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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1897, 
Man ist nun wohl nicht im Stande, aus dieser Zusammenstellung ein Bild 
des transatlantischen Handels abzuleiten, dazu ist die Segelschiffahrt, namentlich 
in jüngster Zeit, ein nur noch zu untergeordneter Faktor; es läfst sich aber 
hierdurch der Nachweis führen, wie die Segelschiffahrt nach und nach von der 
Dampfschiffahrt in andere Routen gedrängt ist, wo sie jetzt im Wesentlichen 
auch nur noch den Transport von Bulkartikeln, d. h. gröfseren Quanten minder- 
werthiger Güter, vermittelt. Wenn man bedenkt, dafs aufser mit der Ostküste 
von Nordamerika vor 1870 keine direkte Dampfschiffahrt nach transatlantischen 
Plätzen unter deutscher oder besser damals norddeutscher Flagge war, so darf 
man wohl sagen, dafs es kaum je eine so kurze Spanne Zeit gegeben hat, in 
der die Oceanfahrt so völlig umgestaltet worden ist, wie das letztverflossene 
Vierteljahrhundert. 
Der Kampf der Dampfschiffahrt gegen die Segelschiffahrt war natürlich 
dort am erfolgreichsten, wo die Segelschiffe, sei es infolge von Windstillen oder 
Gegenwinden, verhältnifsmäfsig lange Reisen machten, wie z. B. nach Westafrika, 
Ostindien, China etc., wohin die Segelschiffahrt mit Ausnahme der Reisfahrt 
bereits fast aufgehört hat, während der Widerstand der Segelschiffahrt dort am 
hartnäckigsten blieb, wo die Reisedauer beider Arten Schiffe den geringsten 
Zeitunterschied aufwies, wie z. B. bei der Fahrt nach Chile, die ausgehend im 
letzten Jahre etwa 30° und rückkehrend sogar 40% aller transatlantischen 
Segelschiffsreisen beanspruchte. Es spielen freilich auch die zu transportirenden 
Güter eine nicht unwesentliche Rolle in diesem Kampfe, deshalb sind im Nach- 
stehenden für sämmtliche einzelnen Abschnitte die Güter in rohen Umrissen au- 
gegeben, die der Segelschiffahrt bislang noch ganz oder theilweise verblieben sind. 
I. Die noch in Fahrt nach Nordamerika befindlichen Segelschiffe sind alte 
hölzerne Schiffe, die vorwiegend zum Transport der minderwerthigen amerikanischen 
Produkte, Holz, Harz und Petroleum dienen, letzteres seit Einführung der Tank- 
dampfer im Wesentlichen nur noch nach solchen europäischen Häfen, die keine 
Tankanlagen besitzen. Ordinäre Stückgutladungen kommen ausgehend noch 
gelegentlich vor. Sonst ist die ganze Fahrt in Händen von Dampfern. 
II. Ausgehend noch kleine Stückgutladungen nach flachen Häfen, sonst 
Kohlen. Rückkehrend nur Farbehölzer, Mahagoni- und Cedernholz, von welchen 
Artikeln die Dampfer indessen auch bereits seit längerer Zeit mit laden, die 
alles Uebrige transportiren. 
III. Ausgehend noch kleine Stückgutladungen ordinärer Waaren, sonst 
Kohlen oder Holz. Rückkehrend nur noch von den südlichen Häfen gesalzene 
Felle und Knochenasche. Im Uebrigen geht Alles mit Dampfern. Die gröfseren 
nach Brasilien ausgehende Segelschiffe. gehen fast sämmtlich von dort in 
Ballast weiter. 
IV. Ausgehend von Europa fast nur mit Kohlen, von Nordamerika mit 
Holz oder Petroleum. Mit der Zunahme des Getreidebaues am La Plata haben 
in den letzten Jahren die grofsen Segler auch hiervon theilweise Ladungen 
bekommen, sonst von den oberen Flüssen nur gesalzene Häute, Knochenasche 
und Quebrachoholz. Alle sonstigen Artikel in beiden Richtungen mit Dampfern. 
Viele nach hier ausgehende Segelschiffe gehen in Ballast weiter. 
. V. Ausgehend einige Stückgutladungen, sonst fast nur Kohlen. Viele 
Schiffe kommen von anderen Häfen in Ballast, auch von Australien mit Kohlen 
nach Chile, um hier Salpeter, gelegentlich auch Getreide zu laden, Die anderen 
Güter sind in beiden Richtungen in Händen der Dampfer. Chile ist jetzt das 
oedeutendste Land für die transatlantische Segelschiffahrt; es ist in den Tabellen 
'n früherer Zeit offenbar zu gering vertreten, weil die früher hauptsächlich mit 
Stückgütern dorthin fahrenden Hamburger Segelschiffe in uur geringem Mafse 
‚ür die Seewarte arbeiteten. 
VI. Ausgehend Stückgüter und Kohlen. Von Peru sind fast keine 
Rückfrachten mehr für Segelschiffe, von Ecuador gelegentlich noch kleine Ladungen 
Steinnüsse, Werthvolle Ladungen in beiden Richtungen mit Dampfern. 
VII. Ausgehend Stückgüter und Kohlen; rückkehrend vorwiegend Roth- 
and Gelbholz, Cedern und Mahagoni; vom Norden auch Kupfer. Alles Ü’ebrige 
mit Dampfern. 
VII. Ausgehend Stückgut und Kohlen; rückkehrend meistens Getreide, 
auch gelegentlich noch Stückgut. Es bestehen keine direkten Dampferverbindungen
	        
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