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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1897.
Abschnitt XII, die aufsertropischen Stürme des Südlichen Stillen
Ozeans. Hier wurden mit wenigen Ausnahmen nur schwere oder harte Stürme
benutzt, 252 im Ganzen, in der Voraussetzung, dafs diese eine schärfere
Charakteristik zeigen würden. Auch hier ist, wie im vorigen Abschnitt, vom
Gesichtspunkte der praktischen Verwerthung aus von der Anfangsrichtung des
Sturmes ausgegangen, d. h. der, aus welcher er zuerst mit Stärke 9 B. weht.
Der Ozean ist in 3_ Theile eingetheilt, der westliche bis zum 180°, der mittlere
zwischen 180° und 90° O-Lg, und der östliche von 90° O-Lg bis zum Kap
Horn. Dementsprechend sind Kärtchen und Tabellen wie in Abschnitt XI zu-
sammengestellt; für den westlichen und für den mittleren Theil je eine, für den
östlichen Theil unter besonderer Berücksichtigung des grofsen Verkehrs um Kap
Horn und des Umstandes, dafs der Schiffskurs immer einigen Einflufs, durch-
schnittlich im geraden Verhältnifs zur Fahrt des Schiffes, auf die Beobachtungen
ausübt, vier und zwar sind die Stürme hier nach der Jahreszeit — Winter- und
Sommerhalbjahr — je für Heimreisen und für Ausreisen getrennt behandelt.
Die Liste und kurze Charakteristik der in allen diesen Karten aufgenommenen
Stürme ist hinten angefügt, aus ihr geht auch hervor, welche derselben auf
Tafel IX dargestellt sind.
In übersichtlicher Tabellenform wird dann noch gegeben: Vertheilung der
Beobachtungen nach höchster Windstärke und gleichzeitiger Windrichtung, nach
Monaten, nach der Anfangsrichtung; Procente der Häufigkeit nach der Anfangs-
richtung, und besonders bei Kap Horn: Dauer der Stürme in Stunden nach der
Anfangsrichtung, mittlere ganze Windänderung in Strichen, Zahl der Wind-
änderungen im Sturm von vier Strich und darüber. Durch eine graphische Dar-
stellung wird das Verhältnis der grofsen Windänderungen bei jeder Anfangs-
richtung zur Anschauung gebracht. Aus der Untersuchung über die schnellste
Windänderung im Sturm ergiebt sich, dafs die Gefahr, in anhaltendem
Sturm die Segel back zu bekommen, fast ausschlief[slich für St. B.-Halsen
besteht. Aus den Barometertiefen bei den schweren Stürmen im östlichen
Theil geht übereinstimmend mit den Beobachtungen über.die jahreszeitliche Ver-
theilung der Stürme hervor, dafs für die Ausreisen um Kap Horn das
Sommerhalbjahr nicht günstiger ist als das Winterhalbjahr. Der
Barometerfall, Barometergang und Höhe des Sturmes, Häufigkeit des Kintritts
jer Höhe des Sturmes bei fallendem oder steigendem Barometer, das Verhältnifs
des Barometers zur Windrichtung während der Höhe des Sturmes sind ebenfalls
tabellarisch zusammengestellt. — Nachdem dann noch die Einleitung der Stürme
betrachtet, werden die aus dieser nach allen Seiten erschöpfenden Untersuchung
sich ergebenden Gesichtspunkte für die Praxis gezogen. Bemerkungen zu den
in der Liste gegebenen 252 Stürmen, Auszüge aus 8 Schiffsjournalen und
Literatur-Nachweis schliefsen diesen inhaltsreichen Abschnitt.
Ueber die Gezeiten des Stillen Ozeans wissen wir, wie in Abschnitt XIII
ausgeführt wird, nur sehr wenig. Es scheint, dafs die allermeisten Angaben
über Hafenzeiten und Fluthwechsel sich nur auf sehr kurze Beobachtungsreihen,
vielfach nur auf wenige Tage stützen, und es bleibt in vielen Fällen zweifelhaft,
ob gebührende Rücksicht auf die Elimination der täglichen Ungleichheit
genommen ist. Diese ist in dem ganzen Gebiete sehr merklich, so dafs fast
ausschliefslieh oder doch an einer Reihe von Tagen in jedem Monat Eintags-
fluthen vorkommen, Die Ursachen, welche dieser Erscheinung zu Grunde
liegen, sind daher des Näheren besprochen.
An der amerikanischen Festlandküste ist die tägliche Ungleichheit
sehr merkbar, die Gezeitenströmungen sind wenig bedeutend und werden sehr
vom Winde beeinflufst, in den Buchten bezw, zwischen den der Küste vor-
gelagerten Inseln, namentlich an der Küste von Britisch-Columbia, sind sie öfters
sehr heftig und gefährlich.
Sehr lückenhaft ist das Beobachtungsmaterial stellenweis für die Küsten
von Neuseeland, Australien und Neu-Guinea, die Ostküste von Japan
ınd Kamschatka. Im Bismarck-Archipel und bei Neu-Guina giebt es nur
Eintagstiden,
Innerhalb des malayischen Archipels, im Golf von Siam, Tong-
king und der Java-See, deren Gezeiten wegen des Zusammenhanges mit denen
der ostasiatischen Küste hier mit behandelt sind, bilden Eintagsfluthen durchweg