284 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1897.
Tropen hält sich nach neueren Untersuchungen zwischen 4 bis 8 mm. Im
Berings-Meer beträgt dieselbe im Winter 40 mm, im Sommer 20 mm.
Wie Tafel 12 bis 16 des Atlas zeigt, bewirkt die aufserordentlich grofse
jahreszeitliche Schwankung des Druckes über Asien und Australien eine periodisch
wechselnde Druckvertheilung, die Ursache der Monsune im westlichen Ozean.
Auch Abschnitt VI, Lufttemperatur und Niederschläge, schließt
sich im Allgemeinen den betreffenden Abschnitten der früheren Werke an. Es
wird besonders darauf hingewiesen, welche Wichtigkeit für die Meteorologie
genaue gleichzeitige Bestimmungen der Imft- und der Oberflächenwasser-
Temperatur haben. Auch hier wird die schon oben erwähnte abnorm niedrige
Temperatur der Küste Chiles durch die abnorm niedrige Temperatur des Auf-
quellwassers an der Küste erklärt. Besonders zu erwähnen ist der Umstand, dafs
Kontrolbeobachtungen mit dem Afsmannschen Aspirations-Thermometer ergeben
haben, dafs instruktionsmäfsig aufgestellte Thermometer an Bord sehr nahe die
richtige Lufttemperatur angeben, was für die Beurtheilung der Differenzen Luft
minus Wasser wichtig ist, welche für die Linien Sydney—Samoa und Singapore—
Herbertshöh nach den Beobachtungen der Reichspostdampfer auf der Seewarte
abgeleitet und auf Seite 187 gegeben ist.
Die Regenverhältnisse werden an Hand der Tafel 25 des Atlas be-
sprochen. Die dieser zu Grund liegende Untersuchung fufßst auf der Zählung
der Tage mit und ohne Niederschläge, einerseits auf den Stationen der Küste
und der Inseln des Stillen Ozeans, andererseits auf einigen Hauptschiffswegen,
für die hinreichendes Beobachtungsmaterial worlag. Der „meteorologische
Aequator“ oder die Scheidegrenze nord- und südhemisphärischer Jahreszeiten
liegt auch hier, wie im Atlantischen Ozean, nicht auf 0°, sondern bei etwa
5° N-Br.
Die nun folgenden 153 Seiten sind den Stürmen‘!) des Stillen Ozeans
gewidmet. Um diesen Theil nicht noch weiter auszudehnen, ist die Kenntnifs
der allgemein für Stürme gültigen Gesetze, wie diese im Segelhandbuch für den
Atlantischen und für den Indischen Ozean eingehend behandelt ist, wohl mit
Recht bei den Benutzern dieses Segelhandbuche® vorausgesetzt, und in Ab-
schnitt VII gleich zur allgemeinen Charakteristik der Stürme des Stillen
Ozeans übergegangen. Drei Textiiguren erläutern die absolute Drehung der
Winde um das Minimum, für die nördliche Halbkugel gegen, für die südliche
mit der Sonne, und geben eine Anschauung über die Form der Isobaren.
Ganz sturmfrei ist der Gürtel von 5° N-Br bis 9° S-Br und das Passat-
gebiet zwischen der Westküste Südamerikas und den Paumotu-Inseln, fast
unbekannt sind Stürme im rein ozeanischen "heil des Nordostpassatgebietes
zwischen 130° W-Lg und 145° O-Lg. Im mexikanischen Stillengebiet kommen
etwa 4, in der Südsee etwa 6, im ostasiatischen Monsungebiet 15 bis 20 Stürme
im Jahre vor. Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb der Tropen einen
schweren Sturm zu treffen, ist demnach sehr gering. Bemerkenswerth
ist das Verhältnifs des Vorkommens aufsertropischer Stürme im Nördlichen
und im Südlichen Stillen Ozean. Während im erstern die Zahl der Winter- zu
der der Sommerstürme sich verhält wie 6:1, ist in letzterem dies Verhältnifs
2:1, was hauptsächlich in der Landfreiheit des südlichen Ozeans begründet ist.
Sehr interessant ist die aus den Monatsisobaren sich ergebende "Thatsache, dafs
im westlichen Stillen Ozean die tropischen Stürme nur auf der Halbkugel vor-
kommen, auf welcher sich zur Zeit die Achse des äquatorialen Tiefdruckgebietes
befindet.
Eine Betrachtung über die Entstehung der Cyklonen legt es dem Seemann
nahe, sich in Gegenden, in denen Wirbelstürme vorkommen, zu fragen: „Bedeutet
mein Barometerfall und mein Wetter auch wohl die Entwickelung einer Cyklone?*
Eine Erwägung dieser Frage dürfte ihm bei der Entscheidung über etwaige
Manöver oder zu wählende Kurse oft von Nutzen sein.
Böen, Wind- und Wasserhosen sind durch viele treffende Beispiele
erläutert und ihr Wesen auf das Herabstürzen von größeren Iuftmassen aus
gröfserer Höhe bezw. das „Ausschielsen“ im Gefolge barometrischer Minima erklärt.
1 Wir heben besonders hervor, dafs unter Sturm nur Winde von Stärke 8 B. und darüber
*#1n verstehen sind.