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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Meufs: Segelhandbuch für den Stillen Ozean, 
928] 
British Columbien. Durch die Straße Juan de Fuca erleidet der 
Wind manchmal eine Ablenkung, indem innerhalb derselben der Wind West ist, 
während draufsen steifer SSW weht. . Im Dezember springt häufig beim Offen- 
segeln der Straße die leichte östliche Briese auf SSW und wächst zum Sturm 
an. An der Westküste der Insel Vancouver läuft mehr oder weniger während 
des ganzen Jahres eine südliche Strömung, besonders im August bis November, 
welche wahrscheinlich durch die im Sommer fast beständigen Nordwestwinde 
hervorgerufen wird. Dieser Strom vereinigt sich mit den Gezeitenströmungen 
der Strafe von Juan de Fuca und setzt bei Ebbe mit 4 bis 5 Sm südwärts. 
Infolgedessen ist bei nebligem Weiter und dann besonders bei Springtiden 
grofse Vorsicht nöthig, um nicht auf Kap Flattery getrieben zu werden oder 
eine der vorliegenden Untiefen, Weiter nördlich setzt die Strömung in der 
Nähe der Küste zunächst nördlich, dann bis zum Eingang von Cook Inlet west- 
lich und längs der Insel Kadyak südlich, 
An den Küsten von Kalifornien herrschen im Sommer nordwestliche 
Winde, in See ist Nebel häufig, der Winter bringt die Regenzeit. 
An der Küste des Golfes von Kalifornien weht im Sommer, von 
Mai bis Oktober, Südost-, im Winter Nordwestwind. Im Atlas Tafel 19 ist 
hiernach die Windrichtung zu berichtigen. Gelegentlich tritt auch ein Orkan 
von geringer Ausdehnung, aber grofser Kraft auf, ein sogenannter Cordonazo. 
Der Strom folgt im Allgemeinen dem herrschenden Winde, in der Zeit der 
nordwestlichen Winde findet man an der Westküste des Golfes einen nördlichen, 
dagegen an der Festlandküste einen südlichen Strom, aufwärts bestimmte Schiffe 
sollten sich daher dann an der Westseite halten. Die Gezeiten machen sich im 
ganzen Golf bemerklich, doch ist ihre Höhe sehr von der Küstenform und der 
Windrichtung beeinflußt. 
In La Paz wird die Landbriese Coromell genannt und zwar nach einem 
Seeräuber Cromwell, der sie zu seinen Raubzügen benutzte, die Umwandlung 
des Namens soll sich im Volksmund vollzogen haben. 
An der Westküste Mexikos zwischen Mazatlan, und Tehuantepec wird 
die schöne Jahreszeit von Dezember bis Mai einschliefslich trotz der Lage auf 
der nördlichen Halbkugel Sommer (Verano) genannt.‘ Die Schiffahrt ist eigent- 
lich nur im Sommer rathsam, da sie in der schlechten Jahreszeit — Juni bis 
November, Winter oder Regenzeit — durch Stürme, selbst Orkane, Tornados, 
schwere Böen und Windstillen mit anhaltendem Regen unter der Küste manch- 
mal äußerst gefährdet wird. Sehr steife Nordwinde, wahrscheinlich Fortsetzungen 
von Nordern im Golf von Mexiko, kommen im Sommer vor, im Winter Orkane, 
Cordonazo de San Francisco, so genannt, weil sie am häufigsten um den 
San Franciscus-Tag, 4. Oktober, sind. Vor Anker mufs man in dieser Jahres- 
zeit klar zum Ketteschlippen sein. Nachts treten an der Küste öfter tornado- 
ähnliche Gewitterböen, Chubascos, auf. Da die Schwankungen des Barometers 
nur selten 2,5 mm übersteigen, ausgenommen bei schweren Böen und Orkanen, 
so ist es hier im Allgemeinen ein unzuverlässiger Berather bei der Vorausbestim- 
mung des Wetters, . 
Mittelamerika hat eine Trockenzeit, Verano, Dezember bis März, mit 
nördlichen (Land-) Winden, die, wenn sie sehr stark auftreten, Papagayos 
genannt werden, und eine Regenzeit, Invierno, welche Ende Juni, Juli oder 
August durch eine kleine Trockenzeit, Veranillo de: San Juan, unterbrochen 
wird. . Während der Regenzeit wehen östliche Winde, welche als Chubascos 
bezeichnet werden, wenn sie sehr stark auftreten. Temporales heißen starke 
Südwestwinde, sie kommen besonders im Juli und August vor. Norder treten 
vereinzelt auf. 
Die meteorologischen Verhältnisse der Küste von Columbien sind sehr 
wenig bekannt, im Allgemeinen darf man sagen, dafs die Witterung sehr nafs 
ist und Regen im Ueberflufs fällt. Eine eigenthümliche Erscheinung sind die 
Garüas, dichte nässende Nebel. Innerhalb 60 Sm von der Küste setzt ein be- 
ständiger Strom nördlich, ebenso an der Küste von Ecuador. 
Die Küste von Peru bildet eine interessante Ausnahme im allgemeinen 
System der Klimate der Erde: etwa 60 Sm breit, entbehrt sie des Passatwindes, 
der: Regen und Gewitter und ist deshalb gröfstentheils eine Wüste. Die 
Temperatur der Luft ist im Verhältnifs zur geographischen Breite um mehrere 
Ann, d. Hrydr. ete.. 1897. Heft VII
	        
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