Ann. d. Hydr. ete., XXV. Jahrg. (1897), Heft VI.
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Hydrographische Beobachtungen auf der Reise von Yokohama
nach Nagasaki. ;
Kommando der Kreuzerdivision, Kapt. z. S. ZEYE, März-1897.
Die Kreuzerdivision (außer S: M. S. „Arcona“) verliels am 25. März 5*p
den Hafen von Yokohama; S. M. SS. „Prinzefs Wilhelm“ und „Irene“ verblieben
in Kobe, S. M. SS. „Kaiser“ und „Cormoran“ ankerten am 29. März 9" 40” auf
der Aufsenrhede und am 30. März, 3" p, im Innenhafen von Nagasaki, .
1. Wind und Wetter.
Am 25. März war in der Bucht von Yeddo der Wind südlich in Stärke 2
bei anfangs schönem, später bedecktem und regnerischem Wetter. Am 26. ging
der Wind an der Ostküste von Nipon nach SE, abends nach NE herum und
frischte auf Stärke 3 auf, das Wetter wurde diesig, abends neblig bezw. unsichtig.
Während der Nacht im Kii-Kanal klarte es auf, so dafs die Feuer zu sehen
waren, doch blieb der Himmel bedeckt. Am 27. war das Wetter in der Binnen-
landsee durchweg regnerisch, bedeckt und wenig sichtig, der Wind schwach und
unbeständig aus Ost über Nord bis West in Stärke 1 wehend.,
Am 28. vormittags klarte es auf und blieb von da ab bis zum 30. schön,
zum Theil bei‘ klarem Himmel: und immer sichtig. Der Wind wehte am 28.
morgens. aus NE in Stärke 1, nachmittags in der Suwo Nada aus NW in Stärke 3
und nachts im Iki-Kanal ging er auf NE und ENE in Stärke 5 herum, gegen
Morgen auf Stärke 3 abflauend. Am 29. und 30. herrschte vor Nagasaki bei
theilweise ‘bedecktem Himmel leichte ostnordöstliche Briese in Stärke 1 bis 2.
Am 25, und 26. herrschte im Pacific mäßige Dünung aus NE, in der
Binnenlandsee war das Wasser ganz glatt, ebenso an der West- und Südküste
von Kiusiu, abgesehen von der Nacht. vom 28. zum 29. März, wo mit der Stärke
des Windes die See entsprechend zunahm.
2. Stromverhältnisse.
An der Ostküste wurde vom Kuro siwo wider Erwarten nichts bemerkt,
im Gegentheil eine leichte Versetzung nach West, also nach Land zu, festgestellt.
Jedenfalls hängt dieser abnorme Strom mit dem heftigen Nordostwind zusammen,
der am 23. und 24. März an der Ostküste von Nipon geherrscht hatte. ;
Im östlichen Theile des Kii-Kanals machte sich -bei Fluth eine Versetzung
in‘ nordöstlicher Richtung nach Land zu bemerkbar, auf die bei unsichtigem
Wetter Rücksicht genommen werden mufs, will män nicht Gefahr laufen, der
Küste zu nahe zu kommen. Nach der Karte soll der Strom etwa in Richtung
des Kanals setzen. Zwischen Hinoshima und Isumi wurde der Ebbstrom nörd-
lich setzend beobachtet, entgegen den Angaben der Karte.
Die 25 Sm lange Strecke wurde in 2" 27” zurückgelegt, also hat bei einer
Fahrt von 9 Sm 1 Sm Strom pro Stunde mitgesetzt. ;
In der Binnenlandsee setzte der Strom den Segelanweisungen entsprechend.
Besonders günstig war derselbe im Vincent-Kanal, wo er mit etwa 2 bis 3 Sm’ mit-
setzte. Dagegen wurde der in den Karten angegebene besonders starke Strom
zwischen Nukusima und Numasima nicht angetroffen. Durch Ausnutzung der
eigenthümlichen Stromverhältnisse in der Binnenlandsee war es möglich, ‘bis
Amata sima den Ebbstrom, und schon von Himejima an in der Suwo nada den
Fluthstrom mitzuhaben. Diese Möglichkeit, die Stromverhältnisse auszunutzen,
spricht neben dem Vortheil glatten Wassers besonders für Benutzung der inneren
Route durch die Binnenlandsee. Im Ganzen wurde die Strecke von Kobe bis
Okisima (105 Sm) bei 9 Sm Fahrt in 11'/4 Stunden, und diejenige von Okisima
bis Shimonoseki (136 Sm) bei etwa 10 Sm Fahrt in 12'/23 Stunden zurückgelegt, im
Ganzen also etwa 15 Sm gut gemacht.
Ann. d. Hyär. ete.. 1897. Heft VII.