Hydrographische Arbeiten des Kontre-Admirals Makarof, 263
Noch muß ich eine Untersuchung erwähnen, über die ich in Vladivostök
der „Gesellschaft für die Erforschung des Amur-Landes“ Mittheilung machte.
Die Frage, ob man das Zufrieren des Hafens von Vladivostök künstlich verhindern
kann, ist von grofßser Tragweite. Nach mehreren Anzeichen hat man Grund, vor-
auszusetzen, dafs in der Tiefe des Goldenen Horns das Wasser nicht die Tempe-
ratur des Gefrierpunktes, welche für Seewasser bekanntlich — 1,8° ist, erreicht.
Wenn im Winter in der Tiefe der Bucht das Wasser eine Temperatur von — 1°
hat, so kann die Temperatur der Oberfläche durch künstliche vertikale Mischung
erhöht werden. Dieses würde nur einen geringen Aufwand mechanischer Kraft
erfordern, im Ganzen nur an 400 indicirte Pferdekräfte, Aber ehe man sich mit
Projekten befaßt, auf welche Weise dieses Vermengen zu Wege zu bringen sei,
mufß man sich vergewissern, ob es im Goldenen Horn und dem Bosporus des
Stillen Oceans wirklich Wasser giebt, dessen Temperatur über dem Gefrierpunkt
bleibt. Die Ortsbehörden hatten die Absicht, zu dem Zwecke etwas zu unter-
nehmen; falls sie aber nichts gethan haben, so wäre es erwünscht, dafs die
Hydrographische Hauptverwaltung bestimmte, welcher Art Untersuchungen dazu
erforderlich seien, und die Mittel gäbe zu ihrer Ausführung im Laufe des bevor-
stehenden Winters.
Ein genauer Bericht von meiner über diesen Gegenstand gehaltenen Vor-
lesung wurde von mir dem Vorsitzenden der „Gesellschaft zur Erforschung des
Amur-Landes“ überreicht und erschien in den „Denkschriften“ dieser Gesellschaft
im Druck.
Im Januar d. J. übergab ich in Hongkong. mein Geschwader und trat
meinen Rückweg durch die Vereinigten Staaten an. Ich hatte die Absicht, eine
Reihe von Beobachtungen über specifisches Gewicht des Oberflächenwassers im
nördlichen Theil des Stillen Oceans zu machen. Ich nahm meine Instrumente
mit mir, und während meiner Ueberfahrt auf einem Handelsdampfer wurden die
Beobachtungen ebenso regelmäßig geführt wie von meinem Flaggschiffe aus.
In Washington machte ich die Bekanntschaft von mehreren Personen, die
sich mit dem Studium des Meeres befassen, und auf den Vorschlag des Gehülfen
des Sekretärs der Smithsonian Institution machte ich eine Mittheilung über
Ansammeln und Verbreiten von Kenntnissen über specifisches Gewicht und Tem-
peratüur des Wassers. In dieser Mittheilung habe ich hauptsächlich auf die Noth-
wendigkeit hingewiesen, die Anhäufung von Beobachtungen über Temperatur des
Oberflächenwassers zu systematisiren durch Annahme des Kärtchensystems. Dieses
System besteht darin, dafs nach Empfang des meteorologischen Journals die
Oberflächentemperatur ihm entnommen wird, wobei die Temperaturen aus jedem
eingradigen Quadrat auf ein besonderes Kärtchen eingetragen und jedes Kärtchen
an seinen Platz in speciell dazu verfertigten Gehäusen gelegt wird. Ich rieth
zu derselben Art des Eintragens, wie sie in meinem Buche „Der »Vityaz« und der
Stille Ocean“ angenommen ist. Man kann mit Sicherheit behaupten, dafs die in
den Schiffsjournalen enthaltenen Schätze so lange für die Sache nutzlos bleiben
werden, als man nicht zum systematischen Sammeln der Beobachtungen
schreiten wird.
Mein Vortrag wurde stenographirt und wird von der Geographischen
Gesellschaft in Washington veröffentlicht werden.
Flaschenposten.
Bei der Seewarte sind in letzter Zeit folgende Flaschenposten eingegangen:
a) Ausgesetzt von der Bark „Emma Bauer“, Kapt. H. Niemann, auf der
Reise von Hamburg nach Corinto, am 4. Mai 1896 auf 46° 16‘ N-Br und 12°
20‘ W-Lg (ob beschwert oder nicht, ist nicht angegeben); gefunden von dem Fischer
Rosa Pereira Melho am 25. November 1896 an der Südküste der Insel
San Miguel (Azoren) bei dem Ort Faial do Terra auf 37° 44‘ N-Br und 25° 13
W-Lg. Trift in 205 Tagen 770 Sm nach SW'AW.,
Eingesandt von dem Pfarrer Herrn Viceira aus Povoczo durch den Ver-
weser des Kerl. Konsulats in Punta Delyada,