende Druck möge die Seefläche in dem
betheiligten Gebiet vom Durchmesser d = 2000 m im Mittel um e == rd 100 mm
= 01m herabdrücken; dann bildet das verdrängte Wasser am Umfange der
Zone einen Wulst, dessen Erhebung über das Niveau das gleiche Volumen be-
sitzen muß. Betrachtet man behufs Einfachheit der Rechnung den Querschnitt
dieses Wulstes oder Wellenberges als Parabelstück mit der Länge 1] und der
Höhe h, so ist also
2 dr
g 1h+ dm = 74€
also Ih = 3 ge
Nun war angenommen, daß d = 2000m, e = 01m sei; dann ist
1 qm
Da die Zone keine scharfe Abgrenzung nach den Rändern hin haben wird,
zo wird sich eine sehr langgezogene Welle bilden: es sei 1=— 1000-h; dann ist