Lieckfeldt: Versuch zur Erklärung der Mistpoeffers, Seeschiefsen u, s. w. 311
solcher bei Ueberschreitung eines gewissen Spannungszustandes sämmtlich zugleich
in‘ den Gaszustand . übergehen. Die dabei auftretende plötzliche Volumenver-
größerung wird eine Explosion erzeugen, welche .die Luft in Schwingungen ver-
setzt und dadurch einen Schall hervorbringt. . Entsprechend ‚einerseits der. weit-
läufigen Vertheilung der: Wassermoleküle in der nebeligen Luft, andererseits
der grofsen Ausdehnung, welche das unter den bezeichneten Verhältnissen stehende
Gebiet im Allgemeinen haben dürfte, wird die Explosion .Luftwellen von geringer
Mächtigkeit und grofser Länge erzeugen, welche erst beim weiteren Durchgang
durch den lufterfüllten Raum sich in solche für das‘ Ohr wahrnehmbäre. ver-
kürzen und ‚verdichten (vgl. Riemann Seite 145 u. ff.), im Uebrigen ein Erzittern
des Brustfells /ete.. hervorbringen. Befindet sich ein Schiff, das vielleicht den An-
stols zu der Explosion gegeben‘ hat, an oder in. einem solchen ausgedehnten
Gebiet, so. wird der Schall.von allen Seiten her vernommen werden, und zwar
besonders von.der Wasseroberfläche her, über welcher die dunsterfüllte Schicht liegt.
Ist das Gebiet von besonders grofser Ausdehnung und, wie anzunehmen,
nicht durchweg‘ gleichmäfsig beschaffen, so dafs es in einzelne Zonen. zerfällt,
so wird die Explosion nicht das ganze Gebiet gleichzeitig ergreifen; sondern die
durch die Explosion der einen Zone verursachte Erschütterung bringt erst die
folgende Zone zur Explosion u. 8. w., So dafs getrennte Schüsse. vernommen
werden. Vielleicht .ist aber diese Erscheinung auch durch Interferenzen . der
langgezogenen,. von dem ganzen Umfange‘ des Gebiets ausgehenden Luftwellen
zu erklären. ; .
Wenn ferner die für das. Eintreten des Phänomens günstigen Verhältnisse
einmal vorliegen, so ist es durchaus wahrscheinlich, dafs nach dem sehr bald
nach der Explosion zu erwartenden Wiedereintritt. der Ruhe sich der Zustand
der latenten Spannung von Neuem entwickelt und so die Knalle in Zwischen-
räumen einiger Minuten sich wiederholen können. Eine schnelle Erwärmung
der Luft (Schwüle?) ist unter den angenommenen Verhältnissen um so mehr an-
zunehmen, als hierfür die sonst zur Ueberführung der Nebelbläschen in Gasform
als Molekulararbeit erforderliche latente Wärme mit verwendet wird.
Der beschriebene explosive Vorgang mit plötzlicher Volumenvermehrung
der über dem Wasser. ruhenden Dunstschicht wird aber nicht allein die Atmo-
sphäre in Schwingungen versetzen, sondern auch einen Druck auf das Wasser
ausüben und dadurch je nach Ausdehnung und Stärke der Explosion eine lang-
gezogene, mehr oder weniger hohe Welle. erzeugen, welche, wie bei jedem auf
die: Oberfläche ausgeübten Stofs, ringförmig verläuft und eine Reihe immer
schwächer werdender Wellenthäler und -Berge im Gefolge hat. Die. am Rande
des Explosionsgebietes entstehende Welle wird sich nicht nur nach aufsen aus-
breiten und abflachen, aber beim Auflaufen auf steiler angehenden Strand eine
größere Höhe annehmen, sondern auch ‚nach dem ‚Innern des Gebietes. unter
größerer Erhebung verlaufen und durch das Ineinanderlaufen der Wellen hier
eine als Kabbelsee bekannte aufspringende Wellenbildung herbeiführen, ähnlich
den. Vorgängen in einer mit Wasser. gefüllten Schale. an deren Rand ein Schlag
ausgeführt wird. .
Die plötzliche Volumenvermehrung des in der Luft suspendirten Wassers
mul sich in der Nähe des Bezirkes als Luftverdichtung durch stofsweises Steigen
des Barometers mit darauf folgenden Schwankungen der Quecksilbersäule be-
merkbar machen, das, weil von einem einzelnen Stofs herrührend, in wenigen
Sekunden verschwunden sein‘ mufs. .
Es muß ferner mit solcher plötzlichen Verdunstung gröfseren Umfanges
eine Abkühlung des Gebietes verbunden sein, doch ist es zweifelhaft, ob bei der
weiten Vertheilung der Wassermoleküle diese Temperaturerniedrigung auffallend
und ob sie mefsbar ist.
Auch das Auftreten elektrischer Erscheinungen würde, da es sich um eine
durch die ganze Masse gehende plötzliche Erschütterung der Moleküle handelt,
mit der nach neueren Annahmen auch ein Umsprung in der Atomlagerung inner-
halb der Moleküle verbunden ist, nicht unwahrscheinlich sein.
Die gleichen Erscheinungen, welche vorstehend von einer plötzlichen
Volumenvermehrung beim Uebergang der Nebelbläschen in die Gasform ab-
geleitet sind, müssen auch beim Uebergang der Dämpfe in Nebelbläschen infolge
der Volumenverminderung eintreten können... Dafs auch bei dem Uebergange